Montag, 30. September 2013

Erinnerungen unter der Diskokugel


Photography © Copyright by Kai Schöning/pixelio.de


Nach einem Wochenende unter der Diskokugel erinnert er sich einsam in seiner kleinen Zelle hockend, an einen gemeinsam geträumten Traum. Es waren junge Mädels, waren junge Kerle...

...Manche von ihnen folgten ihm, dem Ruf aus der Ferne. Manchen von ihnen folgte er, dem Flüstern aus nächster Nähe. Sie verabredeten sich über das Telefon im Flur, über das Telefon im Arbeitszimmer und trafen sich bei ihr oder bei ihm. Wo mindestens zwei von ihnen waren, dort war auch er, dem Himmel ganz nah. Gemeinsam genossen sie die Grenzenlosigkeit, genossen die Freiheit. Wahrlich, sie waren frei. Frei von allen Zwängen, gelöst von Raum und Zeit, verweilend in einem gemeinsam geträumten Traum. Sie schwebten schweißnass gebadet hinaus aus dem einen Federbett, weg von der einen Bühne, hinein in das nächste Federbett, ab zu der nächsten Bühne. Manchmal klingelten sie gleich gegenüber, sie gingen gleich nach nebenan und manchmal setzten sie sich einfach in ein PKW und fuhren in ein anderes Land.
Gemeinsam entdeckten sie die Schönheit der Natur, spazierten durch geheime Gärten, liefen barfuß durch den Sand, durch den Schnee und hinterließen dabei keine Spuren. Sie ließen sich von den Musikern jener magischen Zeit verzaubern, sie ließen sich von ihrem Sound beschallen und die Klangwellen drangen durch jede einzelne ihrer geweiteten Poren. Und die Gegenwart wurde zu ihrer Vergangenheit. Und die Zeit veränderte ihr Bewusstsein, welches ihren Blick in die Zukunft maßgeblich prägte.

Heute sind sie gemeinsam stark behaart und leicht übergewichtig. Man sieht sich, man grüßt sich und versteht sich, selbstverständlich ganz ohne Worte. Heute sind sie gemeinsam leicht ergraut und stark gealtert. Manchmal sieht man sich an der einen oder anderen Bar sitzen. Sieht wie der Ein oder Andere an seinem leckeren Cocktail schlürft und gelangweilt mit dem Schirmchen spielt . Manchmal steht man unter all den bunten Lichtern und denkt sich: „Ja gewiss, gewiss dreht sich die Diskokugel in meinem Kopf noch weiter und trotz Tinnitus läuft die Musik mindestens noch genau so laut wie damals. Ja gewiss, gewiss geht noch der Eine oder die Andere barfuß durch den Sand, durch den Schnee...“

Heute, heute jedoch sieht er die Welt aus anderen Augen. Bei dem Ein oder der Anderen sieht er ganz deutliche Spuren. Spuren der Zeit. Ganz deutlich sind sie zu sehen. Es steht in ihren Gesichtern geschrieben, leicht zu lesen, wie ein offenes Buch für all jene, die gerne darin lesen mögen...

Sonntag, 29. September 2013

Donnerstag, 26. September 2013

Aus dem klitze kleinem Kämmerlein (1)

Photography © Copyright by NIKO

Worte fließen wie ein scheinbar spontan erdachter Reim. Worte fließen geschwind über Stock und Stein. Längst vergangene Tage, Tage ohne Sonnenschein, werden ausgewaschen und verblassen. Worte, kantig, spitz und scharf schneiden manchmal tief, tief ins makelloses Fleisch hinein.

Er, in Gedanken versunken, er, allein, ganz allein in seinem Kämmerlein, wagt einen Blick hinaus in die weite Welt hinein. Er, er ganz allein ist schuld ein diesem jämmerlichen Dasein. Nicht dort sein, nein hier sein. Hier ist er nun, hier sitzt er nun  in seinem klitze kleinen Kämmerlein. Ganz allein hockt er über diesem Reim und denkt an sie. Sie, ja nur sie allein, ist die wahre, die einzigst wahre Braut in weit, weit, weiter Ferne. Frohlockend hallt der liebliche Klang ihrer Stimme, noch lang, lang nach seinem Verlassen. Verlassen und allein, gestrandet in seinem Kämmerlein.

Aus dem klitze kleinem Kämmerlein (2)

Photography © Copyright by NIKO

„Verdammt sollst du sein! Welch gehörntes Ungeheuer hat dich mal hier und mal dort geritten?“ Wo doch die Welt dort draußen, du dummer Narr, prall gefüllt voll Freud und wahrer Wonne, die du wirfst so rücksichtslos in die graue Tonne. Nie hast du sie genossen, nie hast du sie liebkost, nie hast du sie geschmeckt, dir die Finger danach abgeleckt. Du kennst sie nicht, doch du sehnst dich so nach ihr. Nach der unvergleichbaren Süße. Sehnst dich nach der einzigartigen Frucht, welche  reif, rot leuchtend, weit, weit, hoch oben über deinem stark verbeultem Haupte thront.

Mittwoch, 25. September 2013

Industriell geprägte Gedanken



Ich schaue aus dem Fenster meines klitze kleinen Kämmerlein und sehne mich nach Farben. Doch meine entzündeten Augen sehen ein rußgefärbtes Industriegebiet. Ich sehe den Herbst unter dem Schornstein der Fabrik. Ich sehe wie grau in grau verschwimmt. Nichts ist geblieben von jener schönen Farbenpracht.

Ich phantasiere, ich kreiere einen bunten Plastik-Blumen-Strauß. Nur in meinen Kopf entsteht Tag ein Tag aus, inspiriert von einem Goldenschein, ein One-Way-Ticket, eine wertvoll Pracht. Zuerst in meinem Kopf, und dann aus meinem schmerzenden Handgelenk heraus. Jedes einzelne Wort schmerzt, meine Finger, sie krümmen sich, doch was schert es mich, solange die Sonne in meinem Herzen lacht. Kein Reim so gut wie jener, kein Wein so gut wie dieser frisch gebrühte Espresso an meiner heiß geliebten Kaffee-Bar. Dazu rauche ich sehr stark und gerne, stinkend, in vollen Zügen inhaliere ich tief den Qualm einer todbringenden Zigarette. Sinkend, sehr stark pathologisch, mein Blutdruck, an diesem, so wie auch am nächsten Tag.