Freitag, 20. Oktober 2017

Stille!



Also wenn ich etwas weiß, dann weiß ich sehr wohl, dass es sehr bald, sehr still sein wird. Absolute Stille. Nicht einmal mehr der leise im Hintergrund, fröhlich, konstant in einer Tonlage pfeifende Tinitus, wird dann noch zu hören sein. Stille! Ach herjemine, wie sehr ich mich doch genau danach sehne. Lärm, nichts als höchst gesundheitsfeindlicher Lärm um mich herum. Ich kann es nicht mehr hören. Von allen Seiten, Lärm um mich herum! Gut zu wissen, dass dem nun sehr bald die absolute Stille folgen wird.

Stille, nur Stille, nichts als Stille.
 
Was meine ich wohl mit den vorhergegangenen Worten, den Sätzen, scheinbar nicht sehr viel sagend, vielleicht sogar einfach nur sinnfrei in der Bedeutung.Ich weiß es doch selber nicht. Ich tippe ohne nachzudenken. Ich denke nicht, scheinbar. Scheinbar, so erwähne ich, voller Entsetzen, wird viel zu selten etwas wirklich tiefgründiges gesagt. Scheinbar lügt das Schwein. Er lügt mich an, ich lüge sie an, gemeinsam lügen wir uns ständig während, im Kreis drehend, an. Wir lügen, weil wir leider alle lügen müssen. Aus, an, aus und wieder an. Schalter, in der Reihe, und manchmal parallel geschaltet. Es ist ein furschtbarer, grauenhafter Automatismus, da stell sich doch mal einer vor: Die einen sind die Nullen, die anderen sind die Einsen. Null-Eins-Null-Eins-Null-Eins-Null [...] Unter all den daher gesagten Worten, leicht, sich im Nichts auflösend, wie grässlich schmeckender, löslicher Kaffee. Wie ekelig! Eine absolute Verschwendung, alles nur Konversationen aus unendlich vielen Konserven. Nicht einmal aufgewärmt, nicht einmal lauwarm, kalt, eiskalt. Nichts ist mehr frisch, alles gab es schon einmal. Dies und jenes, es hat alles schon einmal gegeben. Der ganze Dreck wird von Zeit zu Zeit nur unbenannt. Es erscheint im neuen Glanz, für kurze Zeit, doch dann, was dann? Es erlischt. Erloschen. Pfutsch. Verschluckt und wieder ausgekackt, vom Vakuum verschluckt, weg. Doch Kacke bleibt Kacke. Ganz egal. Ein wenig Glitzer obendrauf und aus einfacher Kacke wird schnell Glitzer-Kacke. Doch Kacke bleibt, wie bereits erwähnt, einfach nur Kacke.
 
Kacke, denn ich kann einfach nicht schlafen.

Kacke, denn ich bin so was von im Arsch. Vom Vakuum verschluckt. Den Schlund hinunter gerutscht. Geradewegs durch alle Windungen des Darmtrakts. Heraus, heraus, ich will einfach nur noch raus. Schreie es ganz laut in mich hinein. Geschluckt werden und selber schlucken. Geradewegs durch alle Windungen des Darmtrakts. Heraus, heraus, ich will einfach nur noch raus. Raus aus der sich ständig wiederholenden Endlosschleife. Raus, raus, […]

Müde.

Müde und doch schlaflos. Ich denke mir dies und denke mir das und heraus kommen Sätze wie diese: „Fickt euch doch alle!“ Vielleicht beende ich aus genau diesem Grund meine zehnjährige Blog-Karriere bei Googels Blogspot. „Fick Google!“ Vielleicht, vielleicht aber auch nicht. Fickt Google vielleicht dich, oder mich, oder wir uns? Fakt ist, es ist vorbei. Das Bloggen bereitet mir keine Freude mehr. Ich möchte nicht mehr in meiner Schreibwerkstatt alleine sitzen, auf den Monitor starren, ich möchte nicht mehr still schweigend Zeile um Zeile mit schwermütigen Worten füllen. Am allerliebsten möchte ich es den Menschen direkt ins Gesicht schreien. Doch ab dem Punkt an, wäre ich nicht mehr gesellschaftskonform. Meine mühevoll errichtete Konformität wäre absolut fürn A***h. Wäre schön, schön blöd, ganz schön blöd sogar. Darum werde ich mir eine neue, ganz persönliche Kunstform überlegen, überlegen müssen. Ich muss denken, so viel denken, fast zwanghaft, denken. Stets gefangen in der Endlos-Gedankenschleife.Eine neue Form, was brauche ich wohl dafür? Vielleicht, vielleicht werde ich genau dafür Fragmente meiner alten Texte verwenden. Verwenden müssen. Vielleicht, vielleicht aber auch nicht.

Fakt ist, es ist vorbei.

Und siehe da, tatsächlich, ich lebe noch. Es ist vorbei und ich lebe immer noch. Ich hätte es selbst nicht für möglich gehalten. Ganz ehrlich, wie kann das denn nur sein.

Was um Himmelswillen ist geschehen?

Es ist so viel geschehen, es wird auch noch ganz viel geschehen. Es wird nie aufhören. Es wird nur alles anders werden. Alles verändert sich, ständig, immer fortwährend, am Tage und in der Nacht. Nichts ist mehr so wie damals. Früher, als scheinbar alles noch so viel besser war. Nichts, rein gar nichts war besser, es war nur anders. Anders ausgedrückt, ich werde alt. Ganz kuriose Gedanken kreisen um meine alltäglichen Gedanken herum. Ich verpacke mich, denn auch ich bin ein Verpackungskünstler, nur anders. Ich packe mich ein, dann packe ich mich wieder aus. Die rote Schleife, das schöne Verpackungsmaterial, die äußere, hauchdünne Haut, landet im überquellenden Müll.

Müll. Müll. Müll.

Was bleibt, nackt und unverpackt, pur und ungenießbar, ich.

Ich. Ich. Ich.
 
Ich sterbe jetzt. Und genau jetzt werde ich wieder geboren. Genommen, gegeben, gewinnen, verlieren. Gerade schien noch die Sonne, es war Sommer und wir badeten nackt am See. Wir waren jung, wir hatten Spaß. Jetzt, die Blätter fallen von den Bäumen, rapide. Es regnet, es bedrückt mich, es zwingt mich in die Knie. Es hat seinen Reiz verloren. Absolut reizlos! Ich falle. Ich stehe auf. Ich gehe weiter. Ich gewinne. Heute habe ich gewonnen. Morgen, morgen werde ich verlieren, phantasieren, delieren. Vielleicht, vielleicht aber auch nicht.

Wer weiß?

Ich weiß nur, dass es sehr bald, sehr still sein wird. Absolute Stille. Nicht einmal mehr der leise im Hintergrund, fröhlich, konstant in einer Tonlage pfeifende Tinitus, wird dann noch zu hören sein.

Stille!

Sonntag, 1. Oktober 2017

Bald, sehr bald!

Bildergebnis für grün

 
Bald gehe ich offline. Dies sei gesagt, bald, sehr bald habe ich es geschafft. Diesen Weblog, das Krähennest gibt es seit Sonntag, dem 18. November 2007. Bald, sehr bald, werde ich meinen allerletzten Post veröffentlichen. Danach werde ich den Stecker ziehen, der letzte macht das Licht aus. Bye, bye!

Zehn Jahre, zehn Jahre Entwicklung kann ich vom allerersten Eintrag bis zum heutigen Tage nachlesen, nachfühlen. Ich kann mich selbst reflektieren, kann dabei weinen, aber natürlich auch lachen. Zehn Jahre, ganze zehn Jahre später, werde ich schließlich aufhören zu Bloggen. Ich denke, dass es reicht. Genug des Guten, es reicht nun endlich! Dieser Abschnitt ist sehr bald, für immer, beendet.

Ich habe den Endboss besiegt und komme nun in das nächste Level. Es ist beschlossene Sache, der 18. November 2017 ist offiziell der letzte Tag. Nach der Veröffentlichung genau dieser hier getippten Gedanken, gibt es definitiv keinen Weg mehr zurück in Ihsans Krähennest. K‘nack die Krähe wird an dieser Stelle nichts mehr niederschreiben.

Blogspot ade!