Sonntag, 8. Januar 2012

Im neuen Jahr (1)



Weihnachten, nicht lange war es her, nahte in großen Schritten. Weihnachten kam in großen Schritten und ging rasch an ihm vorbei. Vorbei war all der Glitzer und all der Glanz.
Draußen goss es wie aus Kübeln, während er saß, bei schwachem Schein am Sekretär. Er grübelte noch immer, sehr stark angestrengt, so wie im vergangenen Jahr, so auch in diesem Jahr.
Das letzte Jahr, es war in Windeseile, orkanartig an ihm vorbei gestürmt. Die große Verantwortung die ihm damals zu Teil wurde, trug er nun voll des Stolzes in das neue Jahr hinein und wünschte ganz nebenbei, allen anwesenden alles Gute und dass all ihre Wünsche in Erfüllung gehen.


Im neuen Jahr (2)


Der Sturm im neuen Jahr hatte seinen Höhepunkt erreicht. Von draußen peitschte laut der Regen gegen die Scheiben. Die Deckel der am Straßenrand stehenden Mülleimer flogen auf und schlugen gegen den dreckverschmierten Korpus der überfüllten Tonnen. Es blitzte und donnerte. Die Laternen am Wegesrand  schwankten sehr stark hin und her, und kamen der Fassade in Altrosa bedrohlich nahe.

Im neuen Jahr (3)



Das neue Jahr, es war nicht mehr und nicht weniger schnell gestartet und folgte nun auf regennassen Pfaden, wie das Jahr zuvor, einem imaginären, leicht verblassten, roten Faden. Die schwerlastigen, schwer lästigen Sorgen klebten nach wie vor  wie ein klebriges Kaugummi unter dem Schuh. Auf einem hellen, grobfasrigen Stoff wurde (selbst bei fahlem Licht) ein eingetrockneter Zahnpastafleck aus längst vergessenen Tagen klar und deutlich sichtbar. Bei diesem Anblick dachte er sich, dass sich eigentlich nichts veränderte hatte.

Im neuen Jahr (4)


Regenverhangene Tage drückten auf ein sonst so außerordentlich glückerfülltes Frohgemüt. Ausgewaschen vom ständig währenden feucht-kalten Sturm, ausgesetzt dem Graupel und dem Hagel, flossen die bunten Farben eines längst vergangenen Sommers den Rinnsal entlang.

Im neuen Jahr (5)


Das neue Jahr, es war nicht mehr, es war nicht mehr ganz so neu. All die guten Vorsätze und Erwartungen bildeten eine verschmutze Pfütze auf einer Straße mit tiefen Fahrrinnen. Ein Ölfilm auf der Wasseroberfläche, welche wirkte wie ein Zerrspiegel, welche spiegelte aus einer weit entfernten Ferne, den grellen, gelben Schein der Peitschenlaterne.

Im neue Jahr (6)


Gebannt im edlen Gewand schaute er in angespannter, erwartungsvoller Haltung schon lange nicht mehr. Ständige, kräftezehrende  Wiederholungen mit der Hoffnung auf eine Veränderung, hatte er schon lange nicht mehr. Er saß nun da, der arme Thor, wippte nicht nach hinten und auch nicht vor, starren Blickes trieb er, dem Regen lauschend, in einem Meer aus Melancholie.