Mittwoch, 23. August 2017

Endlich ankommen!



Ich sehe  den Tag heute, vielmehr den Tag zuvor, als einen ganz besonderen Tag, wie einen Film vor meinen müden Augen ablaufen.

Das Bild flimmert ein wenig. 

Es war kein gewöhnlicher Tag, es war ein Tag mit besonderen Ereignissen, welche mich nicht zur Ruhe kommen lassen. 

Ich komme scheinbar nie zur Ruhe.

Wie sollte ich denn auch, wenn ein Komet bedrohlich nah an mir vorbei rast, und ich schweißgebadet aus einem Traum erwache. Es geschieht nun wieder Nacht für Nacht, die selben Gedanken. Geplagt und gequält, verfolgt und gehetzt, unruhig, gefangen in schirr endlosen Gedankengängen. 

Ich verfranse mich, und trotz der Brotkrumen finde ich den Weg nicht zurück. Es ist zu dunkel, ich sehe nichts. Es fällt mir schwer, meine Sorgen zu thematisieren. Artikulieren, kommunizieren, es fällt mir schwer.

Ich verliere mich in der Gedankenwelt.

Erschaffe Kreaturen, grausam und gemein. Es werden Helden geboren, es werden Helden sterben. In meiner Welt, so wie sie mir gefällt, passiert an nur einem Tag so unglaublich vieles. Keiner wird es je erfahren, wieso denn auch, denn keiner wird es mir jemals glauben. Die Verrückten-Bekloppten glauben nicht an die Wahrheit, denn die Wahrheit ist grausam. Die Verrückten-Bekloppten wollen eingelullt werden. Die Phantasie herrscht, nur sie allein herrscht in dieser Welt, der Welt der ständig währenden Täuschungen. Phantasterei, Tag ein Tag aus, sie ist mir ein Graus. Ich lache, obwohl ich weinen könnte. Die, die mich kennen, wissen wovon ich hier an dieser Stelle schreibe. Die, die meinen mich zu kennen, denken zu wissen, wovon ich hier an dieser Stelle schreibe. Ich weiß, denn nur ich weiß, dass es besser ist, manche Dinge nicht zu wissen. Wissen ist nicht nur Macht!

Manchmal mag ich nicht mehr.

Manchmal kann ich nicht mehr. Manchmal ist es echt sehr, sehr schwer. Es fällt mir nicht einfach, und ganz gewiss wird es auch nicht einfacher. Im Gegenteil, das Leben wird gerade dann, wenn es mal so richtig gut läuft, wenn man denkt, so könnte es erst einmal bleiben, dann wird es meistens erst richtig schwer. Schön wenn einem jemand zur Seite steht, wenn ich Hilfe habe. Noch besser ist es, wenn ich diese Hilfe auch annehme. Manche Probleme kann ich nicht alleine lösen. Schön wenn man Freunde und vor allem aber eine Familie hat.
Manchmal, manchmal jedoch ist es besser, manche Probleme selber zu lösen. Schwierige Situation wird es immer und immer wieder geben. Es verlangt einem viel ab. Doch je älter ich werde, desto mehr Erfahrungen habe ich. Diese Erfahrungen können durchaus ein Ansatz sein. Ich kann sie nutzen wie ein Werkzeug, kann damit spezifische Arbeiten verrichten, Herausforderungen souverän bewältigen. Nur so entwickelt man Bewältigungsstrategien. Ich kann über mich hinaus wachsen, wenn ich will. Wenn ich will kann ich noch so viel mehr machen.
Wenn ich will kann ich all die Worte wiederholen die ich schon kenne. Ich kann so vieles, ich weiß. Ich muss es mir nicht ständig und ständig und ständig sagen, muss es nicht in meinen Text einfließen lassen.

Es ist nun an der Zeit etwas zu verändern. 

Veränderung im Sinne von, ankommen. Die Ankunft wird schon lange erwartet, und ich brauche mich nun auch nicht mehr zu fürchten. Manchmal tut es ganz gut, ganz bewusst mal irgendwo anzukommen. Ständig auf Reisen zu sein strengt nicht nur an, zudem besteht die Gefahr, dass man sich daran gewöhnt. Sich daran gewöhnt ein Reisender zu sein. Wenn man sein Leben lang auf Reisen war, wird es endlich Zeit irgendwo im Nirgendwo anzukommen. Eine schlimme Vorstellung, eine zusätzliche Befürchtung meinerseits ist die, die Zeit zu verpassen. Wie viele haben es leider nicht geschafft, sich auf die Heimreise zu begeben? Es sind viele, viele alleine aus meinem Umfeld. Schade, denn es betrübt mich sehr. 

Ich möchte nun endlich ankommen, denn meine Ankunft wird erwartet! 



Samstag, 19. August 2017

Oh Yeah!



Oh Yeah!

Das ist keine besondere, keine spezielle Playlist, es ist nur ein Song von YELLO der da gerade im Hintergrund läuft. Ich habe heute Nacht keine Platte aufgelegt, jetzt lasse ich es einfach laufen. Zudem fällt mir gerade ein, viele meiner Texte von, vor nun fast zehn Jahren, hatten keinen Anfang, kein wirkliches Ende. Ganz ohne Konzept, keine Idee, es lief, von allein. Auch heute noch läuft es von ganz allein. Ich denke, manchmal, dass ich es in der Hand hätte, falsch gedacht, denn es läuft von ganz allein. Ohne mich würde es auch weiterlaufen. Es ist wie es ist, ich bin nur ein kleiner Artist im Leihen-Theater. Alles was ich hier darstelle, alles was ich bin, all das, es hat schon einmal existiert. Leid und Freude, jede einzigartig geglaubte Sekunde meines Lebens, eine ständig währende Wiederholung. Wiederholungen sind gar nicht mal so schlecht. Auch wenn ich mich dagegen sträube, denn ich mag keine Wiederholungen, es ist ganz einfach, denn es ist so wie es ist. Mein Leben hatte keinen Anfang, und es wird kein wirkliches Ende geben. Mein Leben ist ganz ohne ein Konzept, ich habe auch keine wirkliche Idee. Ich weiß jedoch, es existiert das Leid und die Freude. Manchmal liegt beides sehr nah beieinander. Auch wenn es eine unendliche Wiederholung ist, wirklich beweisen kann ich es nicht, es ist, so wie ich schon erwähnte, wie es ist. Ich freue mich über jeden Tag an dem ich glücklich und halbwegs zufrieden zu Bett gehen kann. Ohne unnötige Grübeleien, ganz ohne Ängste, welcher Art auch immer. Ich liebe die Nacht, ich liebe es mir genau diese hier niedergeschriebenen Gedanken machen zu können. So leicht, so frei, verloren im hier und jetzt, in diesem von mir selbst kreiertem Raum. Die Energie fließt ganz von alleine, so wie ich es mag. Die Songs, sie laufen, aneinandergereiht, ganz ohne mein Wirken. Darauf habe ich heute Nacht überhaupt gar keinen Einfluss. Es gibt kein Thema, keine Überschrift, keine Vorgaben, nur ich. Ich und meine Gedanken. Gang für Gang, gähnende Leere, gewollt, ganz ohne Zwang. Ein Weg gleicht dem Anderen. Keine Irritationen, keine Verwirbelungen, keine Sorgen.

Es erscheint mir wie eine Befreiung, es scheint mir als schiene die Sonne, heute Nacht, nur für mich. Tolle Menschen schwangen heute mit mir zusammen, wir waren alle beisammen. Ich habe sie, jeden einzelnen erfühlt und ertastet. Vom allerkleinsten, der Jüngsten, bis hin zum aller Ältesten, dem Größten. Alle waren wir beisammen und haben uns sichtlich wohlgefühlt. Solche Tage sind Futter für die Nächte. Die, wo schlimme, dunkle Gedanken mich in die Untiefen eines mir unergründlichen Meeres reißen. Sie tun es immer und immer wieder, und ich bin machtlos. Solche Tage brauche ich, mehr davon wünsche ich mir. Ich habe nun endlich die Möglichkeiten erkannt. Dem Herrn sei gedankt! Ich verzweifle nicht mehr allzu leicht. Ich horche, ich höre auf eine meiner innEREN Stimmen. Erst vor Kurzem sprach sie zu mir. Eine, die ich schon sehr lange nicht mehr gehört hatte. Ich war ein wenig erstaunt und zugleich erfreut. Erfreut, wie über einen sehr netten Gast, der ganz zufällig zugegen war, und ganz spontan vor meiner Türe stand und höflich um Einlass bat. Es war wirklich ganz nett, als diese Stimme zu mir sprach. Sie sprach in einer sehr beruhigenden Tonlage, fast wie Musik in meinen tinnitusgeplagten Ohren: 

Mach dir keine Sorgen, alles wird gut!“

Mir fällt gerade ein, aufgrund meiner starken Abneigung gegenüber Google, habe ich alle Google+ Funktionen abgeschaltet. Dies empfinde ich an dieser Stelle als erwähnenswert. Von nun an dürfte das Kommentieren meiner Posts kein Problem mehr darstellen. So hoffe ich...

Donnerstag, 17. August 2017

A tribute to all the heros




Von innen nach außen kehren, den Blickwinkel von links nach recht verschieben, schwarz sehen, an weiß denken und zumindest einen Grauton erkennen. Ich gebe mir echt mühe, ich versuche es immer und immer wieder! Meistens gelingt es mir, manchmal, manchmal gelingt es mir leider nicht. Dann muss ich es akzeptieren. Wenn es so sein soll, dann ist es halt so. Genau so und nicht anders. 

Die Helden von damals, meine Vorbilder, wo sind sie heute? 

Viele von ihnen sind abgesoffen, untergegangen und liegen nun bei den Fischen. Ich fühle mich so alleine. Ich segle auf einem Geisterschiff auf dem offenen Meer. Viele sind schon verstorben. Einer, der stirbt gerade und gibt mir noch einen kräftigen Seitenhieb mit. Einen Denkanstoß. Früher, als wir die Nacht zum Tage machten, früher als wir noch die magischen Fähigkeiten besaßen, als wir noch alle zaubern konnten, genau so war es, früher. 

Früher machten wir aus Kacke Gold und verkauften diese für teures Geld.

Unser Leben glänzte und funkelte in den Augen der Anderen. Alles was wir jener Zeit anfassten wurde zu etwas Fantastischem, denn wir waren alle Fantasten. An einem schönen Tag fanden wir all das Gold unter dem Regenbogen, und noch am selben Tag verballerten wir all das glänzende und funkelnde Zeug. 

Piff-Paff-Puff! 

Ein Tag, so kurz, erschien uns schöner als der andere Tag. Kurzweilig und sehr intensiv. Doch wo sind all die Helden mit ihren magischen Fähigkeiten hin? Sie liegen bei den Fischen oder sie sind auf dem Weg dort hin. Ich segle auf dem offenen Meer, auf einem Geisterschiff. 

Heute sehe und erkenne ich, dass Kacke, Kacke ist! Es sieht so aus, fühlt sich so an und riecht auch so. Damals, ich entsinne mich, habe ich stets diese Panik vor dem Altern gehabt. Ich hatte Angst vor den Erwachsenen und wollte nie so werden wie sie. Heute bin ein Erwachsener, aber nicht wie sie. Meistens ist es so unglaublich anstrengend erwachsen zu sein ohne so ein kaputter Erwachsener zu sein. Manchmal kann es aber auch einfach nur schön sein. Ich, der heute doch vor nichts und niemandem Angst hat, weiß nur ansatzweise was da alles auf dem Meeresgrund verborgen liegt. Heute, so kommt es mir in Wirklichkeit vor, heute habe ich mehr Angst als damals, denn ich habe Angst vor den Untiefen des Meeres.

Oh mein Gott! Schon wieder einmal erscheint mir alles so unglaublich kompliziert. 

Ich sehe mich, zusammen mit all den liebenswürdigen, vinylliebenden Schluckspechten, in einer Reihe, auf dem Hocker, vor dem Tresen sitzen. Ich sehe und erkenne mich selbst nicht wieder. Willkommen in dem Leben meiner Wahl, willkommen und aufnieundnimmersehen! Dies könnte der Anfang vom Ende sein. Es könnte aber auch eine sehr viel tiefere Bedeutung haben und mir die Augen öffnen.

Dies geht raus an all meine Helden von damals. 

Ich habe euch geliebt und angehimmelt wie ein verrückter Groupie vor der Bühne. Nach dem Konzert habe ich stundenlang, rauchend, eine Zigarette nach der Anderen, vor dem Hintereingang der Konzerthalle auf euch gewartet. Ich habe all eure Choreographien einstudiert, ich habe euch immer besser und besser imitiert. Doch zum Glück habe ich es nie gänzlich geschafft euch 1:1 zu kopieren. Ihr habt es nie gewollt und ihr wusstet es zu verhindern. 

WOW! 

Deshalb, seit ihr meine ganz persönlichen Helden. Deshalb liebe ich euch noch genau so sehr wie damals. Deshalb werde ich keinen einzigen von euch jemals vergessen, deshalb werdet ihr niemals sterben, ihr werdet immer in meinem Herzen weiterleben. Ihr, meine Helden von damals, ihr habt maßstäblich daran mitgewirkt aus mir den Menschen zu formen, der ich heute bin. 

Erstaunlicherweise lebe ich noch. Es wundert mich manchmal selber wie es sein kann, dass ich noch lebe und gestalte. Dass ich wirke und schaffe und an dieser Stelle von meinen Helden schreiben kann.



Dear Mr. Lovely Diary (1)



Dear Mr. Lovely Diary,

ich kann mich nicht erinnern, wann habe ich zum letzten Mal einen Text auf Papier geschrieben? Damals ist es wie folgt gewesen, ich begann meinen Satz mit den Worten: „Mein liebes Tagebuch […].“ Lang, lang ist es her. Heute bin ich hier. Ich und meine Gedanken. Gemeinsam sitzen wir am Tisch und hören die einzigartigen Songs von Bob.

“Songs of freedom.“

Gemeinsam trinken wir dazu japanisches Importbier, SAPPARO BEER. Hier, gestrandet im niederländischen LIDL, gab es heute dieses Premiumgesöff. An der Küste, an der Nordsee, endlich im Urlaub. 

Ich freue mich, denn darauf habe ich gewartet. Endlich! Den Geruch des nassen Sandes, den kalkig, salzigen Geschmack auf der Zunge, ich habe es vermisst. Ohne es wirklich zu wissen, ohne es zu ahnen, habe ich mich innerlich sehr, sehr nach diesem Urlaub gesehnt. Ich liebe die Möwen, die See, den Wind, die Menschen am Wasser. Alles, aber wirklich auch alles, ist hier ganz anders. Ganz anders als zuhause. Gerade mag ich nicht an meine Heimatstadt denken. Ich mag nicht an die Arbeit denken. Jetzt gerade machen meine Gedanken einen Badeurlaub und schwimmen auf den Wellen. Endlich angekommen!

"Lord I thank you!"

Meine Tränen sind getrocknet, mein Herz fühlt sich so leicht und ein wenig beschwipst an. Meine sorgenfreien Gedanken sind sehr stark beschwingt. Wort für Wort macht es mir immer mehr Spaß. Zu Schreiben bereitet mir eine ganz besondere Freude. Schreiben, nicht tippe-di-tipp-tapp auf der Tastatur herumhacken. Nur ein Blatt Papier und mein Kugelschreiber. (Dieser hier vorliegende Text ist somit nur eine Abschrift, abgetippt). Doch all das wäre nichts ohne den Star-Gast, meine Urlaubs-Gedanken.

Die letzten Tage, Wochen und Monate waren wirklich mega, mega anstrengend. Umso schöner, umso leichter und befreiter fühle ich mich jetzt gerade. Nur meine Liebsten, meine kleine Familie und ich. Ich kann mir absolut nichts Schöneres vorstellen. Es hat sich gelohnt. Der Lohn für meinen Fleiß, ist genau dieser Preis: Ferien an der See. 

Viel mehr möchte ich zu dem heutigen Tag nicht schreiben. Außer noch diese Gedanken: 

Heute und für den Rest meines Urlaubs werde ich mein Reise-Tagebuch fortführen. Meine ersten Eindrücke sind spektakulär. Eine wirklich ganz tolle Naturlandschaft. Morgen beginne ich den Tag mit einem Lauf auf dem Deich.

Dear Mr. Sporty Diary (2)





Dear Mr. Sporty Diary,

Leichtathletik-WM-London.

Ich bin mega erschöpft. Aber ich bin nun ganz gewiss einfach nur angekommen. Angekommen hier im Ferienpark De Pluimpot in Scherpenisse, auf der Nordseeinsel Tohlen in den Niederlanden. Tolles Ferienhaus, tolles Grundstück direkt hinter dem Deich auf dem die Schafe blöken, tolles Wetter!

Gerade eben habe wir einen Tagesausflug nach Sas van Gent (zu deutsch: „Die Schleuse von Gent“) gemacht. Wir waren ganz in der Nähe der belgischen Grenze, es war wirklich sehr schön dort. Heute, am dreitten Tag meines Urlauns, bin ich auch wirklich im Urlaub angekommen. Ganz und gar angekommen. Selbst meine Seele ist nun endlich da. Meine Seele hat wie üblich etwas länger gebraucht, sie musste nachreisen. Doch nun ist auch sie bei mir, ganz nah bei mir. 

Den gestrigen Vormittag haben wir am Strand verbracht. Später waren wir in eine der ältesten Städte der Niederlande. Im Vergleich hat Sas van Gent 3650 Einwohner, Bergen, dort wo wir gestern waren, hat 66140 Einwohner. Eine wirklich beeindruckend schöne Stadt.

Ich segle zusammen mit meiner kleinen Familie durch unseren Urlaub, wir schwingen gleich, wir nutzen den Auftrieb und reiten auf der selben Welle. Dies sind ganz, ganz wertvolle Tage. Hier treffen wir sogar auf Freund und weit gestreute Familienmitglieder. Heute haben wir die Belgier getroffen. Es war toll, einfach nur toll! Die beste Zeit, wirklich die aller beste Zeit des Jahres, ist der gemeinsame Urlaub.

Randinformation

Neuseeland wurde nach der Provinz Zeeland benannt. Zeeland ist die Provinz, in der wir gerade ganz entspannt, die Leichtathletik-EM in London mitverfolgen. Der Eine mehr, die Andere etwas weniger. 

Ich empfinde gerade ein sehr schönes Gefühl. Bei dem Anblick meiner kleinen Familie empfinde ich Stolz. Ich bin stolz auf meinen Sohn, ich bin stolz auf meine Frau und freue mich über unseren mega-starken Zusammenhalt. Hier in der Ferne, wird es mir nochmal so richtig klar. Manchmal muss ich in die Ferne fahren, um genau das zu finden/zu sehen, was mir wirklich wichtig ist im Leben. 

Die Voraussicht für das Wetter ist leider nicht sehr gut. Wir sind zusammen, jetzt gerade scheint die Sonne. Wir sind zusammen, jetzt gerade ist es bewölkt, es regnet, es stürmt, die See ist rau, wir sind zusammen, alles Andere ist egal!

Ich bin begeistert, reich beschenkt, mit der besten Zeit meines Lebens. Wir reisen mit Rückenwind.

Ich trage die Sonne in meinem Herzen. So geht alles sehr viel leichter. Ich wirke so gut es mir gelingt. Wirken, auf mich, die Menschen in meiner Umgebung. Wirken, mit dem Wissen, dies ist ein Wendepunkt in meinem Leben. 

Nun bin ich im nächsten Level.

Übrigens bin ich höchstwahrscheinlich schon länger in diesem Level. Ich habe es erst jetzt gerade begriffen. Es war ein schwerer Kampf den ich gewonnen habe. Ich habe gesiegt! Alles wird sich von nun an besser anfühlen. Na ja, zumindest wird es sich erst einmal anders anfühlen. Es wird schwieriger. Ein schwierigeres Level, ganz gewiss. Es wird mir schwerfallen, aber es wird (sehr viel) schöner werden. 

Noch schöner, mit einem Tinnitus, der lauter anstatt leiser wird. Noch schöner, mit einer fast chronischen Speiseröhrenreizung mit äußerst unangenehmen Nebenwirkungen. Noch schöner, mit all den Haaren, die über all heraus wachsen. Von innen nach außen, aus schwarz wird grau.

"C‘est la vie!"

Langsam und bedacht. Die Energie gebündelt zu einem Strahl. Einsetzbar, immer bei Bedarf. Wenig, etwas schwächer, nicht mehr ganz so kraftvoll wie damals. Bald, ich hoffe nicht sehr bald, wird auch das Bild unschärfer. Das Gehör wird schwächer werden. Mein Gehör wird immer etwas schwächer, als das meiner Frau sein. Alles, aber auch wirklich alles wird mit der Zeit nachlassen. Welch ein Glück für mich…

Linderung, einhergehend mit der natürlichen Entschleunigung. Nie mehr unnötige Sorgen und Gedanken im scheinbar niemals enden wollendem Gedankenstrudel. Ich will mir nie mehr Gedanken um etwas machen, was ich bereits seit Jahren für immer verloren habe. Oder gar nie besessen habe, so genau weiß ich es nicht. Es ist ein Verlust auf der einen Seite, andererseits ist es sicherlich auch ein großer Gewinn für mich! Denn ich habe gesiegt. Ich der die Musik nur sehr schwer ohne die dazugehörigen Bässe hören kann, ich habe gesiegt. Diesen Kampf habe ich gewonnen. Ich bin ein Sieger. Ganz ehrlich gesagt, erschien mir das Siegen nie für wirklich entscheidend in meinem Leben. Sieg und Niederlage, beides gehört immer mit dazu und irgendwie auch zusammen. 

Aber ganz ehrlich, wenn du in deinem Leben immer nur die Scheiße der Anderen, Schüppe für Schüppe, Eimer für Eimer, im besten Fall entsorgen, meistens jedoch mit dir herumtragen musst, weil du es nie hast anders kennengelernt, und es so zu Selbstverständlichkeit wurde, welche Auswirkung hat diese Scheiße wohl auf dein Leben, frage ich dich.

Was macht es mit dir? Welche Wirkung hat deine mit Scheiße beladene Vergangenheit auf deine Zukunft? Ganz ehrlich, manchmal mache ich aus Scheiße, Gold. Danach muss ich es nur umbenennen. 

Ich nenne es: „Glitzerkacke!“

Die Glitzerkacke meines Lebens, ist der Mörtel, ist das Fundament meines Lebens. Ich nenne es so, weil ich es gerne so nennen will. Nenn du es wie du willst. Ein Jeder kann es nennen wie es ihm beliebt. Ich nenne es Glitzerkacke, die Kacke, die mein heutiges Leben mitbestimmt. Es ist der Stoff aus dem viele meiner Träume bestehen. 

Heute, am vierten Tag der Leichtathlet-WM in London, heute, ein Tag, scheinbar wie jeder ander, heute bin ich ganz besonders glücklick. Denn heute bin ich tatsächlich mal ich. Den Blick, gerichtet auf die vorbeiziehende Sonnenfinsternis. Mit der Gewissheit, erst einmal folgen jetzt ganz besonders helle Stunden. Sonnendurchflutet, bis zum Anbruch des Abends. Dann folgt wieder die Nacht, die tiefschwarze Dunkelheit. Doch bis dahin, bis es wieder so weit ist, genieße ich weiterhin die hellen Stunden des Tages. Ich höre weiterhin die Musik von Bob Marley, trinke dabei weiterhin das japanische Sapparo-Beer und erfreue mich meines Lebens. 

Anbei bemerkt, gerade läuft der Redemption-Song, “another song of freedom.“

Gold, scheint der Rahmen, der mein Leben umrahmt. Voller Zuversicht, in einer Stunde der Ruhe, blicke ich wohlgesonnen in die Zukunft. Ich öffne nun die Vordertür des Hauses und genieße ganz entspannt die hereinströmende, frische Abendluft. Ich glaube jedoch, dass physikalisch betrachtet, nicht die frische, kältere Luft hineinströmt. Es müsste so sein, dass die warme Luft nach draußen strömt. Wie auch immer, ich atme sehr tief, in den Bauch hinein ein. Ich atme aus. Ich tausche aus, erneuere mich. Jede einzelne meiner Zellen, erneuert sich. Mit jedem Atemzug. Frische Luft geht hinein, alles was früher einmal war, wird nun herausgestoßen. 

Ich atme ein, ich atme aus. Nicht mehr und nicht weniger.

Heute, hier und jetzt, habe ich mir vorgenommen, nicht zu fluchen oder verfluchen wen auch immer. Wer auch immer, ist bei näherer Betrachtung, fürs Leben bestraft. Es liegt nicht in meinem Ermessen. Wer auch immer soll mit all seinen Taten selber zurecht kommen. 

Ich lasse nun endlich los.

Es hat mich bereits zu viel Kraft gekostet. Zu viel Kraft habe ich bereits verloren, weil ich mich fest daran gehalten habe. Mit all meiner Kraft habe ich versucht es zusammenzuhalten. Doch nun, nun weiß ich, es ist sehr viel besser einfach loszulassen. Ich lasse los und drifte ab. Ich lasse mich treiben. Ich treibe, die Strömung trägt mich. Heute bin ich nicht mehr in der Lage, ich kann nichts anderes mehr machen. Endlich lasse ich los und drifte ab. Nach all den Jahren, endlich, nach all den Jahrzehnten. Ich lasse los und drifte ab. Ich lasse mich treiben. Ich treibe, die Strömung trägt mich.

Ich bin frei. So frei. So frei wie damals. Damals, als ich meine kindlichen Gedanken in das gelbe Tagebuch schrieb. Ganz geheim, es mit einem Schloss verriegelte. Es für immer, für meine erdachte Ewigkeit, niederschrieb. Damals begann ich jeden Eintrag, jeden Tag, mit den Worten:

„Mein liebes Tagebuch […]!“

Meine Gedanken schreibe ich noch heute nieder, so wie einst, sehr kindlich und doch ein wenig zu sehr erwachsen. Dabei fühle ich mich hoffnungsvoll und so heldenhaft wie einst. Ganz ohne Furcht. Denn ich habe gewonnen.

Es war ihr Spiel. Ich spielte es, nach ihren Spielregeln. Dabei widerfuhren mir Dinge, die mein Sohn niemals erfahren wird. Sie hielten mich für schwach. Anfangs war ich schwach. So hat alles begonnen. Meine eigenen Leute, von mein Blut, diese Narren wussten wirklich nicht wer ich war, wissen heute noch nicht wer ich wirklich bin. Dieser scheinbar niemals enden wollende Alptraum, hat mich, mein Leben für immer verändert. 

Das Spiel, ihr eigenes Spiel, beherrschte ich eines Tages besser als die, die es kreierten. Sie erschufen das ultimativ Böse. Ich schlug sie, mit dem einzigartigen, dem absolut Guten. Ich schlug sie, schlug weiter und weiter. Ich kämpfte gegen ihren Hass mit der Liebe in mir. Ich kämpfte mit der Hoffnung und dem tief verwurzelten Glauben.

Denn ich glaube!

Ich bin gewillt zu vergeben. Ich vergebe ihnen ihre schweren Taten, an einen kleinen, wehrlosen Jungen. Auf meine Weise jedoch, werde ich sie immer abgrundtief hassen. Ich war damals ein kleiner Junge, noch sehr viel jünger als mein eigener Junge heute ist. Und genau dafür werde ich euch heute und für meine kindlich erdachte Ewigkeit hasse!



Dear Mr. Sporty Diary (2.1)




Dear Mr. Sporty Diary,

An einem Tag wie diesem, ich weiß nicht genau wie spät es jetzt gerade ist, dieser Tag ist noch sehr jung und taufrisch, an einem Tag wie diesem, atme ich einfach nur ein, und wieder aus. Mit jedem Atemzug regeneriere ich mich. Ich werde weiter atmen. Ich werde älter. Ich werde es schaffen und mich von der Strömung hinaus auf das offene Meer treiben lassen. Ich fürchte mich nicht. Ich fürchte mich nicht. Ich fürchte mich vor nichts, denn ich bin durch die Hölle gegangen. Das Höllenfeuer hat mich auf eine sonderliche Art und Weise gehärtet. 

Ich werde von nun an nicht mehr fluchen, werde nicht mehr ausfallend. Es ist vorbei.

Ich konzentriere mich nun auf meine Zukunft. Dabei richte ich meinen beschützenden, wachsamen Blick ausschließlich nur auf meine kleine Familie. Das andere Auge jedoch, den Blick meines dritten Auges, richte ich nach innen. Öfter blickt es gerne mal nach innen. Dort schaut und sieht es so viel mehr. Ich weiß, denn nur ich weiß, was noch alles in mir steckt. E steckt noch so verdammt viel mehr in mir. Ich, bin der zu unrecht Bestrafte. Ich wurde bestraft für die Taten der Anderen. An dieser Stelle fluche ich nun leider nicht mehr. Hier könnte ich durchaus […], ich mache es aber nicht. 

Ich liebe euch! Ich liebe euch für eure Falschheit! Ich liebe euch für eure Lügen, den Lügen mehrere Generationen. Verdammt so ganz ohne zu fluchen geht es leider doch nicht. Ich liebe euch für die ganze Scheiße, eure Scheiße, ist jedoch nicht meine Scheiße. Denn die herrlich duftende Glitzerkacke meines Lebens, ist der Mörtel, es ist das Fundament meines eigenen Lebens. 

Anfangs wusste ich noch nicht welche Bedeutung dieses kleine Reisetagebuch für mich haben wird. Doch gerade bemerke ich, dass es für mich, zu einer höhergelegenen Entwicklungsstufe gehört. Schon wieder habe ich ein Level geschafft. Ich bin nun einen Level weiter gekommen. Ich komme weiter und immer weiter, bis zum nächsten End-Boss.

Früher sagten wir auch: „Endgegner!“

Dear Mr. Pirat Diary (3)



Dear Mr. Pirat Diary,

Ahoi!Piraten! 

Ich fange an dieses Reisetagebuch zu lieben. Es ist grandios wieder ein Tagebuch zu führen. Einfach mal schreiben, wenn es mir beliebt. Ganz ohne Zwang. Auf der Arbeit heißt es immer: „Wer schreibt, der bleibt!“ Manchmal entstehen genau dadurch aberwitzige Texte, die ich mit Genuss lese. Manchmal schreibe, bzw. tippe ich, bis mir der Kopf qualmt. Andere trinken zwischendurch mal einen Kaffee oder rauchen eine Zigarette, oder machen beides, klischeehaft, synchron, in kleinen bis mittelgroßen Gruppen. Ich vermisse es sehr! Wenn das Rauchen doch nur nicht so schädlich und ekelig wäre. 

Ich schreibe, bzw. tippe. Heute, im Urlaub, schreibe ich auf Papier. Ich schreibe, dann, wenn es mir beliebt. Gerade habe ich ein leckeres Fischgericht und Pasta zubereitet und gemeinsam mit meiner kleinen Familie gespeist. Nun trinke ich draußen im Garten mein Heineken aus der pfandfreien Dose, eisgekühlt natürlich. Hier draußen scheint die Sonne bei 21°C im Schatten. Am frühen Morgen war ich bereits Laufen. Zuerst lief ich unter dem dichten Blätterdach der Bäume, danach am Strand entlang. Herrlich, jetzt gerade genieße ich es einfach mal ganz ohne starre, durchstrukturierte Tage, ganz ich selbst zu sein. Natürlich nicht ganz allein, meistens nicht allein. Ich bin zusammen mit ihnen, meinen allerliebsten Lieblingsmenschen. Meine kleine Familie, die ich wirklich sehr, sehr liebe. Ohne die, dieser Urlaub nicht einmal halb so schön wäre. 

Heute waren wir gemeinsam in einem riesengroßen Piraten-Land. Aus meinen Augen heraus betrachtet, war es einfach nur schlecht. Es war mehr noch als schlecht. Riesenfische, ganz tolle Tiere, in kleinen, teils ründlichen Becken. Drumherum, schreiende Kinder. Klopfend, hämmernd, ihre Popel an der Scheibe verschmierende, völlig überforderte Rotzblagen. Alles was man dort im Piraten-Land sehen konnte, ich zähle mal einige Highlight auf: die Piraten-Show, der Kletterparcour, der Piraten-Shop, die zwei mehr oder weniger Piraten-Restaurants, alles war so richtig schlecht. Vom Preisleistungsverhältnis brauche ich erst gar nicht zu berichten. Einen zweiten Besuch im Land der Piraten wird es in diesem Leben nicht geben. Ganz bestimmt nicht! O.K., fairerweise muss ich allerdings an dieser Stelle erwähnen, dass meinem Sohn, dem besten Piraten auf dieser Welt, die ganze Show äußerst gut gefallen hat. Dabei sind auch ein paar echt schöne Fotos und vor allem Kindheitserinnerungen entstand. Na ja, darum geht es bei dem Geschäft nun einmal. Den Tieren gegenüber, empfand ich es als äußerst bedenklich. 

Nach dem großen Abenteuer, sitzt der weltbeste Pirat zusammen mit der Piratenbraut auf der Couch. Sie befinden sich auf dem direkten Weg nach Tortuga-Bay und schauen dabei den Film: „Pirates of the caribbean 2.“

Ich für meinen Teil erfreue mich an der frischen Abend-,Seeluft direkt hinter dem Deich. Ich schreibe, ich schreibe und glücklicherweise weiß ich es zu schätzen wie schön es ist einfach nur seicht plätschernd vor sich hin zu schreiben. So lasse ich nun meinen heutigen Tag ausklingen.

Ich genieße die Freiheit. Ich genieße mal ganz anders, ganz ohne meine Zwänge, die ich daheim gelassen habe. Ich genieße, denn ich fürchte mich nicht. Die ständige Furcht, die mich zudem gemacht hat, was ich heute bin. Ein Pirat, eich echter Pirat.

Ai, ai Käptn!“

Dear Mr. Hairy Diary (4)





Dear Mr. Hairy Diary,

heute bin ich hunderte Kilometer mit dem Auto, mit meiner kleinen Familie durch halb Deutschland gefahren, und hier bin ich nun. Ich freue mich, freue mich sehr über meinen Friseur-Termin morgen Nachmittag bei Paolo. Ich feue mich über meine Super-Soft-Touch-Tastatur, welch ein Genuss, ich erfreue mich über alle Maßen am Linux-Mint-Design, und denke mir: „F**k MICROSOFT!“ Dabei lache ich mich selber aus, denn die beste Tastatur die ich jemals besaß, die beste Tastatur aller Zeiten ist von MICROSOFT. Ein verdammt schönes Gefühl, sich selber auszulachen: „HA, ha, ha!!“

Dear Mr. Oldschool Diary (5)



Dear Mr. Oldschool Diary, 

die Zeit des Papiers ist leider nur sehr kurzweilig gewesen. Das Papyrus verbrannte in der sengenden Hitze und die Asche wurde vom starken Nord-Wind hinfort getragen. Jetzt, wo ich das starke Bedürfnis verspüre weiter zu schreiben, möchte ich doch viel lieber tippen. Ganz smooth, ohne eine Blase, eine krasse Druckstelle vom Kugelschreiber, unnötige Schmerzen am Mittelfinger. Die Tage des Leides, gehören nun endlich der Vergangenheit an. Die letzten sieben Tage meines funky-free-holiday sind nun angebrochen. Also machen wir das Beste daraus! 

Im Urlaub, ich befinde mich ja nach wie vor im Urlaub, gestern noch in den Niederlanden, als ich noch aus der Verzweiflung heraus so tat, und so aussah als ob ich gerne auf Papier schrieb. Nun hocke ich wieder vor dem LapTop, den Blick starr auf den viel zu hellen Bildschirm gerichtet.

Ich sehe schwarz vor weißem Hintergrund. Die Buchstaben brennen sich förmlich in meine Augen hinein. Es brennt, tränt und juckt, ich sitze auf meinem Lieblingsplatz, in meiner Lieblingswohnung am Rondell. Dabei höre ich teuflisch guten Sound. Die Bässe füllen den Raum aus und versetzen meinen Körper in Schwingung. Ich genieße meine heiße Kokosmilch mit Lavendelblüten-Honig. Dies sind einige stille Momente des Genusses. Der Genuß vor dem Lauf meines Lebens. Heute ist Sonntag, und seit einigen Wochen habe ich es mir angewöhnt, jeden Sonntagmorgen, bei Wind und Wetter durch den Wald zu laufen. Unter dem dichten Blätterdach der hochgewachsenen Bäume, spielt das Wetter tatsächlich fast keine Rolle mehr. Natürlich, es versteht sich von selbst, ich jogge nicht bei Blitz und Donner.

Dear Mr. Funky Diary (6)



Dear Mr. Funky Diary,

endlich angekommen, ich bin wieder hier, am Kreisverkehr meines Lebens. A40 Vollsperrung! Sturmflutartiger Regen prasselte hernieder und erschwerte mir die Sicht auf die Fahrbahn. Doch nun bin ich definitiv wieder dort angekommen wo ich hingehöre, daheim. Wie bereits erwähnt, daheim mag ich irgendwie auch nicht mehr auf Papier herum kritzeln. Vor einigen Tagen schrie ich noch ein lautes ja in den holländischen Raum hinein. Heute, ist es ein ganz stilles, nur in meinem Kopf erklingendes, nein! Nein, ich starre wie ein Idiot auf den Bildschirm, bis dass sich meine Augen entzünden.

Kurz am Rande dieses Reise-Tagebucheintrags, vor zwölf Jahren schrieb ich mal ein türkisches Geburtstags-Gedicht an meinen Vater. Heute hätte ich überhaupt keine Ambitionen mehr ein Gedicht auf türkisch zu verfassen. Na ja, ehrlich gesagt, manchmal habe ich schon das Bedürfnis. Nur habe ich auch die Befürchtung, dass am Ende ein türkisches Hass-Gedicht, mit vielen, vielen türkischen Schimpfwörtern auf meinem so europäisch geprägtem Weblog erscheinen würde. Der Titel deieses Gedichtes würde ganz bestimmt heißen: "Orospucocugu!" 

Manchmal ärgere ich mich sehr über mich selber. Hätte ich doch nur ein Tagebuch geführt. Ich täte es diesem Tagebuch gleich. Jeden Tag nur einige wenige Zeilen. Wie schön wäre bitte das Resultat am heutigen Tag? Es wäre einfach nur mega! 

Egal, hätte, hätte Fahrradkette oder Schlupfgetriebe. Ich schreibe eigentlich auch schon seit fast zehn Jahren auf meinem Weblog. Viele Leser habe ich dem Anschein nach nicht, vielleicht zwei pder drei. Ist auch nicht wirklich wichtig. Viel wichtiger ist, dass ich stets schreibe. Sinnfrei, grammatikalisch schlecht, kommt auch schon mal vor. Aber ich schreibe.Viele meiner Verwandten schreiben höchstens mal eine Postkarte, wenn überhaupt. Viele meiner Verwandten lesen. 

Oh ja, viele meiner Verwandten lesen tatsächlich sehr, sehr viel. Meine Mutter allen voran. Ich weiß nicht wie viele Online-Zeitungen und leicht politisch angehauchte Bücher sie wöchentlich verspeist. Ich weiß es wirklich nicht. Ich weiß nur, dass es manchmal sehr schwer für sie ist an gute Bücher zu gelangen. Bücher, verfasst und gedruckt auf türkisch.

Alles in Allem, ich bin froh, heute nach einem gefühltem Jahr, meine Mama wieder gesehen zu haben. Endlich! Sie ist gesund zurückgekehrt, alles andere ist mir tatsächlich egal. Hosgeldin!

Istanbul, die Stadt, die ich nur noch aus einen Träumen kenne.

Wenn kümmert es! Ich für meinen Teil werde für sehr, sehr lange Zeit nicht mehr an den Bosporus reisen. Schade, denn meine neunzig jährige Oma lebt dort. Gerne würde ich sie wiedersehen. So schön dieses Land auch ist, so sehr ich meine Verwandten auch liebe, ich habe hier und heute meine eigene Familie. Es sind die, die ich am allermeisten liebe. Niemals, für nichts auf der Welt würde ich das Risiko eingehen, von ihnen getrennt zu werden! Niemals! Eher würde ich mir einen Finger abschneiden, damit hätte ich überhaupt keine Probleme, zumal mir der kleine Finger der linken Hand fehlt. 

Istanbul, Perlen vor die Säue.

All diese Worte, diese Sätze schreibe ich in mein Reisetagebuch. Ein Tagebuch auf Zeit. Das Buch, welches lebt, nur in meinem Urlaub. Nicht mehr und nicht weniger. Dieses kleine Reisetagebuch ist nun wieder hier in meiner Heimatstadt angelangt. Start und Ziel jeder meiner Reisen.

Dear Mr. Crazy Diary (7)



Dear Mr. Crazy Diary,

ich bin heute zu müde. Zu müde für alles. Meinen Urlaub nutze ich nun dafür, alle liegen gebliebenen Aufgaben zu erledigen. “Things I've to do!“ Der Motorroller ist in der Werkstatt, das Auto war gerade in der Werkstatt. Waschstraße mit Nacharbeiten, gründliche Innenreinigung mit Sitzwaschung vom Feinsten, tanken, lauter kleine und weniger kleine Besorgungen tätigen, d.h. von einem Shop zum andern hetzen, aufräumen, sortieren, ausmisten, wegschmeißen, streichen, und, und, und... “It's going on.“ 

An dieser Stelle bin ausnahmsweise mal ganz ehrlich, all dies bereitet mir eine besondere Freude. All diese Dinge zu tun macht einfach Spaß. Jetzt gerade fühle ich mich total erleichtert. Denn endlich ist es erledigt! So wie ich, ich bin auch erledigt und gehe nun müde und glücklich zu Bett.

Dear Mr F**king Diary (8)




Dear Mr F**king Diary,

ich schwimme in meiner eigenen Suppe. Ich beende heute ganz offiziell meine Reise-Tagebucheinträge. Ich weiß auch nicht wirklich wo mich diese Reise hinführen wird. Ich weiß nur, die letzten Tage meines Urlaubs möchte ich weder schreiben noch tippen. Diese Zeit ist sehr kostbar! Zu kostbar um hier meine eigene Suppe zu kochen, die mir am Ende nicht schmecken könnte. 

Heute habe ich viel geschafft, heute habe ich meine Runde um den See gedreht. Ich dehnte mich ausgiebig und erfreute mich meines Lebens. Mir geht es echt gut. Irgendetwas stimmt hier nicht, verdammt, wiese zum Teufel geht es mir nur so gut? Ich genieße gerade die Sonnenseite des Lebens. Ob ich will oder nicht, so ist es. Zeitwellen krachen gegen die Brandung. Ich realisiere die Schwingungen der mich umgebenden, mich vom allerfeinsten bedienenden Menschen. Gutmütig, wohlwollend und dem Tode so nah. Ich sprach heute mit einem sehr, sehr netten Menschen, der weiß, dass er in naher Zukunft sterben wird. Es war ein sehr bewegender Augenblick. Ich ströme herein und überschwemme den Raum mit dem Leben, der pulsierenden Energie in Form von Lebensfreude und allem was dazu gehört. Ich sitze da auf dem Hocker und blicke dem Tod in die Augen. Der steht da, vor Tür und klopft nicht einmal mehr. Dann sitzt er neben mir, lächelt, der Tod füllte den ganzen Raum aus. Es war nicht einmal erschreckend, es war so wie es war, melancholisch. Gemeinsam hörten wir die alten Schallplatten,gemeinsam diskutierten wir, lachten, und plötzlich war alles klar.

Der Tod, blaue Augen, weiser, abgeklärter Blick. Der Tod, so nah, und nicht ein bisschen erschreckend. Melancholisch, stellenweise sogar ein wenig komisch. Als würden wir uns, alle die wir heute dort saßen, schon eine Ewigkeit kennen. 

Ich bedanke mich für diese sehr wertvolle Begegnung, ich begegnete diesem Menschen in meiner lieblings Eckkneipe im Viertel.

Ich bedanke mich für das Leben und für die Lebensfreude die ich empfinde. Eine Freude, die ich so stark, zum aller ersten mal in meinem Leben wahrnehme und für den Rest meines Lebens beibehalten möchte.

Hiermit ist dies der letzte Satz meines diesjährigen Sommer-Reise-Tagebucheintrags.

Dear Mr F**king Diary (9)



NACHTRAG

Dear Mr F**king Diary,

Ich fange wieder an ins Grübeln zu kommen. Des Nachts komme ich nicht zur Ruhe und höre Musik. Durch die heutige Nacht begleitet mich der liebe, alte Moby. Mega Sound in der Nacht. Die Bässe habe ich etwas herunter geregelt, so dass trotz des eingeschalteten, aktiven Sub-Mofas, ein leichter Koffer-Radio-Effekt entsteht, so dass ich hoffe keinen meiner Mitbewohner zu stören, geschweige denn zu wecken.

Ich veröffentliche mein Tagebuch hier auf meinem Blog, tatsächlich erscheint es mir ein wenig verrückt. Aber ich muss gestehen, es passt zu mir. Trotzdem entsteht das Gefühl eines Zwiegesprächs. Zudem kommt noch, seitdem ich meinen Weblog auf Google+ umgestellt habe, klappt es absolut gar nicht mehr mit dem Kommentieren meiner Posts. Die drei Leser meines Blogs, danke dafür, haben somit, schon des Längeren, das Probleme mit dem Kommentieren. 

Ich muss leider an dieser Stelle gestehen, dass ich Google hasse. Zugegeben, mittlerweile erscheint es mir selber viel mehr wie eine Hass-Liebe. Da auch ich schon seit fast einem Jahrzehnt unter der stets gehissten Googel-Flagge über die Weltmeere segle. 

Als das Googel-Fotoapparat-Mobil durch unser Viertel fuhr, fuhr ich ganz zufällig auf meinem weißen Cross-Bike durch die Straße und hielt freihändig, ganz zufällig, meine beiden Mittelfinger vor das 360° Objektiv. Dieser Akt der Unvernunft, denn man sollte nie freihändig und ohne Helm Fahrrad fahren, hat mein Piratenherz deutlich höher schlagen lassen. 

Gerade bin ich ein wenig verwirrt, mein Urlaub neigt sich schon wieder dem Ende zu, und ich freue mich. So viele freie Tage am Stück verwirren mich. An mir ist ein Japaner vorbei gegangen. Gut und gerne wäre ich an manchen Tagen viel lieber ein unermüdlicher Japaner. Ich fühle mich wie ein futuristisch angehauchter Krieger, ein alter, in die Jahre gekommener, einsamer Samurai auf dem Schlachtfeld seines Lebens.

Bei solchen Gedanken schwindet meine stark rationierte Lebensfreude

dahin. Gewollt, ganz bewusst ein wenig melancholisch. Dies ist eine schöne, wohltuende Traurigkeit, die mich die Dinge unverblümt, so sehen lässt, wie ich sie am aller Liebsten sehen mag.


Donnerstag, 3. August 2017

Ich denke mir: "F U C K!" (1)



Ich denke mir: “F U C K!“

Alles, aber auch alles in meinem Leben erstrahlt hell wie Leuchtreklame. Scheinbar ist es das richtige Ergebnis, einer wirklich sehr, wirklich sehr komplexen Aufgabenstellung. Es ergibt einen Sinn, scheinbar,

Es scheint mir, genau so wollen es die Leute. Ich denke mir: „So muss es sich wohl anfühlen.“

Gut soll es sich anfühlen. Sie versuchen es über alle Kanäle. Reden und lassen es mich spüren, doch wissen sie alle nicht was ich weiß. Niemand weiß, dass […]. Verblendet, total verstrahlt! 

All die jämmerlichen Waschlappen, vor allem die, die besonders stark wirken wollen. All die missratenen, besserwisserischen, arroganten Arschlöcher. Sie alle sahen nicht das Schrecken, die Desillusionierung, sie wissen nichts, absolut gar nichts!

Mich werden sie nicht mehr brechen können, denn ich bin längst zerbrochen! Nur ich weiß es, denn immer, deutlich wahrnehmbar, steckt es tief, sehr tief in mir. Verwachsen, mit meinem Körper und mit meinem Geist. Meinem wohlgesonnen Wirken steht dieses grauenhafte Monster stets im Weg. Und ich, ich stehe stets in seinem Schatten. Ganz egal wo ich mich auch hin bewege, ich stehe im Schatten eines grauenhaften Monsters. Dieses Monster, wie soll ich es beschreiben, es ist wie ein ungebetener Gast mit einer schwarz umrandeten Dauerkarte. Ein nicht erwünschtes Geschöpf aus der Unterwelt. Ein diabolischer Störenfried mit entzündeter Speiseröhre und Magenschleimhautirritationen. Mitten drin, in meinem, mir heiligen Habitat. Hier bei mir, daheim, in meinem schutzwürdigen Biotop. 

Alles Schöne, all der Schmarren, nach dem sie sich sehnen, die ganze Glitzerkacke, falsche Werte und stupide Zielsetzungen! 

Heute noch, am Tag und in der Nacht, schwärmen sie genau davon! Wovon genau? Es hat sich alles, aber auch wirklich alles, als eine Illusion entpuppt. 

Ich bin fassungslos, obwohl ich es doch von Beginn an wusste. 

Im Verdrängen, wie ich selber von mir weiß, im Verdrängen, ja, da bin ich nun mal ein wahrer Meister. Ein Meister, der stets seines Gleichen sucht.

Ich denke mir: "F U C K!" (2)



Ich denke mir: “F U C K!“

Nichts ergibt einen Sinn. Alles endet, jetzt, in diesem Moment, wo ich doch mit Gewissheit weiß, das ist der Beginn, so, und nun könnte es ruhig und ohne Irritationen weitergehen. Jetzt, in diesem Moment ist es aber auch schon wieder vorbei. Ende, Beginn, Ende, Beginn, Ende…

Aus der Ferne erklingt der mich, mittlerweile langweilende, Soundtrack meines Lebens.

Ein schnelles Leben, mit verdammt gutem Kaffee am Morgen. Ein entspanntes Leben, mit absolut beruhigendem Tee am Abend, aus der Kanne. Die Musik läuft in der Endlosschleife, sie mag nie mehr enden. So wie ein sich ständig wiederholender Traum. So wie mein Tinnitus, der jetzt gerade wieder voll präsent ist. Herr Tinnitus, anonymisiert: Herr T., er drängt sich ganz penetrant in den Vordergrund. „Herr T. du verdammtes Arschloch, magst du denn nie wieder verstummen?“

Trotz der verdammten Blutverdünner. Trotz ärztlich verordnetem, hoch dosiertem “ASS“. Trotz des zusätzlichen Medikaments, für das ich an dieser Stelle keine Werbung machen werde. Ein verdammt teures Zeug, etwas was meine Krankenversicherung schlicht und einfach nicht bezahlt. Ich schlucke, jeden Tag, regelmäßig 1-1-1. 

Null, absolut Null!! Keine Besserung!

Die sechzig prozentige Aussicht auf Heilung schwindet regelmäßig, bei jeder eingenommenen Tablette. Klar, da frage ich mich, nicht wirklich: „Warum bezahlt meine Krankenkasse diese einhundert Tabletten nicht?“ 

Der tolle Nebeneffekt ist, ich blute. 

Es hört gar nicht mehr auf zu Bluten. Ein echt tolles Gefühl! Mein Blut ist so verdammt warm, verdammt dünnflüssig. So dünnflüssig wie das Blut, welches durch das chronisch kranke, absolut irreparable Herz, eines todgeweihten Menschen fließt. Optimale Viskosität, keine Gerinnung, kein Verklumpen, bis hinein in die Spitzen der aller feinsten Äderchen in meinem Körper! 

Mein dünnflüssiges Blut, es ist super. Es versorgt meine Organe, meinen ganzen Körper wirklich sehr gut mit dem nötigen Sauerstoff. Ich verspüre die Leistungssteigerung, die Kraft und die Ausdauer beim Joggen durch den Wald. Beim Joggen, um die umliegenden Seen herum. Eine tolle, konditionelle Glanzleistung, bis dass die Füße schmerzen. Trotz der orthopädisch wertvollen, zweifach angefertigten Sporteinlagen, mit drei spektakulären Zonen, die übrigens zum Teil von meiner beschissenen Krankenkasse an der Friedrichstraße bezahlt wurden, habe ich sehr starke Schmerzen in den Füßen.