Sonntag, 24. November 2013

Ich gehe durch den Regen



Ich gehe durch den Regen, durch die Kälte, durch die leeren Straßen am Sonntagmorgen. Ich kann mit Stolz und voller Würde sagen: "Dies ist meine Heimat, meine Stadt, hier gehöre ich hin." Ich gehe durch das eine Viertel in das andere Viertel. Vorbei an den geschlossenen Läden, den beschlagenen Schaufenstern. Ich gehe vorbei an dem kurdischen Vereins-Haus, es ist ein Hinterhaus-Kaffee auf der rechten Seite nach dem Kreisverkehr. Direkt gegenüber blicke ich durch einen Türspalt und sehe die Sizilianer Rome, auf filzbespannten Tischen spielen. Nur zwei Straßenblocks weiter, vor einem halben Jahrhundert das Armeleuteviertel, gibt es noch einen niedergelassenen Italiener, die Italienische-Espresso-Bar. Italien ist in dieser regenverhangenen Stadt sehr stark vertreten. Doch nicht zu vergessen, und auf alle Fälle erwähnenswert, sind die Albaner, welche man auch an der Espresso-Bar antrifft. Alle trinken sie Kaffespezialitäten oder schwarzen Tee aus der Kanne. Alle spielen sie Karten, starren auf den verdammt großen Bildschirm an der einen oder der anderen Wand. Alle rauchen sie draußen ihre Zigarren oder Zigaretten, und ich, bin zeitweilen mitten drin.



Wenn ich weiter stadteinwärts in südlicher Richtung unterwegs bin, dann sehe ich ein riesiges, imaginäres Schild, auf dem steht in großen roten Buchstaben: "Willkommen im türkischen Viertel." Es beginnt direkt nach der Unterführung, gegenüber der neuen Synagoge. Sportverein, Teehaus, Dönerladen, Frisör, Wettbüro und Spielhölle, was will Mann mehr?
Viele, viele Männer mit Oberlippenbärten, das Teeglas in der linken, und die Kippe in der rechten Hand, manchmal auch umgekehrt. Ich schaue starr nach vorn und lausche den Gesprächsfetzen. Wenn ich es eilig habe und ihren neugieren Blicken ausweiche, dann mache ich mir einen Spaß daraus und bilde kleine Geschichten in deutscher Sprache aus all den türkischen Gesprächsfetzen die mein überreiztes Gehirn fluten.
Dann schmunzle ich, grinse auch manchmal und gehe einfach gut gelaunt an ihnen vorbei.
Ganz ehrlich, ich bevorzuge, wie bereits erwähnt, die italienische Espresso-Bar. Das türkische Viertel ist vielleicht auch ganz nett und nicht minder schmuddelig, doch mein Viertel ist es nicht.
Mir geht es durch den Kopf, hinunter in den Magen und ich kann es einfach nicht haben an ein und der selben Straßenecke zu verweilen. Die Zerstreuung meiner Gedanken ist von großer Bedeutung. Meine Gedanken sind frei und sie fließen durch die Straßen. Bloß keine Stauung, ein Fluss muss entstehen, denn sonst stinke ich nach sehr stark konzentriertem Urin.

Deshalb scheiße ich wie alle anderen auch, in jedem Viertel meiner Stadt. Heute bin ich hier und morgen bin ich da, übermorgen bin ich vielleicht ganz wo anders.
Ich gehe durch den Regen, durch die Kälte, durch die leeren Straßen am Sonntagmorgen. Ich grüße den, den und vielleicht grüße ich auch dich, mit einer kurzen Handbewegung oder einem kaum wahrnehmbaren Kopfnicken, vielleicht grüße ich dich aber auch nicht. Vielleicht befinde ich mich gerade dann in einem dahinfließenden Gedankenfluss und gehe einfach gut gelaunt an dir vorbei.


Montag, 11. November 2013

Kommen und Gehen (1)


Ich bin hier und dort. Bin mal dort und mal hier.

Was ändert sich?

Die Tastaturen, die Bildschirme und auch die Texte ändern sich.

Und wer oder was bleibt?

Was bleibt? Was bleibt, bin ich. Ich und das Schreiben. Schreiben in jeder nur erdenklichen Lebenssituation. Denken und schreiben. Wenig öffentlich, ganz viel Text entsteht im Stillen, im stillen, stillen Kämmerlein. Abgespeichert, ausgedruckt und manches wird auch wieder verworfen.

Ich schreibe nicht für sie, nicht für ihn, nur für mich. Schreiben und denken. Denken und Schreiben, am liebsten stundenlang. Viel lieber würde ich nicht so viel reden, viel lieber würde ich einfach nur schweigen um konzentrierter, viel besser zu Schreiben.
Schweigen um besser zu Schreiben.

Nie wieder reden, nur noch Schreiben. Aus einer Wunschvorstellung könnte ganz schnell ein Alpdruck sondergleichen entstehen. Ich blicke in den Spiegel und sehe mich. Sehe mich mit zugenähten Lippen und aufgerissenen Augen.

Puff!! Peng, Zischhhh!! Aus der Traum!

Grauer, nach Schießpulver riechender, dichter Qualm hängt in der Luft. Aus der Traum! Der Traum vom feinen Schweigen, vom freien Schreiben.
Verbliebene Kräfte sparen. Platz schaffen, einen alten Raum für neue, ganz frische Gedanken schaffen.

Ersinnst du dich? Weißt du noch wo der Schlüssel liegt? 

Nimm den verrosteten Schlüssel für das alte Vorhängeschloss und gehe die steilen Stufen, die Treppe hinunter. Öffne die knatschende Holztür deines kleinen Depots. Es steht seit Jahren voll mit Müll. Einst mal war dieser dunkle Raum ein sonnendurchflutetes Zimmer. Es war ein schöner Raum. Ersinnst du dich? Heute ist der Raum in Dunkelheit gehüllt. Er riecht muffig  und ist stark zugemüllt. Ungenutzt. Schade, wirklich sehr, sehr schade.

So gerne möchte ich frei sein. Frei, im Sinne von der großen Freiheit.

Kommen und Gehen (2)



Du möchtest gerne frei sein?  

Ich?

Ja, Du!

Jenes Ich, mit der schwarzen Wollmütze (wie sie Hafenarbeiter tragen), mit den schwarzen Halbhandschuhen und einem langen schwarzen Schal um den Hals geschwungen, er betritt die Bühne, stellt sich in den Lichtkegel und schreit, und reißt die Türen und die Fenster aus den Angeln. Er schmeißt den Sperrmüll der vergangenen Jahre auf die Straße und denkt sich ganz nebenbei:
„Noch vor einigen Jahren hätte ich es nicht gekonnt. Na hoffentlich überanstrenge ich mich.“

Die Zeit (sie gehört dir) sie ist zu dir gekommen und ist ein Gast von kurzer Dauer.
"Die Tage, Monate und Jahre die mir verbleiben, wer weiß schon genau, wie lang, oder schön, vielleicht extrem anstrengend, oder auch zäh, sehr langatmig, vielleicht doch eher sehr schnell, grenznah, hart am Limit, kurzatmig und für immer und ewig beendet mit vielen kleinen, ganz, ganz stillen, Herzinfarkten, gefolgt dem einen, dem großen Herzversagen, der dich aus den Schuhen, dem Leben reißt."

Was ändert sich?

Jenes Ich, welches auch immer, kam zur Welt, verweilte hier, eilte dort. Jenes Ich hat gelebt und ist verstorben, wirklich geändert hat sich nichts.
Und wer oder was bleibt?

Trauernde. Salzige Tränen vereinen sich mit dem Schmerz und der Schmerz vereint sich mit der Trauer.

Liebe Tante ich werde dich vermissen:

Requiescat in pace.

Sonntag, 13. Oktober 2013

Martin Fietz

Ihsans Reisebericht (4.0)


Jetzt wo ich gelernt habe das türkische Bier zu genießen, jetzt wo ich gelernt habe mir nach jeder Mahlzeit einen qualitativ hochwertigen Kaffee selbst zu kochen, jetzt, könnte ich auch noch länger hier in der Ferne, in der Türkei verweilen. 


Auf der Suche nach meinen türkischen Wurzeln habe ich viele, viele wertvolle Dinge gefunden. Ich habe gesehen und ich habe sogar noch etwas lernen können. Nicht für die Schule, nicht für mein Examen, fürs Leben. Ich weiß, dass beide Länder nicht unterschiedlicher sein können. Es gibt keinen Vergleich für das Leben hier und das Leben dort. Ich jedoch bin nun um eine Erkenntnis reicher. Ich habe für mich erkennen können, habe begriffen warum das Leben in Deutschland so lebenswert für mich ist. Es ist nicht die Politik, es sind nicht die sozialen Absicherungen, es sind nicht die sauberen Straßen und es sind auch nicht die großen blonden Mädchen, von denen hier jeder notgeile Kerl redet.
Es gibt lediglich nur zwei Gründe warum ich mich so sehr nach meiner Geburtsstätte sehne: Meine liebe Frau und mein einzigartiger Sohn. 


Ob ich nun hier bei meiner türkischen Mischpoke lebe, oder dort, spielt im Grunde genommen keine Rolle. Denn das Leben in Deutschland kann mindestens genauso beschissen verlaufen wie das Leben in der Türkei. Natürlich auch umgekehrt. 


Es ist die Liebe, die mich seit meiner Ankunft, jeden Tag daran erinnert hat, wo ich herkomme und wo ich hingehen werde. Sicherlich sind Reisen mit dem Reiseziel Istanbul oder Antalya notwendig. Sicherlich bin ich trotz der verhassten politischen Situation mit samt den erschreckenden Auswirkungen auf das Land und die Menschen sehr, sehr traurig. Die Bilder der notdürftigen Menschen auf den Straßen und in der Familie werden mir ein Leben lang nicht mehr aus dem Kopf gehen.

Ihsans Reisebericht (4.1)



Trotz meiner deutschen Staatsbürgerschaft, trotzdem und vielleicht auch gerade deshalb fühle ich mich gerade in diesem Augenblick wie ein Türke sondergleichen. Ich sehe jedoch auch die krassen Unterschiede- ich sehe sogar noch sehr viel mehr. Jedoch denke ich jetzt etwas differenzierter, denn auch ich muss mein Leben leben, nicht hier, sondern dort. Ich weiß, ich gehöre nicht hierher.


Mit dem goldenen Rückflugticket in der Hand, bleiben mir nicht mehr viele Tage. Ich versöhne mich nun mit mir selber, den Menschen und dem Land. Die letzten, mir verbleibenden Tage werde ich in vollen Zügen genießen.


Aus diesem Grunde beende ich an dieser Stelle meine kleine Serie: 
„Ihsans Reisebericht“.


Eine allzeit gute Reise wünscht Ihsan: "Güle, güle!“

Bob Marley



Samstag, 12. Oktober 2013

Büyük Londra Oteli

Grand Hotel de Londres


In Gedanken gehe ich noch einmal durch dieses uralte Viertel, durch die engen Gassen und verwinkelten Straßen Istanbuls, auf der Suche nach dem „Grand Hotel de Londres“.
Und da stehe ich dann plötzlich und frage ganz höflich ob ich ein paar Fotos für meinen Blog knipsen darf. Wer den Film „Gegen die Wand“ von Fathi Akin kennt, der kennt auch das „Grand Hotel de Londres“. 


Ich sitze gerade hier in Antalya auf dem terrassenartigen Balkon, sitze, schaue in den sternenklaren Himmel bei sommerlichen Temperaturen. Dabei rauche ich meine Filterzigarette und schlürfe ein eiskaltes EFES-MALT aus der Dose. Hier sitze ich nun und empfinde ein Gefühl sondergleichen. Nicht heimweh, eher fernweh kommt diesem Gefühl gleich. 


In Gedanken sitze ich nicht hier sondern dort. Nehme noch einmal Platz auf einem der Hocker an dieser uralten Bar, in dieser uralten Lobby. Und ich rieche den Duft der alten Möbel, und ich rieche den Duft von meinem frisch gebrühten Espresso. 


Eines schönen Tages werde ich zurückfinden, einchecken und in einem der Zimmer in dem schönsten Hotel Istanbuls wohnen. 


Charles Bukowski


Ihsans Reisebericht (3.0)


Nichts ist so wie es auf den ersten Blick scheint. Hier ist die Wirklichkeit verschleiert und verborgen. Hier kriegt man das wofür man zahlt, ätsch, falsch gedacht! Jede dahergelaufene Nase wird nach Belieben unterschiedlich extrem hoch oder ganz besonders tief abgerechnet. Hier ist man umzingelt von einem nimmersatten Wolfsrudel auf der ewigen Jagt. Am Tage sowie in der Nacht lauern sie hinter jeder Ecke. Der "Standard-Tourist" aus nah und fern kriegt von alldem leider gar nichts mit. Dies ist sicherlich von Seitens des Reiseanbieters, sowie vom Reisenden selber genau so erwünscht. Keiner interessiert sich für die alles vernichtende Schräglage des gesamten Landes.  Was schert es mich, was geht es mich an, ich mache hier lediglich nur meinen hart verdienten Jahresurlaub, ich verprasse hier mein Geld nach Belieben wann und wo es mir passt. Ob auf dem Quad, auf einer Tour durchs Inland, ob auf dem Schiff über den versunkenen Städten, oder im klimatisierten Reisebus auf dem Weg zum nächsten Teppichverkauf vom Werk aus. Das Geld, die Scheine flattern im Winde dahin. 

Ihsans Reisebericht (3.1)


Selbst wenn der schuhputzende Junge zwei Staßenecken vom Hotel entfernt einen Preisaufschlag von rund vierhundert Prozent verlangt, ich zahle, selbst wenn ich für eine Fake-Ray-Ben-Sonnenbrille genauso viel wie für das Original ausgebe, ich zahle, obendrauf gebe ich sogar noch Trinkgeld nur um zu zeigen wie gerne ich zahle und am Abend trage ich mein All-In-Bändchen am Handgelenk und schlürfe meinen Cocktail  an der Hotelbar mit perfekter Sicht auf den Pool und den halbnackten Russinnen drum herum.

Freitag, 11. Oktober 2013

Ihsans Reisebericht (3.2)


Noch vor einigen Tagen im historischen Stadtkern von Istanbul, heute unterwegs in den von Touristen überlaufenen Straßen von Antalya.  Ein kurzer Inlandsflug von Istanbul nach Antalya und meine Welt, meine Gedanken zu diesem wundervollen, stark abschreckenden Land, haben sich auf einen Schlag verändert. 

Ihsans Reisebericht (3.3)


Ich schäme mich dafür, mal der türkischen Staatsbürgerschaft zugehörig gewesen zu sein. Dieses wirklich, wirklich schöne Land wird gerade jetzt in diesem Augenblick, fortwährend zerstört. Im großen Stil wird ausgebeutet, geraubt, geplündert und für immer und ewig zerstört.

Zerstörung, wo ich auch hinblicke, Zerstörung, ganz egal wo man sich in der Türkei aufhält.

Ihsans Reisebericht (3.4)



Ich für meinen Teil bin hier um meine Familie zu besuchen. Ich bin hier um für einige Tage abzuschalten. Anfangs fiel es mir auch nicht sonderlich schwer. Viele Besuche standen an, ich hatte gar nicht die Zeit um über die Geschehnisse und den Alltag in Deutschland nachzudenken. Natürlich fehlt mir mein Sohn und meine Frau, aber ansonsten konnte ich richtig gut ausspannen. Doch heute, alle Pflichtbesuche liegen nun hinter mir, heute habe ich die Zeit mir meine Umgebung und alle Menschen in diesem Umfeld näher zu betrachten. Und beim näheren Betrachten fällt mir ganz besonders auf, wie stark sich hier alles ums Geld dreht.

Ihsans Reisebericht (3.5)


Ein Jeder versucht dem Anderen Geld aus der Tasche zu entlocken. Verdammt nervig, wenn man keine Lust hat ständig übers Ohr gehauen zu werden. Verdammt anstrengend wenn man einfach nur mit den Händen in der Tasche durch die Altstadt spazieren will. Und zudem ganzen Getue um des stinkenden Geldes wegen, kommt dann noch die Betonisierung einer einst mal so wundervollen und schutzwürdigen Naturlandschaft. Desweiteren rollt der stetig steigende Verkehr nonstop über den Asphalt. Manchmal denke ich, ganz egal wo man hinschaut, ganz egal wie arm der Großteil der Einwohnen in diesem Land ist, es fahren mehr Autos auf den Straßen herum, als Menschen auf dem Bordstein gehen. Zugegeben, auf dem hier geposteten Foto ist davon nicht viel zu sehen.  

Ihsans Reisebericht (3.6)



Um auf den Punkt zu kommen. So schön es früher einmal war, so schön die Kindheitserinnerung auch heute noch sind, es betrübt mich sehr, doch es ist so wie es ist, die Türkei geht vor die Hunde! 

Montag, 7. Oktober 2013

Ihsans Reıseberıcht (2.0)

Oh du meın gelıebtes Krähennest, bıst meın Freund ın dıeser schweren Stunde, hörst mır zu, bıst hıer für mıch ım Jungel der Grossstadt.
Zurückgezogen, sıtzend auf der Bettkannte quäle ıch mıch, mühe mıch ab mıt der türkıschen Tastatur. Lärm um mıch herum. Laute Stımmen, kreıschende Sırenen, nıe verstummender Verkehrsälrm, ın eıner nıemals ruhenden Stadt, eıne aggressıve Romanze sondergleıchen.
Verdammt sollst du seın, Stadt der 1001 Gesıchter. So trügerısch schön ıst deın Antlıtz, selbst ıch bın geblendet beı deınem Anblıck. Tagtäglıch tappen all dıe armen Seelen ın deıne Fallen. Tagtäglıch verenden sıe qualvoll ın ıhrem eıgenen Blut, sınd eıngekotet und ın ıhren Haaren hängt grobkörnıg Erbrochenes. Du bıst erbarmungslos, sıtzt eınfach nur da ın deınem bequemen Kınosessel und schaust zu. Du bıst erbarmungslos, schaust weg und gehst eınfach an ıhnen vorbeı, während sıe ahnungslos, torkelnd durch dıe Strassen ın deıne Fallen tappen. Du, du spıelst von morgens ın der Früh bıs spät ın dıe Nacht, ın den nächsten Tag hıneın, mıt Menschenleben wıe eın Falschspıeler am Tısch mıt gezınkten Würfeln oder falschen Karten.


Ihsans Reıseberıcht ( 2.1)




Was ıst so besonders an dır, warum kommen sıe ın Scharen und können dıch nıcht mehr verlassen?
Sıe kommen, sıe kommen über das Wasser und über das Land. Sıe kommen, sıe kommen aus allen Herrenländern, flıegen ıhre schwerlastıgen Körper ın den dıcken Bäuchen der Stahlvögel umher, um zu landen auf deınem verseuchtem Boden. Sıe, zu denen auch ıch mıch zähle, somıt wır, sınd von deıner Schönheıt geblendet.
Sobald dıe ersten Sonnenstrahlen über den Dächern der maroden Häuser aufgeht, sobald dıe müden, dreckverkrusteten Strassenkatzen sıch nach eıner langen Nacht ın dıe Sonne, auf eınen umgekıppten Grabsteın legen, gehen vıele, vıele Menschen vor dıe Tür, den Schlaf noch ın den Augen. Sıe zıehen sıch den Reıssverschluss ıhrer Jacken bıs zum Kragen hoch, setzen ıhre Sonnenbrıllen auf und blıcken ın deın wunderschönes Gesıcht.
Sıe, ob arm, ob reıch, fühlen sıch ausserordentlıch stark von dır angezogen. Sıe fühlen sıch wıe frısch verlıebt.
Deın wunderschöner Anblıck- Deıne Magıe ıst allgegenwärtıg und nıcht ın Worte zu fassen. Aufs Neue, Neue und ımmer wıeder Neue wırd man von dır geboren- ausgespukt oder hıngeschıssen, und genau ın dıesem Moment fühlt man sıch nackt und verletzlıch, neın man fühlt sıch wıe der glücklıchste Mensch auf Erden.



Sonntag, 6. Oktober 2013

Ihsans Reısebrıcht (1)

 

 
Nur kurz, auf dıe Schnelle, aus eıner Stadt dıe schneller nıcht seın könnte, aus Istanbul. Wunderschön, und schrecklıch abstossend zugleıch. Ach übrıgens dıe türkısch-style Tastatur auf der ıch tıppen muss, ıst eıne Herausvorderung sondergleıchen. Mehr Text, mehr Gedanken zu meıner Reıse gıbt es spaeter...

Freitag, 4. Oktober 2013

Montag, 30. September 2013

Erinnerungen unter der Diskokugel


Photography © Copyright by Kai Schöning/pixelio.de


Nach einem Wochenende unter der Diskokugel erinnert er sich einsam in seiner kleinen Zelle hockend, an einen gemeinsam geträumten Traum. Es waren junge Mädels, waren junge Kerle...

...Manche von ihnen folgten ihm, dem Ruf aus der Ferne. Manchen von ihnen folgte er, dem Flüstern aus nächster Nähe. Sie verabredeten sich über das Telefon im Flur, über das Telefon im Arbeitszimmer und trafen sich bei ihr oder bei ihm. Wo mindestens zwei von ihnen waren, dort war auch er, dem Himmel ganz nah. Gemeinsam genossen sie die Grenzenlosigkeit, genossen die Freiheit. Wahrlich, sie waren frei. Frei von allen Zwängen, gelöst von Raum und Zeit, verweilend in einem gemeinsam geträumten Traum. Sie schwebten schweißnass gebadet hinaus aus dem einen Federbett, weg von der einen Bühne, hinein in das nächste Federbett, ab zu der nächsten Bühne. Manchmal klingelten sie gleich gegenüber, sie gingen gleich nach nebenan und manchmal setzten sie sich einfach in ein PKW und fuhren in ein anderes Land.
Gemeinsam entdeckten sie die Schönheit der Natur, spazierten durch geheime Gärten, liefen barfuß durch den Sand, durch den Schnee und hinterließen dabei keine Spuren. Sie ließen sich von den Musikern jener magischen Zeit verzaubern, sie ließen sich von ihrem Sound beschallen und die Klangwellen drangen durch jede einzelne ihrer geweiteten Poren. Und die Gegenwart wurde zu ihrer Vergangenheit. Und die Zeit veränderte ihr Bewusstsein, welches ihren Blick in die Zukunft maßgeblich prägte.

Heute sind sie gemeinsam stark behaart und leicht übergewichtig. Man sieht sich, man grüßt sich und versteht sich, selbstverständlich ganz ohne Worte. Heute sind sie gemeinsam leicht ergraut und stark gealtert. Manchmal sieht man sich an der einen oder anderen Bar sitzen. Sieht wie der Ein oder Andere an seinem leckeren Cocktail schlürft und gelangweilt mit dem Schirmchen spielt . Manchmal steht man unter all den bunten Lichtern und denkt sich: „Ja gewiss, gewiss dreht sich die Diskokugel in meinem Kopf noch weiter und trotz Tinnitus läuft die Musik mindestens noch genau so laut wie damals. Ja gewiss, gewiss geht noch der Eine oder die Andere barfuß durch den Sand, durch den Schnee...“

Heute, heute jedoch sieht er die Welt aus anderen Augen. Bei dem Ein oder der Anderen sieht er ganz deutliche Spuren. Spuren der Zeit. Ganz deutlich sind sie zu sehen. Es steht in ihren Gesichtern geschrieben, leicht zu lesen, wie ein offenes Buch für all jene, die gerne darin lesen mögen...

Sonntag, 29. September 2013

Donnerstag, 26. September 2013

Aus dem klitze kleinem Kämmerlein (1)

Photography © Copyright by NIKO

Worte fließen wie ein scheinbar spontan erdachter Reim. Worte fließen geschwind über Stock und Stein. Längst vergangene Tage, Tage ohne Sonnenschein, werden ausgewaschen und verblassen. Worte, kantig, spitz und scharf schneiden manchmal tief, tief ins makelloses Fleisch hinein.

Er, in Gedanken versunken, er, allein, ganz allein in seinem Kämmerlein, wagt einen Blick hinaus in die weite Welt hinein. Er, er ganz allein ist schuld ein diesem jämmerlichen Dasein. Nicht dort sein, nein hier sein. Hier ist er nun, hier sitzt er nun  in seinem klitze kleinen Kämmerlein. Ganz allein hockt er über diesem Reim und denkt an sie. Sie, ja nur sie allein, ist die wahre, die einzigst wahre Braut in weit, weit, weiter Ferne. Frohlockend hallt der liebliche Klang ihrer Stimme, noch lang, lang nach seinem Verlassen. Verlassen und allein, gestrandet in seinem Kämmerlein.

Aus dem klitze kleinem Kämmerlein (2)

Photography © Copyright by NIKO

„Verdammt sollst du sein! Welch gehörntes Ungeheuer hat dich mal hier und mal dort geritten?“ Wo doch die Welt dort draußen, du dummer Narr, prall gefüllt voll Freud und wahrer Wonne, die du wirfst so rücksichtslos in die graue Tonne. Nie hast du sie genossen, nie hast du sie liebkost, nie hast du sie geschmeckt, dir die Finger danach abgeleckt. Du kennst sie nicht, doch du sehnst dich so nach ihr. Nach der unvergleichbaren Süße. Sehnst dich nach der einzigartigen Frucht, welche  reif, rot leuchtend, weit, weit, hoch oben über deinem stark verbeultem Haupte thront.

Mittwoch, 25. September 2013

Industriell geprägte Gedanken



Ich schaue aus dem Fenster meines klitze kleinen Kämmerlein und sehne mich nach Farben. Doch meine entzündeten Augen sehen ein rußgefärbtes Industriegebiet. Ich sehe den Herbst unter dem Schornstein der Fabrik. Ich sehe wie grau in grau verschwimmt. Nichts ist geblieben von jener schönen Farbenpracht.

Ich phantasiere, ich kreiere einen bunten Plastik-Blumen-Strauß. Nur in meinen Kopf entsteht Tag ein Tag aus, inspiriert von einem Goldenschein, ein One-Way-Ticket, eine wertvoll Pracht. Zuerst in meinem Kopf, und dann aus meinem schmerzenden Handgelenk heraus. Jedes einzelne Wort schmerzt, meine Finger, sie krümmen sich, doch was schert es mich, solange die Sonne in meinem Herzen lacht. Kein Reim so gut wie jener, kein Wein so gut wie dieser frisch gebrühte Espresso an meiner heiß geliebten Kaffee-Bar. Dazu rauche ich sehr stark und gerne, stinkend, in vollen Zügen inhaliere ich tief den Qualm einer todbringenden Zigarette. Sinkend, sehr stark pathologisch, mein Blutdruck, an diesem, so wie auch am nächsten Tag.         

Sonntag, 7. April 2013

Montag, 1. April 2013

Minoş


* 2002  † 30.03.2013


Sie gehörte zu unserem kleinen Schwarm. 

Sie hat uns gelehrt, was es heißt ein Schwarmvogel zu sein. Nach zwei Umzügen von dem einen- in den anderen Stadtteil, nach zwei Nahtoderfahrungen und einer schweren Operation, verbunden mit einer Amputation, hatte sie ein entspanntes Sittigleben mit offenen Türen, ihres pagodenartigen Vogelkäfigs. 

Als ich am Tag ihres Todes rauchend auf dem Balkon stand, sah ich den Schneeflocken zu, wie sie  vom Himmel fielen. Einige jedoch, wurden vom Wind gehalten und wieder zurück gen Himmel getragen. So dachte ich, rauchend, still schweigend: "Lebe wohl, meine kleine Sittigfreundin."  

Donnerstag, 7. März 2013

Schmutzige Schokolade




Ich schau in den Spiegel,
eine Seele,
mitfühlend,
gebrochen,
wie könnt ihr es wagen,
euch über euer Futter in euren Näpfen zu ärgern,
wie könnt ihr es wagen,
euch euer Gewissen mit Etiketten im schönen Design freizukaufen ,
wie könnt ihr es wagen,
nur um des Profit willens wegzuschauen,
wie könnt ihr nur,
meine Seele war rein,
mein Herz wurde zu Stein,
doch ich danke Mutter Natur ,
für die Kraft des Wortes,
ihr zwingt mich sie zu nutzen,
ich kann sie überzeugen,
ihr habt uns gespalten,
ich werde versöhnen,
die Welle die dann über euch kommt wird leider zum Tod meiner Brüder und Schwestern führen ,
doch ich hoffe ,
dann kommt euer umdenken,
und ihr sagt euch in der Zukunft,
wie konnten wir nur !

© by Peschen    


Pavel Turkovski - back in town (10)



(10)


Ohne sich die Mühe zu machen etwas gegen sein Äußeres zu tun, ging er seines Weges. Er war in Schwarz gehüllt. Er trug seinen knielangen Mantel, den er sich bereits seit drei langen Wintern über die Schultern warf. Er ging in dem wohl einzigen, pavelistischen Kleidungsstück durch die überfüllte Einkaufsmeile seiner Exgeliebten-Heimatstadt (Wieso „Exgeliebte-Heimatstadt“, fragen sich wohl einige, die sich die Mühe machen und diesen Text lesen. Hier eine kurze Erklärung: Die Stadt war zu seiner Exgeliebten geworden, nachdem er sie vor langer, langer Zeit verlassen hatte, um  in einer anderen Stadt sein Glück zu finden. Wie unschwer zu erahnen- erfolglos. Damals hatte er gehurt, gesoffen und gelebt, als würde es kein morgen mehr geben. Er hatte die Ersparnisse seiner Eltern schamlos verprasst ( anders gesagt, ein wenig minimiert) und war dann, geknickten Hauptes zurückgekehrt. Diese Geschichte, dies nur noch am Rande, ließe sich fast so schön Erzählen, wie das Gleichnis vom „verlorenem Sohn“. Seither war sie, seine alte Heimatstadt, nur noch die Exgeliebte).

Sein Äußeres betreffend stellte Pavel sich die Frage: „Wieso eigentlich sollte ich mich für meinen drei Uhr Termin herrichten, wo es doch eh nur um einen Job als Gehilfe in einer mehlstaubigen Industriebäckerei geht?!“. Das wirklich Schlimme an der Sache war gar nicht mal die ungesunde Arbeit im Dreischichtbetrieb, in den großen Hallen einer mehlstaubigen Industriebäckerei, nein, wirklich schlimm war die Vorstellung sich für diesen Job versklaven zu lassen.
„Wer verdammt arbeitet schon gerne als moderner Sklave? Niemand, doch leider sehen wir viele, viele Menschen in unserem Land, die es sich leider, leider nicht anders aussuchen können.“ 

Pavel Turkovski - back in town (11)


(11)

Pavel steckte sich eine Zigarette an, ging durch die Kälte und lies seine Gedanken schweifen, als der Wind ihm vom Osten her kommend, um seine großen, fast abgefrorenen Ohren blies. Die überfüllte Einkaufsmeile seiner Exgeliebten-Heimatstadt verblasste bei jedem weiteren Gedankengang. Er ging vorbei an all den Menschen die vor seinen Augen ihre Gestallt veränderten. So tauchte er ein in eine dahinfließende Welt und sah manche von ihnen wie Antilopen über die Steppe rennen, manch andere wie ertrinkende Gnus im tiefen Flussdelta. Allesamt gehetzt und getrieben von einem imaginären Raubtier. In Wirklichkeit trieben und hetzten sich gegenseitig. In Wirklichkeit rannten sie, und rannten vor dem furchteinflößenden Tier davon, sie meinten tatsächlich entkommen zu können. Paradoxerweise wussten sie tief in ihrem Innersten, dass niemals vor sich selber davon laufen können. Sie, zu denen auch Pavel gehörte, waren einer urbanen, chronischen Krankheit unterlegen. Sie, Raubtiere der Gattung Mensch verschmolz vor Pavels Augen, allesamt, zu einer zähflüssigen Masse. 

Pavel Turkovski - back in town (12)


(12)


An Tagen wie diesen fühlte sich Pavel wie ein gepanzerter Welz in einem riesig großen Aquarium. In diesem künstlichen Becken gab es nichts. Kein schönes Panoramaposter mit wundervoller Unterwasserlandschaft an der Rückverglasung, keine Pflanzen, keine Steine und auch keine Höhle als Rückzugsort. Was gab es stattdessen? Dreckiger Kies und algenverschmierte Scheiben, die einem einsamen, gepanzerten Welz, die Sicht nach Außen erschwerten. Zudem kam das leise, monotone Summen der stark verschmutzten Filteranlage, die das Wasser zwar in Bewegung hielt, doch kaum reinigte und gerade mal so viel Sauerstoff erzeugte, dass es zu viel zum sterben und zu wenig für ein etwas bewegteres Leben war.

Vergeben und Vergessen



Wie schön und einfaches es doch wäre zu Vergeben und zu Vergessen.

Ihm fiel es schwer, einfach, zweifach, mehrfach widerfahrene, negative Ereignisse, von Anbeginn der frühsten Kindheit, bis hin zur späten Jugendzeit, zu vergessen. Vergeben stand auf der einen Seite, und Vergessen auf der Anderen. „Vielleicht...“, so dachte er, „...gehört beides irgendwie zusammen.“ Vergeben und Vergessen, zwei Wörter, zusammengehalten oder getrennt? Getrennt oder doch zusammengehalten durch das Wort “und“. Er zumindest wusste, in seinem Kopf, lies sich beides nicht vereinen. Somit waren für ihn alle Erinnerungen verbunden mit einem immer wieder- und wiederkehrendem Seelenschmerz. Manchmal war es heftig wie ein wütender Sturm. Manchmal war es eher wie ein unangenehmer Regenschauer, der gerade dann hernieder prasselte, wenn er wie üblich seinen Regenschirm daheim vergessen hatte.

Er konnte nichts daran ändern.

Es war wie es war. Real und erbarmungslos, so wie die nackte Realität eben nur sein konnte. Was geschehen war, war geschehen. Und Geschehnes musste er akzeptieren. Im Endeffekt spielte es auch keine Rolle mehr, denn er wusste, der letzte Zug war abgefahren. Die Spätvorstellung war zuende.

„Was ist geblieben?“ Ein menschenleerer Bahnhof durch den ein kalte Wind weht. „Was ist geblieben?“ Ein leerer Kinosaal und der Geruch von Popcorn in der Luft.

Mein Engelchen


Mein Engelchen,

ich danke dem Himmel 
dass er Dich mir beschert hat.
Denn Du bist es wert
Dich zu lieben alle Zeit,
bis in Ewigkeit.

© 2013 by: HENNER

Montag, 25. Februar 2013

Pavel Turkovski - Back in town (7)


Pavels Nacht war lang, sehr, sehr lang und schlaflos gewesen. Dementsprechend ging es ihm schlecht, sehr, sehr schlecht. Der Grund für seine schlaflose Nacht war der Termin beim Amt für Arbeit.

Seine Freude auf diesen ersten Tag, dem ersten Tag auf dem hiesigen Arbeitsmarkt, hielt sich dementsprechend in Grenzen. Anders gesagt, er empfand nichts als Frustration und Leere in sich. Nach dem Ende seines Daseins als pathologischer Haribo-Goldbärchen-Fresser, nach dem Ende seines Aufenthalts in der Heilanstalt, kamen ihm wieder die leicht schwermütigen Gedanken von damals. Der heutige Tag, der acht Uhr Termin bei Frau Ichkonntemirihrennamennichtmerken, war eine  nervliche Belastung sondergleichen. Nach seinem Nuttenfrühstück, einem schwarzen Coffee2Go und einer Zigarette, betrat er also mit stinkendem Atem das klaustrophobisch kleine Zimmer im obersten Stockwerk des Arbeitsamtes. Er begrüßte mit leiser Stimme seine Kundenberaterin, und setzte sich auf einen hässlichen braunen Stuhl mit dunkelgrünem Sitzpolster. So wie er da saß, las er das Namensschild vor ihm: Frau Allzeit-Karabulut. 

Pavel Turkovski - back in town (8)


Die Frau mit dem Doppelnamen starrte stur auf ihren Bildschirm und hackte stakkatoartig auf ihrer Tastatur herum. Pavel richtete seinen deprimierten Blick aus dem deprimierend kleinen Fenster zu seiner Linken. Er blickte in graue Wolken, in einen regenverhangen Tag hinein, und gedanklich schweifte er in die Ferne, als er plötzlich in Erklärungsnot geriet, als ihn plötzlich eine unerwartete Frage von Frau Allzeit-Karabulut, wie ein Donnerschlag aus den grauen Wolken riss: „Sind sie geheilt?“ Nach einer langen Pause. „Hier in ihrem Entlassbericht steht, dass sie gesund und somit arbeitsfähig entlassen wurden.“ Völlig übermüdet, unausgeglichen wie er war, fing er erst an zu stottern und zu stammeln, dann erzählte er irgendetwas, teils Zusammenhangloses. Und so geriet er in schnelles Fahrwasser, in einen reißenden Redefluss und er erzählte ohne Unterbrechung viel, viel zu viel, solange, bis sein Mund gänzlich trocken war. Er hatte dieser fremden Frau, mit dem fremdartig klingenden Doppelnamen, irgendetwas erzählt, von dem er die Hälfte schon wieder vergessen hatte. Diese Frau (diesem in neubeamtendeutsch sprechenden Menschen) interessierte Pavels unbefriedigende Antwort in keinsterlei Weise. „Also gut Herr Turkovski, kommen wir nun zu ihren beruflichen Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt. Gleich einige Blocks weiter, Richtung Domplatz, neben Willis Rock-Cafè, wurde vor einigen Wochen eine neue Firma eröffnet. Diese Firma ist nur eine von vielen, hat sich jedoch in nur sehr kurzer Zeit einen wahrlich guten Namen gemacht, sie heißt: Wir-Versklaven-Jeden.“

Pavel Turkovski - back in town (9)


Pavel musste schlucken. „Herr Turkovski, sie haben keine abgeschlossene Berufsausbildung, wir können ihnen zur Zeit leider keine Weiterbildungsmaßnahme anbieten, und ihren Anspruch auf eine volle Leistung müssen wir ihnen leider auch sehr stark kürzen. Nachlesen können sie dies übrigens auf folgendem Ausdruck.“ Die Frau mit Doppelnamen schob ihm ein bedrucktes Blatt Papier über den riesigen Schreibtisch in dem klaustrophobisch kleinen Zimmer. „Soweit wir wissen, ist bei ihnen eine Mehlstauballergie nicht bekannt, somit können sie die gesuchte Stelle, vermittelt über die renommierte Firma: Wir-Versklaven-Jeden, als Helfer in einer Industriebäckerei, gesucht ab sofort, auch sofort besetzten. Ihr Termin...“ Sie schob ihm ein weiteres Blatt Papier über die scheinbar frisch polierte Tischplatte. „...bei Herrn Blutsauger ist heute Nachmittag um drei. Bitte erscheinen sie pünktlich und in angemessener Kleidung. Auf nie mehr Wiedersehen und einen arbeitsreichen Tag. Wenn ich sie bitten darf, schicken sie mir beim Rausgehen doch bitte den nächsten Kunden rein.“ Pavel sah bedrückt auf die Blätter die er zwischen Daumen und Zeigefinger beider Hände hielt. Er blickte der Frau hinter dem Schreibtisch in die stahlblauen Augen und fragte: „Bevor ich mich auf den Weg mache, noch eine Frage. Welche Bedeutung hat der Name Karabulut, in ihrem Doppelnamen?“ Die Kundenberaterin kniff ihre Augen zusammen und antwortete: „Dunkle Wolken.“ Pavel wich verstört ihrem Blick aus und verließ mit gesenktem Haupt das Zimmer. Die Türklinke noch in der Hand sah Pavel einen ausgemergelten Mann mit Dreitatgebart, in schwarzer Lederjacke auf einen der abgenutzten Stühle sitzen.  Er nickte still schweigend über seine Schulter in Richtung klaustrophobisch kleines Arbeitszimmer, und dachte: „Allzeit-Dunkle-Wolken.“   

Sonntag, 24. Februar 2013

Rocksteady - The Roots of Reggae

Das Telefonat


Vor dem Telefonat. Melancholisch klingende Opernmusik, wirklich wunderschön. Eine Frauenstimme singt in fast allen Tonlagen ein Lied von der Einsamkeit im dunklen Walde. Sie singt vom kalten Wind der sie umgibt. Das Lied bricht abrupt ab und das Telefonat, geführt in Bochum, zwischen Heinz und Renate beginnt. Es beginnt mittendrin:

Dat lohnt sich nicht. Da lege ich auch keinen Wert drauf. Nö, Nö, Nö. Die haben wohl viel Geld, aber sind einfach zu doof. Ja genau. Ich glaub die haben auch keine Kinder, ne? Äh, weiß ich nicht. Ich glaube nicht. Der Heinrich, der hat ja seinen Reichtum, dat was er hat, durch seinen Vater. Ja, der Heinrich. LKWs und so ne? Der Heinrich hat alles mit viel Fieberrei als Verfolgter geschafft. Ja, ja. Ja, ich weiß dat. Und dann hat er den Autobus gehabt, und dann hat er die Frau kennen gelernt und der olle Graf, dat ist ja der Vater von ihr. Ja, ja, die machen ja mit Graf. Sie ist ja geborene Graf.  Ja genau. Und jetzt steht er da als König unter Kuratel. Der olle Graf bestimmt was geschieht. Genau. Den Eindruck habe ich auch. Sie ist nämlich auch so bestimmend, weißt de. Der hat auch nichts bei ihr zu sagen. Ach wat, wenn er was will, dann muss er erst fragen. Aber ganz höflich, weißt de.

Du ich war heute den ganzen Nachmittag unterwegs. Renate, ich hab schon versucht dich anzurufen und es war immer besetzt. Da hab ich der Mutti dat gerade so erzählt. Ah so. Ich habe gedacht: „Die arme Renate, was die sich da wieder...“ Ja ne, ich war so um kurz nach sieben hier. Ja. Wir waren um zwei Uhr schon gefahren. Kurz nach sieben war ich erst hier. Da habe ich es natürlich erst der Mutti berichtet. Ja, ist ganz klar. Also wir haben einen sehr schönen Sarg genommen. Ja. Und haben den von innen auch so ausgestattet. Ja. Und mit einem Kreuzchen drauf. Ist der denn von hier? Nein, der kommt erst Montagmorgen. Ah ja. Dat hat ja noch Zeit. Weil dat noch alles in Lippstadt gemacht werden muss. Ah ha. Ach so, die wird in Lippstadt eingesargt und dann kommt sie erst hier her? Vor allen Dingen durchs Standesamt, läuft dat erst in Lippstadt. Ach so, ja? Sie muss erst dort oben abgemeldet werden, da sie ja dort oben verstorben ist. Ach ja, sie war hier ja gar nicht mehr angemeldet. Doch. Der Tante Elli die Wohnung war zwar hier schon aufgelöst, aber sie war ja nicht abgemeldet. Ne, also dat war jetzt noch der Unterschied. Ah so. Sie ist hier noch gemeldet. Aber sie ist ja in Eikelborn verstorben, und darum muss dat jetzt dat Standesamt in Lippstadt machen.

Du hör mal Renate, dat mit dem Sterbegeld von der äh, äh, Versorgung, nee. Ich glaub, da gibt’s gar nichts. Ne? Weil dat häusliche Gemeinschafts-Voraussetzung ist. Ah so. Ja, und dann ist es wohl noch so, dat erst noch alles Andere angerechnet wird. Ja, und wenn dann noch etwas übrig bleibt, dann kann evtl. was... . Aber trotzdem versuchen können wir es ja. Wir haben es da gelassen. Hä? Wir haben die ganzen Akten noch gekriegt. Habt ihr die Akten gekriegt?  Die Versorgerinn, die ist heute Mittag noch zum Berthus-Hof gekommen, zu Herta, hat... Mhh, mhh ...uns die ganzen Klamotten gegeben. Also wir haben das Aktenzeichen vom Versorgungsamt. Habt’da alles? Ja, von der AOK allerdings nicht. Aber da sind wir... Ja, ja brauchst du ja nicht. Von der AOK brauchst du ja nur Geburtsdatum, Vor- und Zunamen. Ja, ja, dat macht er ja jetzt alles. Hör mal, dann pass auf, noch was. Hör mal, wenn der dat macht, ne, dann soll er ein paar Sterbeurkunden mehr bestellen. Habe ich schon. Ich hab gleich zehn Stück bestellt. Ja dann hast du dat ja gut gemacht. Habe ich nee? Gut, ja wunderbar.

Ich habe schon gedacht, wenn da auf uns wat zukommt, dat habe ich mir sofort schon gedacht. Ja- ja, ja. Dann sind wir hinterher nämlich die Gelackmeierten. Ja, ja. Und dann müsste man immer wieder Auszüge von Lippstadt anfordern. Ganz genau. Und dat ist ein Umstand. Hör mal, dann lass lieber noch ein paar mehr machen. Du weißt ja nicht wofür dat alles noch notwendig sein wird. Ja, dat kann ich ihm dann ja noch sagen. Ja, ja. Dat macht er dann auch. Denn er konnte heute am Friedhofsamt ja gar nichts mehr erreichen. Überhaupt nichts? Es ist wohl durchaus möglich, doch er sagte da konnte er sich jetzt nicht festlegen. Entweder kommt sie zum Blumenfriedhof, oder nach Grumme. Ja, dat ist gut. Ja dat habe ich auch gedacht, dat ist ja nicht so wild. Ne, ne. Ich meine er will den Blumenfriedhof vorziehen. Ja, ja. Aber wenn es eben nicht geht, dann geht es nicht. Ähe, ähe. Und mit der Beerdigung, die wird höchstwahrscheinlich Mittwoch sein. Mittwoch? Ja. Ohh Mann, oh Mann. Dann muss ich dem wohl absagen. Ja gut. Mittwoch habe ich nämlichen einen Termin. Heinz warte erst mal noch ab. Ja. Morgen Mittag weiß ich näheres. Weil er sich morgen erst mit dem Friedhofsamt in Verbindung setzt. Weißt du? Morgen? Ja, da war heute nichts mehr zu machen. Ja. Ab morgen um dreizehn Uhr wissen wir mehr. Ja. Wie dat ist, und wann die Beerdigung sein wird. Dann sag ich dir auf jeden Fall bescheid.

Hör mal, willst du denn noch Totenbriefe verschicken? Hab ich schon alles bestellt. Du, ähm, was ich noch sagen wollte. Ähh, der Wolfgang Kassel, hast du dem auch bescheid gesagt? Ja, der weiß auch bescheid. Renate du denkst aber auch an alles. Der Wolfgang weiß bescheid, die Hermes und die Roswitha wissen bescheid. Die Wortmann, die ist nicht da, die ist bei der Christa. Ja. Aber die Anna weiß auch schon bescheid. Ja... Hör mal dann kann die Wortmann auch bei der Christa bleiben, dann brauch die nicht erst zu kommen. Ja, eben. Weil, ist ja auch für sie eine Strapaze. Ja genau, die kann ja nun auch nicht mehr so richtig. Ach wat, und die Christa, die kann dann auch da bleiben. Die wird auch nicht kommen, dat glaube ich nicht. Und wie ist es mit der..., mit der..., ach warte mal... Meinst du Ruth? Ja. Ruth, die ist auch noch da. Ruth weiß auch bescheid? Ne, die, die kriegt einen Brief du. Ja schön, die kriegt’n Brief. Ich weiß nicht ob die Hertha sie anruft? Ich seh sie ja gar nicht. Ich kenn sie wohl, aber ich bin wer weiß wie lange nicht mehr da gewesen. Die Hertha, die hat glaube ich doch ein bisschen mehr Kontakt zu ihr. Wie ist dat mit der..., mit der..., wie heißt die noch... . Schröder? Die Erna, ne die Resi ne?. Ja, ja. Die dürfen wir nicht vergessen. Ja, ja. Die Resi ist auch immer lieb gewesen. Ja, ja. Habe nämlich schon alles aufgeschrieben. Ich schreib hier schon die Umschläge. Die habe ich hier. Die mache ich jetzt gleich fertig, und die Totenbriefe, die kriegen wir ja auch erst Montag ne.

Du hör mal, und dann ist da doch noch die, die Frau von dem Wilhelm. Wat ist mit der?  Die Anna Rupieteer. Ja. Ja solln wa? Ja. Die gehört ja auch dazu. Ja. Ich weiß aber nicht wo die wohnt. Wohnt die nicht Hohestraße? Weiß ich nicht. Ich hab keine Ahnung wo die wohnt. Und dann ist da ja noch der Horst, ne? Ja, weiß ich nicht. Ich habe von Dortmund gar kein Telefonbuch. Ja, ich auch nicht. Och, ist doch auch egal. Muss ich mal gucken. Ich schreib es mir auf jeden Fall auf. Nicht dat die übergangen werden. Warte mal, ich habe hier ein Notizbuch, ich schreib es mir mal auf und gehe die Liste kurz mit dir durch, dann kannste mir sagen ob ich noch wat vergessen hab. Mhhm. Ich hab..., Ich hab aufgeschrieben: Heinz Rupieteer, Lothar, Roswitha, Klara, Karin,  Manfred, Tante Ata, die Boning, die Schmidt, unsere Mutter, Uta und Dieter. Resi Schröder und die Hausgemeinschaft wo sie gewohnt hat. Ja. Der Jutta Echtreling schicken wir noch eine, und wen hattest du noch so? Erna und Heinz Rupieteer aus Dortmund. Die leben ja glaube ich nicht mehr zusammen ne? Ja? Ich weiß es nicht. Sind die denn noch verheiratet? Ich meine die Hertha hätte da mal wat gesagt. Ach so. Ja. Die Hertha, die kommt ja noch zur der Mutti rauf... Ja. ...und dann werd ich sie mal fragen. Dann wolln wa noch ma gucken. Wat war denn noch...? Ich habe fünfundzwanzig Karten bestellt. Ach ja, die reichen ja dicke. Mehr ist dat ja nicht.

Ja und Kaffeetrinken machen wir dann auch. Ohh. Willst du dann auch machen ja? Ja sicher. Aber wenn schon, dann richtig. Ja, ja. Dat wär ja auch in ihrem Sinne gewesen. Ja? Ach sicher, dann wird dat Schmäuschen auch gemacht. Ja? Ja, ja. Und wenn wa dann frei nehmen ne? Und, dat ist auch ganz egal, auch wenn sie dann zum Grummefriedhof kommt, denn wir sind ja alle motorisiert ne? Ja sicher. Denn wie willst dat denn anders machen? Ja sicher. Die Hertha kennt den Gärtner von Grumme. Die Hertha kennt auch dort den Wirth aus der Kneipe am Grumme, die kann dat Ganze schön arrangieren. Die kann dat ja machen ne? Und wenn dann ein paar mehr kommen sollten, dann können wa auch ein paar Gedecke mehr machen, als wenn wa dann in einer fremden Kneipe hocken, und in die Röhre schauen. Ja sich. Ja, ist ganz klar. Du hast aber auch alles topp hingekriegt. Weißte, dat alles zu organisieren, aber kennste auch unser Herthachen, ne? Hertha kann dat ja auch, Häää, hä, hä, hä. Häää, hä, hä, hä.

Ja, ja, dat haben wir schon heute alles gut in die Reihe gekriegt. Ja, dann pass mal auf. Ah ja, dann werden wir ja noch über den Nachlass sprechen. Über den Nachlass müssen wir ja noch sprechen. Mhhh, mhh. Weil, ich hätte ja große Lust, große Lust den ganzen Scheiß auszuschlagen, weißt'de. Kein Brass oder so, aber... Ne Heinz, warum denn?! Warum denn?! Dann geht dat Ganze wieder zum Nachlassgericht. Ne Heinz, warum denn?! Dann wären wir ja schön doof. Dat tun wir auch nicht! Irgendwie, ähh, ich meine, ich bin da ja auch nicht wild drauf. Aber, aber es sollen ungefähr zweiundzwanzigtausend Mark da sein. Ja? Ne. Und wenn dat dann alles abgeht. Ich meine Beerdigung und so. Ja? Ich meine dat machen wir alles schön. Ja, ja! Und den Grabstein soll sie auch bekommen. Da werden die ja noch kommen, und dat war ja ihr Wille. Den Kostenvoranschlag den hatte die Fürsorgerinn damals schon eingeholt, vom Grabmetze-Hunnenberg. Mhh, mhh. Und noch keinen Aufpreis gegeben. Ich kann ja auch nicht zu Lebzeiten schon... Ne, dat macht man auch nicht. Macht man auch nicht. Und dann will ich wohl mal hoffen, dat die noch zu ihrem Wort steht, obwohl die ja mit der ganzen Sache nichts mehr zu tun hat. Die, die Fürsorgerinn. Die Fürsorgerinn. Für die ist die ganze Sache schon abgeschlossen. Ja? Ja sicher. Dat sie da noch zu steht ne. Und dat muss ja dann alles von dem Konto, dat geht ja dann alles von dem Konto ab. Ja sicher. Ja, ja. Und dann bleibt auf jeden Fall noch etwas über. Denn die Krankenkasse, die zahlt ja auch. Was ausschlagen, hör mal, da wärst du ja dumm. Ne, warum denn?

Ja, dann pass mal auf. Dann wollte ich wat vorschlagen, für alle Fälle. Dann mach doch, dann bereite doch schon einmal so eine Art Vollmacht vor. Ne Vollmacht. Ja. Dat alle Erben, die da als Erben in Frage kommen... Ja. Dat geht ja gar nicht, die Inge Rupieteer aus Amerika, die ist ja auch noch da. Ja. Die gehört ja auch noch dazu, ne? Ja, ja. Ich weiß nicht wie dat genau läuft. Ach du [...] Aber dat besprechen wir am Besten wenn wir zusammen sitzen. Heinz ich weiß gar nicht genau wie dat läuft. Ja ne, dat kann nämlich hinterher ärger geben. Weißt’de? Jetzt stell dir vor, wir beschließen jetzt, so wie wir da sind...Mhh, mhh. ...und Geld wird aufgeteilt, und alles ne? Ja. Dat einer, von denen die, die nicht da sind, herkommt und sagt: „Damit bin ich nicht einverstanden, gehe zum Nachlassgericht und mache Krieg.“ Ja, ja kann sein. Dann hängste nämlich inne Seile. Ja, dat stimmt. Weißte? Ja, ich meine dieser Umkreis, ich meine Bochum, ja die wissen ja alle bescheid. Ja. Und die haben heute alle gesagt, macht wie ihr meint, ist in Ordnung, und ist auch in unserm Sinne.

Montag, 18. Februar 2013

Die Peitsche 1






Sein Onkel, der älteste Bruder seines Vaters, wurde auf die brutalste Art und Weise von seinem Opa (im Viertel wurde er „der große Ali“ genannt) erzogen, man könnte auch sagen: „Ausgepeitscht.“ Mit Vorlieb fielen die Peitschenhiebe nach einem verlorenen Kartenspiel, bei dem sein Opa auch schon mal ganze Tageseinnahmen verzockte.
Sein Onkel (keine Ahnung wie man ihn im Viertel nannte), nahm sich irgendwann einmal die Peitsche seines Opas (der mittlerweile, versoffen, alt und gebrechlich geworden war) und peitschte damit mit Vorlieb den jüngsten Nachkömmling der Familie aus, seinen Vater.

Die Peitsche 2






Irgendwie muss dann wohl irgendwann sein Vater in den Besitz jenes Familienerbstücks gekommen sein. In frühster Kindheit (quasi die ersten Erinnerungen die er an seinen Vater hatte) sah er mit an, wie sein Erziehungsberechtigter mit Vorlieb seinen, ganze fünf Jahre älteren Bruder, auspeitschte.

Die Peitsche 3





Er konnte sich noch genau an jenen Abend erinnern. Seine Eltern hatten die Wohnung verlassen. Er und sein Bruder waren mutterseelenallein. An diesem Abend wiederholte sich etwas, was man vor langer Zeit hätte unterbrechen, und somit verhindern können.

Sein Bruder kramte die alte Peitsche aus.

Er, war bereits im Schlafanzug und spielte mit seinen bunten Matchbox-Autos auf dem flauschigen Teppich, nahe dem ihn wärmenden Ofen. Langsam richtete er seinen Blick nach oben und sah seinen Bruder, der mit geschwollener Brust und der Peitsche in der Hand vor ihm stand.