Mittwoch, 26. September 2012

Hör auf deinen Bauch



Während er mindestens fünfzehn schokolierte Erdnüsse zerbiss, sprach die sonor-klingende Stimme in seinem rundlich, sich um die Taille windenden Bauch:

„Du isst zu schnell, zu fettig und viel zu viel. Außerdem trinkst du deine eineinhalb Kannen Kaffee (über den Tag verteilt) viel zu stark gesüßt. Gesüßt mit fünf Stücken Würfelzucker aus der gelb-roten Discounter-Kette, die das Stadtbild prägt. Der “Netto“,  nur zwei Blocks weiter, dort wo du bevorzugt einkaufst, ist der Supermarkt in dem man dich kennt und wertschätzt als treuen Kunden. Du bist einer der Kunden, der anstatt seine Beine und Füße zu bewegen, es vorziehst, den schief geparkten, leicht verschrammten Wagen vor der Tür, unnützerweise zu nutzen. 

Du nimmst es in Kauf, immer fetter und fetter zu werden.

Doch wem erzähl ich übersäuerter Narr all dies eigentlich?! Hör du nur weiterhin auf deinen verbrettert, verschalt und einbetonierten Kopf. Du wirst schon sehen was gegen Ende der zweiten Halbzeit, was gegen Ende eines äußerst ungesund gelebten Lebens auf dich zukommen wird.

Abseits von einem gesunden Blutbild, geplagt von diabetischen Symptomen, begleitet von sehr starkem Übergewicht, unrasiert und fern der Heimat, fest verwachsen mit den vor Dreck starrenden Bezügen des durchgelegenen Blümchensofas, wirst du vor dich hin siechen.

Doch mit wem rede ich hier überhaupt, mir hört doch eh keiner zu!“

Er pupste laut, kratzte sich am Hintern während seine Zähne weiterhin dragierte Erdnüsse zermahlten. Er meinte eine leise, leicht meckrige, mickrig klingende Stimme vernommen zu haben. Doch die Fenster waren verschlossen, und außer ihm war sonst kein anderer im Raum.


So stellte er also den Fernseher ein wenig lauter und stopfte sich eine handvoll dragierter Erdnüsse in den Mund.