Sonntag, 25. Mai 2014

Freitag, 23. Mai 2014

Umgeswitched




Kostenpflichtig-kostenlos. Microsoft Windows XP-Linux Mint. Microsoft Word-Libre Office. Undercut. Scheitel rechts-Scheitel links. Küchenwände bis hinauf zur Decke bespritzt mit Rotweinflecken- Küchenwände bis hinauf zur Decke, weiß, schneeweiß, stark abdeckend, geruchsneutral. Semperit, technologisch anspruchsvolle Winterreifen-Sommerreifen. Stahlfelgen - Alufelgen mit Niederquerschnittsreifen. Citizen Edelstahl aus den frühen 80er Jahren-Casio W50 im zeitlos schönem Plastikgehäuse mit ohne Originalarmband. Verrostetes Stahlgeländer auf dem Balkon-Milchglas mit geschliffener Edelstahlumrandung. Grünverfärbter Belag auf häßlichem Steinboden-unbehandelter Akazienholzboden mit integriertem Barfuß-Wohlfühl-Effekt. Abgenervte Ehefrau-gelassen, entspannte Ehefrau mit Audrey Hepburn Sonnenbrille auf dem Nasenrücken. Arbeitsalltag-Urlaub. Sonnenschein-Regenschauer.Überhitzt und ein auf die Nasenspitze tropfender Schweißtropfen, zerzaustes Haar mit einer langen Haarsträhne mitten im Gesicht-abgekühlt, frisch geduscht, rasiert und die Haare steil frisiert.

  1. Der liebe nette „Onkel Mond“ überlässt müde und zufrieden der lieben netten „Tante Sonne“, die frisch und ausgeruht mir ins Gesicht lächelt, den gerade erst angebrochenen Tag.
  2. Ich schaue meinen Buddha an, spreche ein Dankgebet, ordne meine Gedanken und bereite mich auf etwas außergewöhnlich Gewöhnliches vor.
  3. Ich ziehe mir meine weißen Schuhe an, weiße Schuhe mit schwarzen Schnürsenkeln, und verlasse gut gelaunt das alte Haus mit neuem Anstrich.

Mittwoch, 7. Mai 2014

Kopf-Salat




Nachts hatte er Angst, Angst vor dem Menschen der ihm hätte Trost und Geborgenheit spenden können. In den einsamen Nächten, als er mit dem Rücken zur Wand in seinem Zimmer lag und in sein Kissen weinte, hatte er Angst gehabt.
Jemand so kleines, zerbrechliches zu sein, war in einer stark alkoholisierten Welt der absoluten Ich-Bezogenheit, gewiss nicht immer einfach.

Tagsüber blickte er meist traurig aus dem Fenster.

Er blickte in einen verregneten Tag hinein. Er sah wie die Nachbarskinder auf dem Garagenhof spielten: „Wer hat Angst vorm Schwarzen-Mann? Die, die am lautesten schrien und vor dem „Schwarzen-Mann“ davon liefen: „...Und wenn er kommt? Dann laufen wir!“, fand er am ulkigsten. Denn der „Schwarze-Mann“ kam ja nie. Zumindest hatte er ihn nie zu Gesicht bekommen. „Schade!“ Denn wie gerne hätte er ihn kommen sehen, wie gerne hätte er die anderen Kinder davonlaufen sehen. Weit, weit weg...
Alle Kinder wären weg gewesen und er hätte weiterhin trübsinnig aus dem Fenster geschaut. Er hätte einen leeren Garagenhof gesehen. Ein verlassener Garagenhof mit lauter kleinen Pfützen in die dicke Regentropfen tropften.

Er wusste schon damals, den wahren, den echten „Schwarzen-Mann“ vor dem sich die anderen Kinder fürchteten (oder so taten als würden sie sich fürchten) gab es nicht. Er existierte und existiert wohl möglich noch bis heute, nur in ihren regennassen Köpfen. Sie wussten und wissen wohl möglich noch bis heute nicht, dass der wahre „Schwarze-Mann“ nicht schwarz, sondern erschreckend weiß ist.

In diesem Zusammenhang musste er urplötzlich an eine ulkige Person denken.

Ein Lehrer, genauer noch, ein Mathematiklehrer, es geht auch noch genauer, ein Siegener-Mathematiklehrer, sagte einmal zu ihm: Deine Leistung in diesem Halbjahr hat sehr stark nachgelassen. Einfach desolat, desolat kann ich dazu nur sagen!“ Leicht geknickt verließ er den Klassenraum und dachte sich: Die Laufbahn eines Schülers ist halt nicht so einfach zu berechnen, verläuft halt nicht immer so geradlinig wie sich dass so manch ein Siegerländer-Mathematiklehrer vorstellt.“

Damals, er erinnerte sich, es war an einem regenverhangenen Tag (in Siegen nichts unübliches, denn fast alle Siegener Tage sind regenverhangen), damals setzte er sich auf die Beton-Tischtennisplatte mit Stahlnetz, die mitten auf dem Schulhof stand und blickte in die Pfützen rund um ihn herum. Dort saß er eine ganze Weile im Regen und wünschte sich dass der wahre, der echte Schwarze-Mann, vordem alle Kinder wegliefen, endlich mal kommen würde. Er wünschte sich so sehr, dass er endlich mal kommen würde, um all den ulkigen Menschen um ihn herum einen wahren, einen echt großen Schrecken einzujagen.

Den Gedanken ausgedacht, es regnete noch immer und wahrscheinlich auch noch den ganzen Tag lang, hüpfte er prompt von der Tischtennisplatte runter, sprang durch einige besonders tiefe Pfützen und verließ nicht glücklich, aber auch nicht wirklich traurig den Schulhof eines schäbigen, Siegener Gymnasiums.


Was ist schlimmer als verlieren? Siegen!“