Donnerstag, 3. August 2017

Fatboy Slim - Weapon of choice

Ich denke mir: "F U C K!" (1)



Ich denke mir: “F U C K!“

Alles, aber auch alles in meinem Leben erstrahlt hell wie Leuchtreklame. Scheinbar ist es das richtige Ergebnis, einer wirklich sehr, wirklich sehr komplexen Aufgabenstellung. Es ergibt einen Sinn, scheinbar,

Es scheint mir, genau so wollen es die Leute. Ich denke mir: „So muss es sich wohl anfühlen.“

Gut soll es sich anfühlen. Sie versuchen es über alle Kanäle. Reden und lassen es mich spüren, doch wissen sie alle nicht was ich weiß. Niemand weiß, dass […]. Verblendet, total verstrahlt! 

All die jämmerlichen Waschlappen, vor allem die, die besonders stark wirken wollen. All die missratenen, besserwisserischen, arroganten Arschlöcher. Sie alle sahen nicht das Schrecken, die Desillusionierung, sie wissen nichts, absolut gar nichts!

Mich werden sie nicht mehr brechen können, denn ich bin längst zerbrochen! Nur ich weiß es, denn immer, deutlich wahrnehmbar, steckt es tief, sehr tief in mir. Verwachsen, mit meinem Körper und mit meinem Geist. Meinem wohlgesonnen Wirken steht dieses grauenhafte Monster stets im Weg. Und ich, ich stehe stets in seinem Schatten. Ganz egal wo ich mich auch hin bewege, ich stehe im Schatten eines grauenhaften Monsters. Dieses Monster, wie soll ich es beschreiben, es ist wie ein ungebetener Gast mit einer schwarz umrandeten Dauerkarte. Ein nicht erwünschtes Geschöpf aus der Unterwelt. Ein diabolischer Störenfried mit entzündeter Speiseröhre und Magenschleimhautirritationen. Mitten drin, in meinem, mir heiligen Habitat. Hier bei mir, daheim, in meinem schutzwürdigen Biotop. 

Alles Schöne, all der Schmarren, nach dem sie sich sehnen, die ganze Glitzerkacke, falsche Werte und stupide Zielsetzungen! 

Heute noch, am Tag und in der Nacht, schwärmen sie genau davon! Wovon genau? Es hat sich alles, aber auch wirklich alles, als eine Illusion entpuppt. 

Ich bin fassungslos, obwohl ich es doch von Beginn an wusste. 

Im Verdrängen, wie ich selber von mir weiß, im Verdrängen, ja, da bin ich nun mal ein wahrer Meister. Ein Meister, der stets seines Gleichen sucht.

Ich denke mir: "F U C K!" (2)



Ich denke mir: “F U C K!“

Nichts ergibt einen Sinn. Alles endet, jetzt, in diesem Moment, wo ich doch mit Gewissheit weiß, das ist der Beginn, so, und nun könnte es ruhig und ohne Irritationen weitergehen. Jetzt, in diesem Moment ist es aber auch schon wieder vorbei. Ende, Beginn, Ende, Beginn, Ende…

Aus der Ferne erklingt der mich, mittlerweile langweilende, Soundtrack meines Lebens.

Ein schnelles Leben, mit verdammt gutem Kaffee am Morgen. Ein entspanntes Leben, mit absolut beruhigendem Tee am Abend, aus der Kanne. Die Musik läuft in der Endlosschleife, sie mag nie mehr enden. So wie ein sich ständig wiederholender Traum. So wie mein Tinnitus, der jetzt gerade wieder voll präsent ist. Herr Tinnitus, anonymisiert: Herr T., er drängt sich ganz penetrant in den Vordergrund. „Herr T. du verdammtes Arschloch, magst du denn nie wieder verstummen?“

Trotz der verdammten Blutverdünner. Trotz ärztlich verordnetem, hoch dosiertem “ASS“. Trotz des zusätzlichen Medikaments, für das ich an dieser Stelle keine Werbung machen werde. Ein verdammt teures Zeug, etwas was meine Krankenversicherung schlicht und einfach nicht bezahlt. Ich schlucke, jeden Tag, regelmäßig 1-1-1. 

Null, absolut Null!! Keine Besserung!

Die sechzig prozentige Aussicht auf Heilung schwindet regelmäßig, bei jeder eingenommenen Tablette. Klar, da frage ich mich, nicht wirklich: „Warum bezahlt meine Krankenkasse diese einhundert Tabletten nicht?“ 

Der tolle Nebeneffekt ist, ich blute. 

Es hört gar nicht mehr auf zu Bluten. Ein echt tolles Gefühl! Mein Blut ist so verdammt warm, verdammt dünnflüssig. So dünnflüssig wie das Blut, welches durch das chronisch kranke, absolut irreparable Herz, eines todgeweihten Menschen fließt. Optimale Viskosität, keine Gerinnung, kein Verklumpen, bis hinein in die Spitzen der aller feinsten Äderchen in meinem Körper! 

Mein dünnflüssiges Blut, es ist super. Es versorgt meine Organe, meinen ganzen Körper wirklich sehr gut mit dem nötigen Sauerstoff. Ich verspüre die Leistungssteigerung, die Kraft und die Ausdauer beim Joggen durch den Wald. Beim Joggen, um die umliegenden Seen herum. Eine tolle, konditionelle Glanzleistung, bis dass die Füße schmerzen. Trotz der orthopädisch wertvollen, zweifach angefertigten Sporteinlagen, mit drei spektakulären Zonen, die übrigens zum Teil von meiner beschissenen Krankenkasse an der Friedrichstraße bezahlt wurden, habe ich sehr starke Schmerzen in den Füßen.

Ich denke mir: "F U C K!" (3)



Ich denke mir: “F U C K!“

Schmerz und Leid, haben eine wirklich schöne und besonders starke Auswirkung auf das künstlerische Sein. Aus der Angst wird die Freude geboren. Und geht es gerade zu ende, so fängt es doch gleich wieder an.

Montag, 24. Juli 2017

Musel-Allemagne 1





Heute bin ich ein Gründer. Shark-Tank und die Höhle der Löwen sind Bullshit. Ich bin ein echter Gründer. Ich gründe die lokale Selbsthilfegruppe, die ich nenne: „Paranoide-Hypochondrie.“

Meine Gedanken sind so was von frei. Am Tage und in der finsteren Nacht. Dann wenn die Schatten immer länger werden und das Grauen aus der Ecke kriecht, brülle ich ganz laut: „Ich fürchte mich nicht!“ Ich fürchte mich nicht vor dem Muselmann, denn auch ich bin einer. Ich bin gottesfürchtig und ich kämpfe mit den mutigen Kriegern von der beflügelten Seite.

Meine Flügel breite ich aus und nehme es nicht schwer, denn ich wachse, und ich fliege hoch hinaus, frei, so frei wie die Segler der Lüfte. Wie ein Mauersegler. Denn ich wachse, ich wachse über sie hinaus.

Ich schwinge mit denen, die mit mir schwingen wollen. Letzten Endes bin ich stets der, der ich bin! Ich bin der, der ich schon immer war. Und wenn auch du so sein willst wie ich, dann zier dich nicht. Komm vorbei, schau herein, in meine Selbsthilfegruppe, die ich nenne:

„Paranoide-Hypochondrie.“

Musel-Allemagne 2




Meine Gedanken sind mal wieder so was von frei.


Die Freiheit zu besitzen und zu sagen: „Ich bin der, der ich bin und niemand wird mich jemals verbiegen! Niemand wird mir den Mund verbieten! Und niemand darf auf der spirituell, religiösen Ebene mein ganz persönliches Verständnis von Gott und meinem ganz persönlichen Glauben in Frage stellen!“

Doch wenn es jemals ein Niemand wagt, dann muss dieser Niemand, irgendwann in naher Zukunft mit den Konsequenzen seiner an mich gerichteten Worte rechnen.

Du hast also ein Problem mit mir? Gut, denn mal los! Vergiss jedoch nicht, du reibst dich an mir, es entsteht Wärme und letzten Endes wirst auch du dich verbrennen.

„Aua!“

Musel-Allemagne 3




Ich bin der, der ich nun einmal bin.

Aufgewachsen im Schatten der Fabrik. Am Stadtrand. Ich fange gerade an zu erzählen und jemand denkt sich in genau diesem Moment: „Bla, bla, bla. Der schon wieder!“ Mir ist es echt egal, was in genau diesem Moment jemand über mich denkt.

Denn ich bin jetzt Tarzan und schwinge mit dem Seil über den Fluss, die Lippe. Denn ich bin ein echtes Lippekind, ein Kind unter vielen. Multikulturell waren wir Lippekinder bereits bevor es den Begriff gab.

Die Nachbarn berichten Jahrzehnte später von den Wilden, den Kindern der Fabrikarbeiter. Aufgewachsen in den Mietwohnungen, dem Eigentum der Fabrik.

Aufgezogen wurde dieser kleine Junge von dem Schlüssel um seinen Hals. Einmal ich erinnere mich noch sehr gut, war es genau der Schlüssel, den er hatte verloren, den er bis in die tiefe Nacht hinein suchen musste. Er wurde gepeinigt, gequält über Stunden und Tage, die Last trug er auf seinen noch so jungen Schultern.

Die Nachbarn, viele bereits verstorben, waren Augenzeugen wahrer Begebenheiten.

Samstag, 22. Juli 2017

Maserati Quattroporte IV


Der Quattroporte IV ist eine viertürige Limousine des italienischen Sportwagenherstellers Maserati, die von Frühjahr 1994 bis Ende 2001 in zwei Serien produziert wurde. Die werksinterne Bezeichnung des Modells ist Tipo 337.
Der Quattroporte IV basierte auf der Ende 1981 eingeführten Technik des Maserati Biturbo. Er war die letzte Neuentwicklung des Unternehmens, bevor es 1994 von Fiat übernommen wurde.

Mittwoch, 5. Juli 2017

Brief an Herr SoUndso



Lieber Herr SoUndso,


nach nun fünf sehr intensiven Tagen in meinem neuen Arbeitsbereich, verspüre ich einen großen Drang mich ihnen mitzuteilen. 

Ich will einen richtig guten Job machen. 

Dieser neue Bereich unserer gemeinsamen Arbeit, den wir gerade sehr erfolgreich, alle zusammen auf die Beine gestellt haben, der aus eigener Kraft steht, ist etwas ganz besonderes für mich. Die Menschen, die am Morgen zu uns kommen und uns am Abend wieder verlassen, sind meiner Erfahrung nach stets glückliche Menschen. 

Die Erfahrungen die ich über vier Jahre im Haus AufDeranderenStraßenseite sammeln durfte, plus die pflegerische Komponente aus unserem Haus, dem Haus WirSchaffenEs, ermöglichen mir heute eine ganz neue Denk-, und Sichtweise.

Aber manche Themen, mein lieber Herr SoUndso, müssen unmittelbar, zumindest sehr zeitnah, abgearbeitet werden, um eine adäquate Pflegequalität von Anfang an zu gewährleisten. 

Ich möchte sie nicht langweilen, ich werde mein Anliegen nun auf den Punkt bringen:

Ein zusätzliches, nicht so starres Arbeitszeit-Modell, wäre mir eine große Hilfe. Ich brauche mehr Zeit für die liegengebliebene, nicht erledigte Schreibtischarbeit. Ich würde mir wünschen, etwas flexibler arbeiten zu dürfen.

Ich bin ein Freigeist, einen wie mich sperrt man nicht ein, kettet man nicht an den Heizkörper, ich bin ein Kreativer und noch ein wenig effektiver, wenn ich etwas mehr Spielraum habe. Nicht viel, nur etwas mehr. 

Es wäre für mich einfacher, wenn ich beispielsweise die Möglichkeit hätte, zwischendurch mal zu arbeiten. Kurz mal aus dem Freizeit-Modus schlüpfen, um für eine Stunde sehr effektiv am Schreibtisch zu arbeiten. Ähnlich wie bei einem „Home-Office“. Frei wählbare Arbeitszeiten. Ich wohne fast im selben Viertel, sozusagen im Nachbar-Viertel unseres Hauses WirSchaffenEs.

Mein Lieber Herr SoUndso, was soll ich Ihnen dazu noch schreiben?

Glauben Sie mir, ich kenne mich selber sehr gut. Mit dieser Regelung, hätte ich die nötige Ruhe und Konzentration, die ich zum effektiven Arbeiten dringend benötige.

Es würde mich sehr freuen wenn wir dieses Thema zeitnah besprechen könnten. 

Mit herzlichen Grüßen,


Ihsan alias K‘nack die Krähe ;-D

Fotofinish



Ich gebe gerne, wirklich sehr, sehr gerne auch mal Gas. Ich trete voll auf das Gaspedal. Am liebsten des Nachts. Besser noch in den sehr, sehr frühen Morgenstunden. Die Autobahn ist leer. Das Blitzgerät am Rande meines Lebens, in genau dieser Lebenssituation, ist aktiv. 

Kilometer: „33.“

Ich drehe den Regler meiner außergewöhnlich guten Car-HiFi-Anlage bis ins unermessliche, nach rechts. Laut, lauter, am lautesten. Die Musik ertönt, sie schreit mich an und dabei fällt mir ein, dass ich damals, im Rahmen meiner Ausbildung, einen ergrauten, blinden Masseur interviewt habe.

Als dieser außergewöhnlich nette Mensch, seiner Zeit, als junger Mensch, seine Profession, nach dem Krieg, sehr stark erblindet, fand, gab es so etwas wie die basale Stimulation noch nicht. Zumindest gab es diese Bezeichnung noch nicht. Doch dies nur am Rande, des Randes. Dieser ergraute, blinde Masseur, sagte damals zu mir und zu allen Anwesenden in der Schulklasse, in der wir alle saßen:

Tinnitus, Hörschäden, etc., ihr habt es euch selbst zuzuschreiben, eure Gehörgänge sind durch die laute Musik nicht nur geschädigt, mit der Zeit sind sie zudem auch noch faul geworden. Wenn man so wie ich auf seine Ohren angewiesen ist, weil ich sozusagen mit meinen Ohren sehe, höre ich die Musik, die mir gefällt, stets leise. Darauf bedacht jeden Ton in seiner vollen Schönheit wahrzunehmen und zu genießen.“

Kilometer: „23.“

Ich habe bereits einen ordentlichen Tinnitus in zwei unterschiedlichen Tonlagen, auf beiden Ohren. Nicht durch die lauten Industriehallen, durch die ich wie ein Wanderarbeiter seit dem Ende meines fünfzehnten Lebensjahr ziehen musste, in denen ich mehr als zwei Jahrzehnte aus Gewohnheit arbeitete, nein und nochmals nein! Den Tinnitus in zwei unterschiedlichen Tonlagen, auf beiden Ohren, habe ich jetzt, brandaktuell, durch den übertrieben lauten Sound auf engstem Raum, oder durch den satten, richtig heftigen Bass meiner AKG-Kopfhörer, die meinen Gehörgängen, beim Radfahren, beim Joggen in den Wäldern, um die Seen herum, den letzten Rest gegeben haben.

Kilometer: „13.“

Der Sound ist wirklich überragend. Die Landschaft existiert bei der nun erreichten Endgeschwindigkeit nicht mehr. Die Gedanken, die schlechten Gefühle sind nun endlich irgendwo im Nirgendwo! Der Tempomat übernimmt an dieser Stelle, die nun konstant bleibende Geschwindigkeit. Ich durchbreche die Schallmauer und werde in den Sitz gepresst. So erreiche ich die erhoffte, lang ersehnte Befreiung. 

Voll konzentriert, all meine Sinne sind bis auf das Äußerste geschärft. Allmählich nähre ich mich meinem Ziel. Meine bereits angespannten Muskeln spannen sich nun noch etwas mehr an. Ich atme langsam und lang durch die Nase ein, inhaliere dabei die Luft, gefiltert durch die frisch gewartete Klimaanlage. Ich atme langsam und lang aus dem Mund, mit angespitzten Lippen, aus...

Kilometer: „3 - 2 - 1 – 0.“ 

"Fotofinish!"

Brief an die IGMetall



Liebe Kollegin BlaBla, Liebe IGMetall!


ich danke Ihnen für den Glückwunsch zum examinierten Altenpfleger. Seit nun über einem Jahr komme ich meiner Tätigkeit als Pflegefachkraft nach. Ich liebe meinen Beruf, denn ich bin stets im Kontakt mit ganz wundervollen Menschen, um genau dort zu helfen, wo meine Hilfe benötigt wird. 

Seit fünf Jahren bin ich nicht mehr in der Metallbrange tätig. 

Ich muss an dieser Stelle erwähnen, darüber bin ich wirklich sehr, sehr froh. Nach mehr als achtzehn Jahren in den hiesigen metallverarbeitenden Betrieben, konnte ich zum Schluss nicht mehr. 

Mit ihrer Unterstützung, bzw. der Unterstützung aus der Abteilung Rechtsschutz, wurde es mir nach einem Jahr der Geduld ermöglicht, einen neuen Beruf zu erlernen. 

Erinnern sie sich, wie wir gemeinsam klagten? Empfanden Sie es nicht auch als einen langen und beschwerlichen Weg. Juristisch, medizinisch und in Zusammenarbeit mit der Deutschen Rentenversicherung, haben wir es am Ende doch noch geschafft!

Ob durch Zufall oder vielleicht einfach nur durch Schicksal, ich weiß es selber nicht genau. Im ersten Quartal diesen Jahres bin ich in einem etwas anderen Bereich der Altenpflege gelandet. Anfangs wusste ich selber nicht wo meine Reise mich hinführen sollte. Ich hatte das Ticket in der Hand und setzte mich vorerst ziellos in den Flieger meines Lebens. Doch nun weiß ich wo ich gelandet bin. Ich fühle mich sehr wohl, ganz gewiss werde ich hier noch eine lange Zeit verweilen. Wie heißt es da noch: „Gottes Wege sind unergründlich!“ Aus diesem Grund habe ich vor einigen Wochen meine Mitgliedschaft bei der IGMetall gekündigt. Ich bin schon sehr lange kein Metaller mehr. Es stellt sich mir die Frage:


War ich jemals ein Metaller?!“


Metall und Altenpflege passen leider nicht wirklich zusammen. Deshalb bitte ich Sie, Frau Bla Bla, löschen Sie meinen Namen aus Ihrem E-Mail-Verteiler. Des weiteren bitte ich Sie mir die Bestätigung meiner Kündigung zuzusenden. Denn bisher warte ich seit mehreren Wochen vergebens darauf. Zumindest könnten Sie eine Beschleunigung meiner Bitte an der richtigen Stelle anregen. Ihren Kompetenzen nach zu urteilen, traue ich Ihnen dies auch durchaus zu. Anstatt mich weiterhin anzuwerben, sollten Sie nun endlich Abschied von mir nehmen.

Ich dränge Sie sanft und sehr wohlwollend dazu, meiner Bitte nachzukommen.

Vielen Dank für manch schönen Augenblick. Die Demonstrationen auf offener Straße, die bezahlten Rebellionen haben meinem Charakter einen ganz besonderen Schliff gegeben. 

Danke Frau BlaBla, danke IGMetall!

Donnerstag, 29. Juni 2017

Wohlfühlen und Genießen



Es ist mal wieder an der Zeit meinen Gedanken den nötigen Respekt zu zollen, meinen wirr warr umherirrenden Gendanken den nötigen Raum einzuräumen. Keine Zeit mehr zum Träumen, ich sehne mich nach Ruhe und paradoxerweise ziehe ich mir über die Lautsprecher meiner Wahl „Funkyy-Free-Jazz“ rein. Etwas unruhig, stellenweise sehr basslastig und wahrscheinlich ein wenig zu laut. Ein wahnsinns Sound, der meinen Text während des Tippens fantastisch untermalt.
 
Ich bin der, der ich bin und ich lebe! Lebe gerne mit ihnen, in Mitten der mich umkreisenden Planeten. Sie umkreisen mich und ich umkreise sie. Mitten im System, umgeben von der Macht!

Heute Abend habe ich mir vorgenommen nicht auch noch in meiner freien Zeit über meine Arbeit nachzudenken. Bisher ist es mir leider nicht gelungen. Vor Trockenheit tränen mir die Augen. Ein Gefühl, als ob ein Fremdkörper unter den Liedern festsitzt. Es juckt, brennt und ich will einfach nur noch dass es aufhört, jetzt, sofort. 
Augentropfen, empfohlen von meiner Augenärztin aus meinem Heimatdorf, verschaffen mir die nötige Linderung.
 
Ich lese in meiner Freizeit diese Bücher mit den tollen Titeln und den guten Ratschlägen, Plänen und stets passenden Aphorismen für jede nur erdenkliche Lebenssituation. Ich lese und denke mir: „Wie für mich erdacht“. So zutreffend und klar erscheinen mir die Zusammenhänge.

Und genau an dieser Stelle fangen diese Texte an mich zu langweilen. Denn mittlerweile erkenne ich die Parallelen, jeder Autor meint der ultimative Autor zu sein und alle schreiben sie doch nur über die selbe Thematik, welche sich ständig, wie in einer Endlosschleife wiederholt. 

Ich mag keine Wiederholungen. 

Ganz egal welchen Kurs ich gerade fliege, meinen individuellen „Lande-Anflug“, habe ich bereits eingeleitet. Ganz egal wie turbulent es wird, ich werde Landen.
 
Ganz selbstverständlich.
 
Jetzt, wo ich den guten Rat meiner Augenärztin befolge, scheint alles sehr viel besser zu sein. Meine Augenärztin ist die Frau mit den Bildern von Audry Hepburn an den Wänden ihrer Praxis. Ihre Praxis ist die Praxis meiner Kindheit. Es sind die selben Räumlichkeiten, es ist der selbe Geruch, eine neue Ärztin und lauter neue Augenheilkundlerinnen. 
Während der standardisierten Untersuchungen ignoriere ich routiniert die aufkeimenden Gefühle in mir. 

Ein anderes sich ständig wiederholendes Thema in meinem Leben ist meine Arbeit. 
Die Arbeit verlangt mir sehr viel ab. Morgen werde ich es etwas ruhiger angehen. Gemeinsam werden wir die Kaffeebohnen aus dem "Unverpackt-Laden", zu feinstem Kaffeemehl zermahlen. Zusammen mit meinen Leuten, werden ich den Kaffee im Melitta-Porzelanfilter brühen, um ihn dann köstlichen, wohlriechend zu Genießen. Schluck für Schluck.

„Wohlfühlen und Genießen“ 

So lautet unser Wochenthema, welches sich nun dem Ende zuneigt. Mit einem schönen Kaffeekränzchen werden wir den Tag ausklingen lassen und zum Schluss werden wir uns verabschieden und zueinander sagen:
 
"Es war mir eine Ehre, bis zum nächsten Mal!"

Montag, 26. Juni 2017

1904 M





Aufrecht sitze ich, aufrichtig bin ich zu dir. Meine Finger weich wie die Butter auf dem Frühstückstisch, frage ich dich: „Wie geht es dir?“ Ich schaue auf den Bildschirm, derweil tanzen meine Hände blind, meine Finger geben einen wunderschönen Takt vor, du antwortest mir, doch ich höre dich nicht. Meine Augen sehen, meine Gedanke kreisen, es scheint wie immer, doch alles ist so anders, deine Lippen, deine Augen, die Schönheit, das Einzigartige, du, wir, zusammen, mitten in unserem Leben, die Schönheit, das Einzigartige, unser Kind. Ein Leben, anstrengend, wie eh und je, doch ist es nicht wie früher.

1905 M




Die Fratzen aus längst vergangenen Tagen begegnen mir am Morgen, am Abend, in der Dämmerung und leider auch in der Stille. Welcher Teufel hat mich bloß geritten? Hast du Freunde wie diese, so brauchst du keine Feinde mehr. Ich, der, welcher damals wie heute umgeben von Engeln, fasziniert vom ultimativ Bösen war. Das Böse, anders als in den Filmen von Martin Scorsese, ängstigt mich manchmal des Nachts. Ich weiß, es ist leider so real. Denn ich weiß, es geschieht, bestimmt mehrere Male innerhalb vierundzwanzig Stunden, weltweit. Immer und immer wieder.

1906 M





FUCK'M ALL!

1907 M




Es ist so unglaublich eigenartig und ganz besonders abartig. Ich verstehe es nicht, wie kann man denn am helllichten Tage, vor den Augen eines Kindes, einfach so mir nichts, dir nichts über eine rote Fußgängerampel joggen. Ich brüllte ihn an und zeigte auf das Kind auf der anderen Straßenseite: „Sie sind aber kein gutes Vorbild!“ Er murmelte oder knurrte etwas unverständliches in meine Richtung, und ich fügte noch hinzu: „ […], nein, wirklich nicht!“ Wieder murmelte, knurrte er etwas unverständliches in meine Richtung und verschwand im Eingangsportal des Holiday Inn, unweit unserer Wohnstätte.

1908 M




Für mich, ganz sicher auch für uns, ist es ein Leben ohne Irritationen. In Europa, aus der Sicht des Pflegers mit einer Zusatzausbildung zum Wundexperten, ist es wie ein grandioser Wundheilprozess, wie aus dem Bilderbuch des Pflegers von heute, welcher ist der Pfleger von morgen.

Dabei weiß doch jedes Pfleger-Kind: „Ein Wundheilprozess, ohne Exsudat, wäre kaum vorstellbar.“




Kaum vorstellbar, weder für mich, noch für dich, dem Pfleger mit einer Zusatzausbildung zum Wundexperten.

1909 M




Aufrecht sitze ich, aufrichtig bin ich zu dir. Meine Finger weich wie die Butter auf dem Frühstückstisch, weiß ich heute und auch morgen, dir geht es gut, denn mir geht es gut, denn gemeinsam blicken wir und erblicken die wahre Schönheit, das Einzigartige, unser Kind.

Sonntag, 25. Juni 2017

Bayram 1



Nichts wissend, nichts ahnend. Jung, noch wirklich sehr jung.
 
Sie gehören wohl zu den ersten Erinnerungen die mich bis heute begleiten. Geprägt wurde mein zartes „Ich“ allerdings schon sehr viel früher. Sehr viel früher, noch vor den ersten Erinnerungen. Denn bereits vor den ersten Erinnerungen wurde ich sehr stark geprägt. So stark, mit einer furchterregenden Gewalt, die mich zu dem formte, hineinpresste, mich schrumpfte um mich danach zu dehnen, erst ganz klein und nie wirklich ganz groß, ich wurde geformt und ganz gewiss wurde ich wider der Natur eines noch so kleinen Menschen, verformt.

Na ja, vielleicht laufe ich heute deshalb leicht deformiert durch die Stadt meiner Wahl, oder vielleicht ist all dies nicht wirklich gewählt. Gequält, über Stunden und Tage.

Die Tage hätten so wunderschön sein können.

Bayram 2



Es war sehr heiß, es war sehr sonnig und ich sah wie die Libellen flogen. Sie flogen nur für mich über die seichte Oberfläche des Sees. Es war sehr heiß, es war sehr sonnig und ich sah wie die Schmetterlinge flogen. Sie waren strahlend gelb im Sonnenschein. Die schönsten Zitronenfalter an die ich mich noch heute erinnere, auch sie flogen nur für mich über die schönsten Blumenwiesen einer sehr feinfühligen Kindheit.

Ich erinnere mich jetzt wieder ganz deutlich und ich blicke heraus aus meiner Zelle.

Heraus aus der Dunkelheit in die leuchtend helle Natur. Ich spüre die Anwesenheit der Geister jener Tage. Sie begleiten mich noch heute. Sie beschützten mich schon damals und auch jetzt wieder. Wahrscheinlich haben sie seit meiner Geburt nie aufgehört mich zu schützen. Ihr Schutz und dieses Gefühl in mir geben mir die nötige Stärke.

Protektion für mich, daraus wächst so viel und noch so viel mehr.

Bayram 3



Die kleine Zelle in der ich manchmal, an heißen Sommertagen hocke, bricht auseinander und ich fühle endlich wieder. Ich fühle die nötige Abkühlung. Ich fühle mich und meine sehr feinfühlige, kleine Familie in allen Lebenssituation. Ich erlebe es so eindringlich. Ich nehme und ich gebe mindestens genau so viel und wenn ich kann noch sehr viel mehr. Alles nur damit ich es gewährleisten kann, nein, muss. Denn auch ich bin ein Beschützer! Instinktiv, weil ich Vater und Ehemann bin. Ich tue es für ein wenig Glück! Und für dieses Glück, für dieses Gefühl kämpfe ich jeden Tag. Wirklich an jedem Tag, auch wenn es manchmal nicht danach aussieht!
 
Heute weiß ich ganz genau, es ist meine ganz persönliche Antwort auf die eine Frage. Es ist die Frage die mich Jahrzehnte lang quälte. Die Qual, später auch autoaggressiver Natur, kam vor langer Zeit aus einer anderen Welt. Da wären wir wieder bei meinen ersten Erinnerung. Woher all dies kommt, ist mir heute fast egal.
 
Auch wenn es manchmal so gar nicht danach aussieht, noch einmal, manchmal sieht es so gar nicht danach aus, denn ich liege einfach nur da. Ich verbringe viel Zeit, fast lethargisch, sehr stark geistesabwesend in meiner irren Gedankenwelt auf dem Blümchensofa. Dort wo die Bienchen um mich hersummen. Ich bin nicht da und bin doch da, ganz klar, nicht wo anders, da, ganz nah.

Ganz nah, ganz heftig spüre und empfinde ich all die gesendeten Impulse als angenehmen seicht warmen Wind, direkt vom salzigen Meer, am Strand einer schönen Kindheit. Es fühlt sich so schön an, so schön wie der liebevolle Kuss einer Mutter.

Bayram 4



Schade!

Aber die kranke Welt in der ich aufwuchs, war von einer ganz anderen Wahrnehmung geprägt. Tief in mein Mandelhirn eingebrannt ist es mir heute möglich genau so, hier und jetzt zu Schreiben. Hätte ich eine Schreibmaschine wäre es sehr, sehr laut in diesem Raum. Heute nach den unerträglich heißen Tagen, regnet es endlich wieder. Und ich sitze hier in diesem Raum, vollgestopft mit Erinnerungen, die mich zu dem Menschen machen der ich bin. Ich sitze hier am Ende der Fastenzeit und sage zu mir selber: 


„Bayramin kutlu olsun!“

Sonntag, 11. Juni 2017

Ein Ritter aus Leidenschaft (1)




In meinen Träumen, aber nicht nur in meinen Träumen, in meinen Träumen bin ich ein Ritter aus der Zukunft. Ich hantiere mit technologiebasierten Waffen. Ich stelle das Gleichgewicht zwischen „Gut ? Böse“ wieder her.

Hinfort, hinfort mit all jenen: „Kommt her und dann geht schnell wieder!“ Die, die mich nicht sahen und mich nie sehen werden, als den Menschen der ich immer war und noch heute bin.


Ein Ritter aus Leidenschaft (2)



Die Sonne, mein Licht ist mit mir mitgezogen.
 
Der unterschied zu damals, heute werfe ich einen noch größeren Schatten. Nicht sonderlich größer, nicht wirklich erwähnenswert, denn die, die mich wirklich kennen, wissen wie groß und reich ich bereits als Kind schon war.

Wie reich ein noch sehr junger Mensch sein kann, weiß ich nicht erst seit heute! Die wahre Stärke wird schon sehr früh ausgebildet. Um ein besseres Verständnis von mir selbst zu haben, benötige ich kein neurobiologisch basiertes Studium.

Die schärfe meiner Sinne, mit dem besonderen Blick von außen nach innen und umgekehrt, stets im Wechsel. Unvorhersehbar, manchmal auch im Intervall. Ganz besondere Lebenssituation erfordern ganz besondere, manchmal drastische Handlungen.

Ein Ritter aus Leidenschaft (3)



Und so wurde aus mir ein Ritter. So wie der „Ritter aus Leidenschaft“. Denn das Leid schafft, es kreiert den Menschen, designt ihn so wie er ist. Einmalig! Aus dem Prototypenbau, ausgestattet mit unvorstellbaren Fähigkeit. Perfekt gerüstet für den alltäglichen Wahnsinn der mich umgibt. Wer dies nicht sieht, ist nicht blind, er ist nur ein wenig abgestumpft.

Ein Ritter aus Leidenschaft (4)



Im ständigen Kampf für die angeborenen Rechte eines Jeden, wundere ich mich noch immer sehr, sehr stark, wieso dieses System, dieser chronisch kranke Mann am Rande des Wahnsinns, nie genesen wird. Natürlich kenne und erkenne ich, so wie du, die Gründe. Aber so wie du, möchte ich es nicht wahr haben.

Ein Ritter aus Leidenschaft (5)



Ich bin Vater und Sohn, und bin noch so viel mehr, ich bin zu tiefst gerührt, und meine melancholische Grundhaltung macht es mir nicht einfacher. Doch sehe ich an Tagen wie diesen nicht schwarz, nicht weiß, vielleicht ein wenig grau, doch vor allem bunt!
 
Die Farbenpracht, die Wunder dieser Welt, manchmal ganz klein, kaum sichtbar, manchmal gut verborgen, so dass ich sie erst entdecken muss, die Farbenpracht, ist die Hoffnung. Ohne die Hoffnung, wäre ich verloren.

Ein Ritter aus Leidenschaft (6)



Das System, dieser chronisch kranke Mann am Rande des Wahnsinns würde mich infizieren. Ich hätte überhaupt gar keine Chance. Eine medizinisch perfekt durchgeführte Sanierung, würde mir in diesem Fall auch nicht helfen. So helfe ich mir selber, und ich helfe, denen die sich heute nicht mehr selber helfen können.
 
Ich bin ein Ritter. Ein Ritter aus Leidenschaft. Denn das Leid schafft, es kreiert den Menschen, designt ihn so wie er ist. Einmalig!

Langeweile (1)



Langeweile heißt, nichts!
 
Nichts anderes, als nun die Kreativität entfalten zulassen. Wenn ich es denn kann, es zulasse. Ich mag kein enges Terminkorsett. Festgezurrt und eingeengt. Ich mag kein durchgeplantes Leben. Nur leider, leider komme ich nicht drumherum. Es funktioniert leider gerade eben nicht ohne Planung.

Langeweile (2)



Erst neulich stieß ich unsanft darauf. Erst neulich erwachte ich wieder unsanft. Erwachte aus dem herrlich chaotischen Traum, den ich in der Endlosschleife träumen könnte. Keine Grenzen, keine Gesetze, wie ein Outlaw im Lummer-Schlummer-Land!

Langeweile (3)






Als ich dann plötzlich erwachte, wie schon so oft in meinem dahin geträumten Leben, als ich plötzlich dort stand, ich ahnungsloser Vollidiot, ganz nackt, barfuß auf dem kalten Parkettboden, auf der Bühne meines Lebens, war es bereits zu spät.

Langeweile (4)




Mein ganzer Körper, alle meine Muskeln, Sehnen und Bänder zuckten ruckartig zusammen. Ein Gedanke, ganz schlimm, wie ein Wadenkrampf, nur in meinem Kopf, verkrampfte sich, während mein Körper sich wieder entspannte und es warm, nass und irgendwie wohltuend meine Beine herunter lief.

Die Rede hier an dieser Stelle, ist die alltägliche Inkontinenz einer von stressgeplagten Gesellschaft.

Ich ging dem Gedankengang nach und folgte dem Rinnsal. „Nicht wirklich ist es der Stress...“, so dachte ich unter der dampfend heißen Dusche nach, „...nicht der Stress stresst mich!“ Mich stresst, zu wenig Erholung!

Sei willkommen in meinem Leben, dem Leben meiner Wahl.

Dienstag, 6. Juni 2017

Zeit für Dich



„Wer nicht jeden Tag etwas für seine Gesundheit aufbringt, muss eines Tages sehr viel Zeit für die Krankheit opfern.“
 
Sebastian Kneipp (1821 – 1897), deutscher Naturheilkundler und katholischer Theologe.

Frohe Pfingston, heute live aus Kingston!








Das Album meines Lebens, der Sound meines Lebens. Umgeben von Musik, bin ich stets auf der Suche nach noch mehr Musik.

Immer wieder mal geht mir ein ganz bestimmter Song durch meinen schräg auf den Schultern sitzenden Kopf. Ich weiß nicht warum? In ganz besonderen Momenten, oder aber auch in unglaublich sinnfreien Momenten meines Lebens, höre ich Songs, nur in meinem Kopf.

Aus der Erinnerung heraus, ohne einen Anhang, einfach so, und ich frage mich: „Warum, warum jetzt gerade dieser Titel?“ Gestern, und heute in Verlängerung an gestern, hörte ich rauf und runter das Album aus dem Jahr 1979. Meinem Geburtsjahr, es ist kein Geheimnis. Die Scheibe, aus einer der Schallplattenpressautomaten von Tuff Gong:
Bob Marley & The Wailers – Survival.“

Einfach nur mega, super, super, mega gut!!
Ein wundervolles Album. Zuvor hörte ich nur die Musik in meinem Kopf, später, am Nachmittag kaufte ich mir die Platte für einen guten Preis. Zufall? Der Händler ließ absolut nicht mit sich handeln. Ich habe es versucht, aber im Grunde genommen, dieses Album war mir jeden Cent wert. Es kommt direkt in den wertvollen Nachlas für meinen Sohn. Beim Kauf war er mit dabei, daheim haben wir einige der Songs gemeinsam gehört und dazu getanzt, so entschied er, diesen Schatz zu teilen. 
Wundervoll, wundervoll ist nicht nur die Musik, auch der Geist der da hinter steckt ist einfach wundervoll. Die wertschätzende Grundhaltung zu einen von vielen wundervollen Künstlern, ist meiner Meinung nach, sehr, sehr wichtig!
Mein Sohn macht mich so unglaublich stolz, wenn er das schwarz glänzende Vinyl als einen wertvollen Schatz betrachtet, und liebevoll in die bereits bestehende Sammlung einordnet. Viel mehr kann ich mir an dieser Stelle nicht wünschen.
Zudem weiß ich, die Musik verbindet die Generationen miteinander. Ich erlebe es sehr oft, beruflich aber ganz besonders stark daheim, dort wo ich mich so richtig wohl fühle.
Alle schlafen, wie immer um diese Zeit. Ich sitze in diesem akustisch wohl klingenden Raum, tippe stakkatoartig auf meiner “ultra-softtouch“ Tatstatur herum und höre weiter, den Sound unseres Lebens.

No Comment!¿


Dienstag, 9. Mai 2017

Ordnung im Regal



Ich sehe in meinen Träumen aus den Augen anderer und ich sehe aus meiner eigenen Welt heraus. Grenzenlos, es ist unbeschreiblich. Das nachwirkende Gefühl der Freiheit im gerade eben frisch Geträumten. Hier sitze ich nun vor dem viel zu hellen Bildschirm, eingepackt in zwei kuschelige Decken, esse einen frisch geschälten Apfel und denke darüber nach in welchem Getränkehandel ich, viel später, dieses und jenes Getränk kaufen werde. Ich denke darüber nach welcher Müll des letzten Tages, in welche Tonne gehört. Doch all diese alltäglichen Gedanken haben jetzt gerade keine Chance gegen meinen Traum und seiner bewusst wahrgenommenen Wirkung auf mein Wirken.
 
Es ist seltsam ruhig um diese Zeit, um mich geworden.
 
Meine Schallplattensammlung wird immer größer und vor allem sortierter. Ich sammle nicht nur, ich entsorge. Am Ende bleibt mir stets nur das Beste. In meinem Plattenregal steht nur die auserlesene Musik, der Sound meines Lebens. All die allerbesten Freunde, von denen ich sehr viele hatte, sind heute nicht mehr da. Systematisch, drastisch, in den letzten Monaten habe ich die Sammlung meines Lebens durchsortiert. In meinem Regal stehen jetzt nur noch sehr wenige, mir wichtige […].
 
Meine Träume sind der Beweis dafür.
 
Die Bemühungen der vergangenen Monate haben sich nun ausgezahlt. Die Blüten und die Pracht des Wirkens, umherfliegende Schmetterlinge im Sonnenschein. Ich sehe endlich wieder und stehe nun endlich wieder auf meinen Füßen, auf dem Boden, barfuß. Wiederzugeben, anstatt ständig nur zu nehmen. Nichts von all dem gehörte wirklich nur mir. Es war geborgt und behalten. Benutzt und weggeworfen. Als ob es so einfach wäre!
 
Meine Gedanken, Worte und Taten, sind der Beweis dafür.
 
Ich öffnete die Tür, ging fort und ich kam wieder. Ich kam von meiner langen beschwerlichen, kräftezehrenden Reise wieder. Manche Menschen müssen erst pilgern, dann ein Buch darüber schreiben, veröffentlichen und verfilmen. Ich will nicht mehr auf Reisen sein. Ich will nicht mehr auf Pump leben. Mein Leben gehört nicht allein nur mir. Ich weiß mittlerweile schon gar nicht mehr wie oft ich gelebt habe, wie viele Tode ich bereits gestorben bin. Nach dem Leben erst richtig leben, „Ja eben!“ Lebendig sein und träumen, weitergeben, es gibt wirklich nichts schöneres.
 
Mein Wirken beginnt mit meinen Gedanken. Je reiner meine Gedanken sind, desto besser kann ich Gutes bewirken. Kein Leben, sollte lebendig begraben und unter den Füßen liegen. Das Leben, mein Leben entsteht immer wieder neu. Neuerdings schon früh am Morgen, bereits in meinen Träumen.
 
Ich schreibe, ich teile, Gedanken, ein immer währendes Gut, nicht nur für mich, nicht für all jene, die aus meinem Regal gefallen sind, die leider schlecht denkend, böse auf ihr Umfeld wirkend, verfault und nach Moder riechend, heute noch vor sich her siechend, ihren Tod mit Nelkenwasser beträufeln, so dass nur für wirklich feine Nasen, der irritierende Geruch der Verwesung wahrnehmbar ist.

In meinem Kopf läuten die Glocken, nicht weil ich in dieser Stadt meiner Wahl lebe, durch und durch getränkt vom Glauben. Es läuten die Glocken, gegossen vom Glockenmeister hoch im Turme. Diese wahrhaft himmlischen Töne sind nur für mich bestimmt. Ich bin froh und dankbar es wahrnehmen zu dürfen, denn ich bin froh und wirklich sehr dankbar heute noch leben zu dürfen.
 
Ich freue mich über den Tag, ich freue mich und blicke rüber zu meiner Plattensammlung und freue mich über den Sound meines Lebens.








Montag, 24. April 2017

Sonntag, 23. April 2017

Essen (1)




Schon immer sehnte ich mich nach dem Ruhrgebiet, dem Kohlenstaub, wollte vor allem in Essen, Bochum, […] und sonst wo sein. Zeche Zollverein, die Atmosphäre und die wunderbaren Häuserreihen, Mietwohnungen in den Arbeitervierteln, irgendwie wollte ich schon so lange einmal dort verweilen, denn es sollte nicht nur beim Traum aus Kohlenstaub bleiben.
 
Als es dann endlich so weit war, sträubte ich mich innerlich dagegen. All die Jahre wollte ich so gerne, doch dann, paradoxerweise, wollte ich plötzlich doch nicht mehr.

Damals war ich ein Abenteurer. Es waren die Abenteuer des „Issi Mc Fly“, ich wollte dort verweilen, sehnte mich nach dem Pott, den ich doch gar nicht kannte. So lange, lange Zeit, sehnte ich mich nach etwas, was es nicht gibt und noch nie gegeben hat. Der Kohleabbau, war für mich über zwei Jahrzehnte lang nur ein Sinnbild gewesen. Stets wollte ich daran teilhaben, wollte mich ganz intensiv mit dem dreckigen Geschäft befassen um mich daran zu bereichern.

Jahre hat es gedauert, wirklich viele Jahre, bis ich nun endlich an der dreckverkrusteten Oberfläche kratzen durfte, um nicht sonderlich erstaunt festzustellen, dass unter dem Dreck noch mehr Dreck ist.
 
Der Dreck ist nun sogar in meinem Kopf, so dass ich froh darüber sein kann. Ich bin sehr froh, hier an dieser Stelle, diese Ausdrucksform für mich entdeckt zu haben, um mit den Einflüssen, den Themen die mich verfolgen, mich scheinbar nie wieder loslassen werden, so eindringlich zu befassen, in Textform. 
Ich vermag meine Gefühle leider nur ansatzweise wiederzugeben. Diese Kunst zu bewerkstelligen, ohne dabei den Satzbau, die deutsche Grammatik aus den Augen zu verlieren, ist schon eine Kunst für sich, für mich. Manchmal ist es zum verzweifeln. 

Doch dies nur am Rande.
 
Drei Tage, wirklich nur drei Tage in dieser einen riesen Zeche, ich überspanne den Bogen, ganz Essen ist eine einzige, angsteinflößende riesen Zeche. Essen, ist nur eine von den Städten, ausgeschildert auf den Schildern, auf der Autobahn meiner „Stürmer und Drängler-Zeit“. Städte, die auf meiner alten Strecke Richtung Venlo, in den Niederlanden lagen. Von Venlo aus ging es weiter landeinwärts. Meine Reisen waren schön. Ich verweilte sehr gerne in einem scheinbar verschlafenen Dörfchen mit weltoffenen Menschen die einen sehr respektvollen Umgang zu einander pflegten.
 
Friedlich und phänomenal freundschaftlich.
 
Über zwei Jahrzehnte, ohne von mir beachtet zu werden, nur mal so im Vorbeifahren, höchstens mal einen Döner in Essen-Kray, aber dann auch schleunigst weiter. Irgendwie hatte ich es immer eilig ganz schnell wieder wegzukommen.

Ich kenne diese Städte, von damals, zeitweilig angezogen, von der Ruhrpott-Romantik eingesogen, dem ganz besonderen Antischam verfangen.