Sonntag, 24. September 2017

Die Pflege nach der Wahl





Ich öffne meine Ohren, meinen Kopf und mein Herz.
 
Ich nehme wahr und werde wahrgenommen. In Zeiten wie diesen, ist es scheinbar sehr schwer auf den anderen, auf sich und sein Umfeld zu achten. Achtsamkeit, scheint mir ein Fremdwort zu sein. Ich, der nichts, um Himmels Willen, anderes als alle anderen macht, mache mir nur diese immer wiederkehrenden Gedanken. Ich denke viel, oft habe ich unaushaltbare Schmerzen in meinem, in der Dauerschleife, denkenden Kopf. Ich denke, also bin ich. Ich bin frohen Mutes, ich gebe nicht auf, denn mein Herz schlägt deutlich fühlbar und ich habe den Willen und die Kraft zu so viel mehr. Mehr, mehr, mehr! Und immer noch mehr! Höher, schneller und weiter! Dies sind nicht meine Doktrinen.
 
Ich will mehr Zeit für mich und meine Familie. “Just Quality-Time!“
 
Doch meine sich ständig ändernden Blickwinkel zeigen mir stets neue Perspektiven. Meine Gedanken, streifen stets suchend umher. Mein Blick durch die Gläser meiner Retro-Brille, die nun schon lange nicht mehr inn ist, mein Blick ist leicht gekrümmt, so sagt meine Augenärztin, die gerne so ausschauen mag wie Audrey Hepburn.
 
Krumm drein blickend, durch Nebelschwaden hindurch, sitze ich hier am Tag der Wahl, vor Dienstbeginn. Mein Wochenende beginnt erst Ende der nächsten, arbeitssamen Woche. Mein Dienst Endet nach der wohltuenden Dusche, spät in der Nacht und früh am Morgen des nächsten Tages, geht wieder alles von vorne los. Dann werde ich wieder auf dem Weg zur Arbeit sein. Und da frage ich mich noch allen Ernstes:
 
„Ob die Politik an dieser Situation wohl etwas ändern wird?“
 
Ich gehe wählen, wie immer. Zusammen mit meiner Familie, wir gehen wählen. Seit jeher, wähle ich. Ich wähle denn auch ich bin. Ich bin der typische bla, bla, bla, Wähler. Merke wie ich mit der Zeit immer konservativer werde. Ist nicht weiter tragisch. Hat etwas mit meiner Lebenssituation und dem voranschreitenden Alter zu tun. Ich möchte, nicht schon wieder, eine leicht aggressive Schreibweise annehmen. Ich möchte nicht fluchen, außer hinter dem Steuer meines Personenkraftwagens. Aber heute fällt es mir ein wenig schwer, schwer zur Arbeit zu gehen. Obwohl ich gerne zur Arbeit gehe. Heute werde ich leider nicht zur Wahlparty meiner Wahl gehen können. Man kann es nennen wie man will, vielleicht sogar äußerst schlechte Organisation. Ich bin wohl in der Tat nicht besonders gut organisiert. Denn wäre ich es, so wäre ich heute Nachmittag auf der Wahlparty meiner Wahl, und nicht auf der Station.
Nichts desto trotz. Ich habe gewählt. Gerade eben. Jetzt gleich werde ich mir meinen geliebten Pflege-Kasack anziehen und pflegen wie ein echter Pfleger. So wie ich es von mir selbst erwarte, nicht unbedingt so wie es andere von mir erwarten. Denn ich glaube, dass meine eigenen Erwartungen zum Teil über den Erwartungen der anderen stehen. Klingt vielleicht ein wenig arrogant, ist es aber nicht. Ich pflege nur so wie ich gerne gepflegt und behandelt werden möchte. Ohne Kompromisse, bin ich der Pfleger Ihsan von der Station meines Lebens, ich arbeite gerne in dem Haus St. Elisabeth. Entsprungen aus einer Idee, ist mein Wunsch wahr geworden. Es betrübt mich sehr, wie schlecht wir Pfleger in der Gesellschaft angesehen werden. Ich wollte vorerst nicht, doch ich tue es trotzdem, oder gerade deswegen:


“FUCK YOU!“
Dies geht raus an alle, die dort draußen über unseren Berufszweig lästern, meckern und uns durch den Kakka-Oh ziehen.
"FUCK ALL YA!"




Donnerstag, 21. September 2017

Gedanken im Stakkato-Style


Ich habe gerade einen guten, um nicht zu sagen, sehr guten Turn...


...meine Energiereserven sind gut gefüllt. Daher finde ich seit drei Nächten, vor dem zu Bett gehen, den Weg zu meinem LapTop und schreibe/tippe meine Gedanken nieder. Wie wild hacke ich, wie immer, im Stakkato-Style. Sehr laut, sehr brutal, die Tastatur muss leider sehr stark leiden. Solange bis die Tasten qualmen. Es verschafft mir Erleichterung, in Mitten der Nacht. Erleichterung bis zum nächsten Tag. 

Der Song des heutigen Abends, ein Song, den ich immer wieder sehr gerne höre, ist: „Lonesome Town“, von Ricky Nelson, aus dem Jahr 1958. Ein sehr bekannter Song aus dem ultimativen Soundtrack des Films Pulp Fiction - (Track No. 3).
 
Ich bin erschöpft, fühle mich ein wenig dreckig, schmutzig, gebraucht. Ich fühle mich wie eine männliche Prostituierte. Nicht weil ich mich prostituiere, oder das Bedürfnis verspüre dies zu tun, nein, weil ich einfach alles für die anderen Menschen mache. Die Menschen für die ich arbeite, wollen sehr gerne ihr Glück mit mir teilen, also teilen wir es gemeinsam. Sie teilen es mit mir, ich teile mit ihnen. Diese Erfahrung kann man mit Gold nicht aufwiegen! Eigentlich müsste ich meinen Arbeitgeber, für genau diese Erfahrung bezahlen. Nicht schlecht, oder?! 
Überhaupt nicht schlecht, leider nur manchmal sehr, sehr anstrengend. Na, und eben deshalb gelingt es mir nach arbeitsamen Tagen wie diesem, um diese späte Stunde, genau hier zu sitzen. Ich sitze hier und schreibe meine Gedanken nieder. Ich sitze hier und lade auch ganz bewusst den Müll des Tages ab. Manchmal mehr, manchmal etwas weniger. Auch eine Möglichkeit einfach mal abzuschalten. Es sollte nur nicht die einzige Aktivität des Tages, in der Freizeit, sein. Zudem war ich heute endlich wieder Joggen. Endlich, denn ich wurde bereits entzügig. Aufgrund einer leicht angestauten Aggression am Vorabend, hielt ich es für dringend notwendig in meine Laufschuhe zu schlüpfen. Aufgrund der diesjährigen Herbst-Influenza war dies in den letzten fünf Tagen leider nicht möglich. Macht nichts, ich habe die Grippe überstanden und laufe nun wieder mit weit vorgestreckter Brust, durch den Wald und um die Fischteiche herum. Jetzt erinnere ich mich daran:
Ich erinnere mich an die Sonnenstrahlen, welche schienen durch das spät-sommerliche Blätterdach hindurch, ich erinnere mich an den Geruch des Waldes, dem zwitschern der Vögel, und den fast rhythmischen Geräuschen jeder meiner Schritte über dem Waldboden, auf dem weichen Rindenmulch. 
  
Heute bin ich sehr müde und voll des Glückes!

Mittwoch, 20. September 2017

Ich, ich, immer nur ich




Ich, ich, immer nur ich. 

Triefend, tief schwarze Gedanken kommen mir hoch wie ätzende Galle. Diese zerstörerische Lebensweise ist der reinste Irrsinn, zudem ist es irrsinnig anstrengend für alle Beteiligten. Augenblicklich muss dieser Wahnsinn ein Ende haben. Es soll ein Ende haben. Bevor, bevor es zu absolut unnötigen Schäden kommt. Absolut unnötige Schäden. Es komme was will, der Herbst, die Nässe, der Wind, die trostlosen Farben. Umgeben von all den trostlose Farben. Es komme was will, die Kälte von außen, nach innen herein, ganz gewiss, sie kommt, denn die Fenster und Türen stehen offen. Sie wird kommen! So wie der Winter und die klirrende Kälte, welche ich hasse. Es ist so trostlos! So unglaublich trostlos. Kalt ist mir, die Schmerzen, ich ignoriere sie schlicht weg. Ignoranter Egoist.  Die Kälte jedoch, sie ist stets da, ich kann sie nicht einfach ignorieren. So arrogant wie du bist. Ich bin, ich bin ein Kind, ich wurde geprägt. Ich bin ein Kind, ich bin gezeichnet vom kalten Wind. Ein Leben am Rande, einem Orkan oder einem Taifun gleichend. Eigentlich ist es ganz egal ob Orkan oder Taifun, denn letztendlich habe ich einfach nur Angst vor so schrecklichen Naturgewalten.  Das Leid, die Kälte, geschunden, das Leib, die Schälte, leider bleibt mir keine Zeit, für eine ausgiebige Erklärung, dieser mir bekannten, alten Technik. Vernarbt, nicht vergessen, sitze ich hier und höre schöne Musik von Sarah Willis, einer begnadeten Hornistin. Ich bin ein Kind, traurig drein blickend, eigentlich bin ich ein Kind des Frühlings und des Sommers. Ich sehne mich stets nach der wärmenden Sonne. Unter der dicken Eisschicht, sehe ich, entsteht neues Leben. Ich kann es wirklich sehen. Meine Gedanken, sie sind ganz nah am Leben, sie sind manchmal so furchtbar schön und doch so unendlich schwer. Die Nacht, sie ist meine beste Freundin, mit ihr teile ich mein Leid. Denn auch sie ist voll des Leides, denn auch sie ist voll des Schmerzes. Sie ist so furchtbar schön und schwer. Meine Gedanken ziehen wie nächtliche Schatten vorbei. Vorbei. Haltlos, durchbrechen sie die Schranken. Meine Gedanken.

Dienstag, 19. September 2017

Ich bin...




Ich bin...


der der ich bin. Ich bin genau so wie ich bin. Verdammt, es fällt mir schwer mich zu verstellen, dieses Getue, es ist so absurd. Menschen die mich kennen, wissen sofort, wer gerade, wann etwas sagt, wer wann etwas nicht sagt. Ich bin der, der ich bin. Ich hasse die Maskerade, ich verabscheue die Unehrlichkeit in Gedanken, Worten und letztendlich, in Taten. Es sind all die absurden Taten. Ich tue, also bin ich…

Verantwortlich!
 
Denn, nicht vergessen, es ist eine Tatsache, ich bin stets der, der ich bin. Ich bin, damals ein kleines, nun groß gewordenes Vorstadtkind, einer nicht wirklich existierenden Stadt. Alles nur virtuell, alles nur in meinem Kopf. Dieses Getue, all dieser Schmarren, wie der Bayer sagen würde, es hat keine Würde, und ich würge! Es ist wie es ist, denn ich bin der, der ich bin!

Es wäre alles so viel einfacher, es wäre alles so viel einfacher. Doch wieso einfach, wenn auch zweifach, dreifach, vierfach, fünffach, einfach alles geht!
 
Es ist so anstrengend, seitdem nichts mehr geht. Seither geht alles sehr viel schwerer, zähflüssiger. Ständig sehe ich Trugbilder! Alles nur ein Trugbild, ein Zerrspiegel der Gesellschaft. Ein Spiegel, in den ich täglich blicke, blicken muss. Doch ich verstehe nicht, weil ich es nicht verstehen soll. Ich weiß es schlicht und einfach nicht, weil über allem, scheinbar noch etwas anderes ist. Ich will es wissen. Ganz bestimmt, ich will es wissen. Am liebsten jetzt, jetzt sofort! Was wird da gerade besprochen, hinter der für mich verschlossenen Tür. Was geschieht gerade jetzt mit mir?!
 
Ich stehe vor der verschlossenen Tür und ich denke mir: „Gott sei gedankt!“
 
Der Raum, gefüllt mit Energien der Menschen in ihm. Der Raum ist voller Glitzerkacke, oder einfach nur voll Scheiße, der Raum engt mich ein. Ein Traum, nicht nur weil es sich so schön reimt, der Traum, ist ein absoluter Alptraum. Dieses Spiel, es ist nicht mein Spiel. Ich, bin genau der, der ich bin: 

„Doch wer zum Teufel bin ich jetzt?“

Entscheide du. Wer soll ich sein? Für dich bin ich jeder, alles, wann immer du willst, wo du gern magst. Manchmal sehr intim, manchmal frei öffentlich. Die Intensität bestimmst allein du. Wieso gerade du? Du, wer bist schon du? Was denkst du? 
Komm etwas näher, dann teile ich es dir mit.
 
Du weißt nun ganz gewiss, ich bin der, der ich bin. Doch, wer bist? Diese Frage beschäftigt mich wirklich. Du, du bist erniedrigend, du bist niederschmetternd, du hast es nicht begriffen. Du willst es auch nicht begreifen. Du bist, aus genau diesem Grund, weil du es nicht begreifst, es scheinbar nicht begreifen willst, du bist: 

Das Arschloch!“

Dieses Spiel hat nun einen Namen. Wir spielen es gemeinsam. Dieses Spiel, Gott weiß, es ist nicht mein Spiel, denn ich kenne nicht einmal die Regeln, es ist nicht mein Spiel! Dieses Spiel, es ist dein Spiel, und heißt somit:
 
Das Spiel des Arschlochs!“

Ach ja, eins weiß ich doch, scheiß auf die Spielregeln, denn am Ende hat eh das größere Arschloch gewonnen!
 
Also gut, herzlich willkommen, alle sind nun herzlich willkommen. Natürlich auch diejenigen, die nicht wissen, dass sie mitspielen. Denn auch du, gerade du, bist herzlich willkommen. Ich heiße euch alle herzlich willkommen, ihr MOTHERFUCKER, seid die MOTHERFUCKER, seid die Geister die ich rief, MOTHERFUCKER!!!
 
Herrlich, ganz große Klasse, die Bässe, die hohen Töne, der Sound meines Lebens, ich stehe mittendrin, kann eigentlich nicht ausweichen. Mitten unter ihnen, bin ich einer von ihnen. Ohne es beurteilen zu wollen, es ist so wie es ist, ich bin einer von ihnen. Und doch weiß ich, ich bin eigentlich ganz anders. Ich weiß es, und halte mich fest daran. Ich stehe dazu, ich stehe dazu, bin da für euch, bin hier, bin dort, bin irgendwo ganz anders.
 
Weit, weit weg! Ganz weit weg!
 
Du denkst du siehst mich. Du denkst du hörst mich. Mit all deinen Sinnen täuschst du dich (MOTHERFUCKER), denn deine Realität, ist ganz gewiss nicht meine Realität!
 
Ich verbiege mich, lasse dich, dich selber spüren, ich gebe mich, mit allem was ich habe dieser einen Sache hin. Es ist richtig, aufrichtig, es ist meine Aufgabe, es ist wie es ist, denn nach wie vor bin ich der, der ich bin. Und du, du glaubst es nicht! Denn du glaubst nicht! Ich frage dich: 

„Wer zum Teufel bist du?“
 
Es kommen nun die ersten Zweifel auf. Es implodiert, explodiert, wie auch immer, ich kann mich nicht entscheiden. Ich fange an zu zweifeln, ich glaube dem nicht, ich kann es nicht, denn meine Wahrnehmung, spricht ganz unterschiedliche Sprachen.

Multilingualism!
 
Meine Sinne sind geschärft, ich bin total fokussiert, und du, du bist jetzt absolut irritiert. Gerne möchte ich meine Gedanken mit dir teilen, gerne möchte ich dir alles sagen. Doch sobald die Sonne wieder aufgeht, bin ich nicht gewillt, denn ich bin nicht, der, der du denkst, der ich bin. FUCK (U)nd so gehen wir jeden Tag schweigend auseinander. 

Du weißt nicht wer ich bin und ich weiß nicht wer du bist!