Sonntag, 19. Januar 2014

EDDIE MURPHY feat Snoop Lion aka Snoop Dogg - "REDLIGHT"



Abdriftende Gedanken



Es roch nach Obst, nach Zitrusfrüchten, in seinem Büro, welches er nicht als Büro nutzte, in seinem Hotelzimmer, welches er nicht als Hotelzimmer nutzte, in seiner Klosterzelle, welche er nicht als Klosterzelle nutzte. Er war kein Schreibtischtäter, der nichts anderes kannte als seinen unaufgeräumten Schreibtisch. Er war kein Reisender, der von einem Hotelbett in die nächste Milbenbrut hüpfte. Er war demnach auch kein Mönch, der in völliger Abgeschiedenheit des Nachts allein auf der kalten Fensterbank sitzend, salzige Tränen vergoss. Er war er, denn er war so wie er war. Leicht verwirrt, stets hilfsbereit, mal eindeutig, mal zweideutig und immer sympathisch drein blickend

Das Zimmer am Stadtrand, es war ein Zimmer von 130 Zimmern im Appartement-Haus.

Verteilt auf drei Etagen war sein kleines, angemietetes Zimmer ein überraschend ruhiger Raum, in dem man gut für die Schule und für das Leben lernen konnte. Hier hatte er auf beengten Raum viel Platz für sein ganz persönliches, klitze kleines Rückzugswort geschaffen. Hier konnte er ungestört orientierungssportlich aktiv werden. Hier hatte er viele neue Menschen, in ihren Territorien, viele neue Eindrücke, viele, viele neue Geschichten gehört und selbst miterlebt. So wurde er zum Teil eines verrückten, komplexen Baus, dessen Stil er als abstoßend, gleichzeitig aber als sehr funktionell empfand.

Es war eine Zeit des Aufbruchs.

Es war eine Zeit des Gehens, der rastlosen Schnelllebigkeit. Diese Zeit, die beim näheren Betrachten, schief, an einem wackligen Nagel an der Wand hing, lag nun hinter ihm.

Er roch diesen süßen Zitrusfrüchteduft und er wusste: "Es ist vorbei."

Mit all seinen schönen und erschreckend hässlichen Momenten, war es nun endlich vorbei. Das Jahr der Schlange neigte sich dem Ende zu. Die Schlange hatte großes Unheil angerichtet, sie hatte ihm fast das Leben geraubt, heruntergeschlungen und am Wegesrand wieder ausgeschieden. Und wenn er sich zurück erinnerte, so wusste er, dass ein Ritt auf der Schlange extrem reizend und extrem aufregend war. Ganz, ganz tief im Innern, konnte ein heißer Schlangenritt für einen sehr kurzen Augenblick ein aufflammendes Freudeempfinden sondergleichen wecken. Dieses Erlebnis, er wusste es, war so unvergleichlich schön. Und wenn er sich zurück erinnerte, so wusste er auch, dass dieses Erlebnis keinen Ferien auf dem Ponyhof glich. Es war wie es war, es war gefährlich und eignete sich auch nicht für Kindergeburtstage.

Umso mehr freute er sich auf das bevorstehende Jahr. Er freute sich auf einen ungesattelten Ritt auf dem Pferd. Im bevorstehenden „Jahr des Pferdes“, würde er mit dem Erfahrungsschatz des vergangenen Jahres über rote Blumenfelder der aufgehenden Sonne entgegen reiten. Und würde er unterwegs noch einmal der Schlange begegnen, so würde er mit nur einem Hufschlag des glückbringenden Pferdes, die Schlange töten.  
     


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Er vergaß die Zeit



Er vergaß die Zeit und kam verspätet. Total verschwitzt stand er am Bahngleis 3.

Am Gleis stand er mit einem Strauß verwelkter Blumen, stand dort ganz allein, den Tränen nahe. Er hatte wie so oft in seinem Leben die Zeit vergessen und sich verspätet. Dort stand er eine ganze Weile, verschwitzt, mit schwermütigen Gedanken, die auf seiner tief schwarz gefärbten Seele lasteten. Kühl wehte ihm der Wind ins Gesicht, seine Hände zitterten, seine Muskeln verkrampften sich. Statuengleich stand er frierend am Bahngleis 3 und zündete sich mit der im Wind tanzenden Flamme seines Sturmfeuerzeugs eine todbringende Zigarette an. Rauchend, mit einem Strauß verwelkter Blumen in der Hand, fröstelnd, inhalierend. Er inhalierte den stinkenden, schwer nikotinlastigen Rauch einer zügig herunter brennenden Zigarette, tief, tief in seine Lunge.

Er dachte sich: „Sie ist fort, von dannen."

So war es. Sie war fort, von dannen und in jenem Augenblick ganz weit weg.

Beim Verlassen des Hauptbahnhofs mit ganz besonderem Antischarm, beim Vorbeigehen schmiss er den Blumenstrauß in einen schwarzen Plastiksack, in einen der rein öffentlichen Mülleimer. Beim Vorbeigehen sprach ihn ein Superheld, verkleidet im Pennerkostüm an:

Hey, Junge, haste mal...


Natürlich hatte er, wie so oft, nicht einmal mehr eine müde Mark im Portmanie. Völlig ausgebrannt lief er hastig, den Blick auf den Boden gerichtet, an einem stark alkoholisierten Superhelden vorbei, er lief wie so oft, einfach vorbei.

Verpeilt, ziellos, begleitet von trüben Gedanken, lief er durch die hochfrequentierte Einkaufsstraße. Am Brunnen, direkt vor der Kirche spielten drei kolorierte Roma ein heiteres Tanzlied. Unmittelbar vor ihnen blieb er stehen und zündete sich erneut eine Zigarette an. Rauchend, den grauen Qualm ausstoßend fing er an zu tanzen. Er hüpfte und drehte sich, er drehte sich und hüpfte. Leute blieben stehen, es bildete sich eine Menschentraube. Belustigt, in die Hände klatschend vernahm er sogar ein lautes Kinderlachen und dabei fühlte er sich wie ein alter, alter Tanzbär am Rande, am Rande des Wahnsinns.   



Donnerstag, 16. Januar 2014