Dienstag, 9. Mai 2017

Ordnung im Regal



Ich sehe in meinen Träumen aus den Augen anderer und ich sehe aus meiner eigenen Welt heraus. Grenzenlos, es ist unbeschreiblich. Das nachwirkende Gefühl der Freiheit im gerade eben frisch Geträumten. Hier sitze ich nun vor dem viel zu hellen Bildschirm, eingepackt in zwei kuschelige Decken, esse einen frisch geschälten Apfel und denke darüber nach in welchem Getränkehandel ich, viel später, dieses und jenes Getränk kaufen werde. Ich denke darüber nach welcher Müll des letzten Tages, in welche Tonne gehört. Doch all diese alltäglichen Gedanken haben jetzt gerade keine Chance gegen meinen Traum und seiner bewusst wahrgenommenen Wirkung auf mein Wirken.
 
Es ist seltsam ruhig um diese Zeit, um mich geworden.
 
Meine Schallplattensammlung wird immer größer und vor allem sortierter. Ich sammle nicht nur, ich entsorge. Am Ende bleibt mir stets nur das Beste. In meinem Plattenregal steht nur die auserlesene Musik, der Sound meines Lebens. All die allerbesten Freunde, von denen ich sehr viele hatte, sind heute nicht mehr da. Systematisch, drastisch, in den letzten Monaten habe ich die Sammlung meines Lebens durchsortiert. In meinem Regal stehen jetzt nur noch sehr wenige, mir wichtige […].
 
Meine Träume sind der Beweis dafür.
 
Die Bemühungen der vergangenen Monate haben sich nun ausgezahlt. Die Blüten und die Pracht des Wirkens, umherfliegende Schmetterlinge im Sonnenschein. Ich sehe endlich wieder und stehe nun endlich wieder auf meinen Füßen, auf dem Boden, barfuß. Wiederzugeben, anstatt ständig nur zu nehmen. Nichts von all dem gehörte wirklich nur mir. Es war geborgt und behalten. Benutzt und weggeworfen. Als ob es so einfach wäre!
 
Meine Gedanken, Worte und Taten, sind der Beweis dafür.
 
Ich öffnete die Tür, ging fort und ich kam wieder. Ich kam von meiner langen beschwerlichen, kräftezehrenden Reise wieder. Manche Menschen müssen erst pilgern, dann ein Buch darüber schreiben, veröffentlichen und verfilmen. Ich will nicht mehr auf Reisen sein. Ich will nicht mehr auf Pump leben. Mein Leben gehört nicht allein nur mir. Ich weiß mittlerweile schon gar nicht mehr wie oft ich gelebt habe, wie viele Tode ich bereits gestorben bin. Nach dem Leben erst richtig leben, „Ja eben!“ Lebendig sein und träumen, weitergeben, es gibt wirklich nichts schöneres.
 
Mein Wirken beginnt mit meinen Gedanken. Je reiner meine Gedanken sind, desto besser kann ich Gutes bewirken. Kein Leben, sollte lebendig begraben und unter den Füßen liegen. Das Leben, mein Leben entsteht immer wieder neu. Neuerdings schon früh am Morgen, bereits in meinen Träumen.
 
Ich schreibe, ich teile, Gedanken, ein immer währendes Gut, nicht nur für mich, nicht für all jene, die aus meinem Regal gefallen sind, die leider schlecht denkend, böse auf ihr Umfeld wirkend, verfault und nach Moder riechend, heute noch vor sich her siechend, ihren Tod mit Nelkenwasser beträufeln, so dass nur für wirklich feine Nasen, der irritierende Geruch der Verwesung wahrnehmbar ist.

In meinem Kopf läuten die Glocken, nicht weil ich in dieser Stadt meiner Wahl lebe, durch und durch getränkt vom Glauben. Es läuten die Glocken, gegossen vom Glockenmeister hoch im Turme. Diese wahrhaft himmlischen Töne sind nur für mich bestimmt. Ich bin froh und dankbar es wahrnehmen zu dürfen, denn ich bin froh und wirklich sehr dankbar heute noch leben zu dürfen.
 
Ich freue mich über den Tag, ich freue mich und blicke rüber zu meiner Plattensammlung und freue mich über den Sound meines Lebens.