Freitag, 30. September 2011

Ihsanischer Vergleich 2




Zum Schutz gegen die Sonne setzt sich der Hobby-Gärtner einen ausgefransten Strohhut auf und begibt sich zu seinen Zucchini, die er voll des Stolzes aberntet. 

Unvorsichtig, mies gelaunt, mit einem melancholischen Schwergemüt schiebt zeitgleich ein rüpelhafter Supermarktangestellter den mit Obst und Gemüse vollgepackten Palettenwagen durch die engen Gänge des hiesigen Supermarktes. Griesgrämig grummelnd macht er sich daran die eingeschweißten Zucchini auf dem  angewinkelten Gemüsetisch gleich neben den Holland-Gurken zu drapieren.

„ Was aber unterscheidet nun das Gartengemüse und den Garten von dem Gemüse aus dem Supermarkt? “

Der Garten hält sich nicht an Normen und vollendete Formen. Im Garten findet man im Regelfall keine Produkte von A-Z, durchgestylt, eingeschweißt, glänzend unter dem künstlichen Schein einer nicht existierenden Sonne.

Der Garten



Des Gärtners Hobby-Garten bietet der ganzen Familie kiloweise Obst und Gemüse. 

Eine Bank mit schnellem Zugriff auf gesundheitsfördernde Pflanzenstoffe, Vitamine und Mineralstoffe. Das reinste Eldorado für groß und klein, dick und dünn, Feinschmecker und schnell essende „Herunterschlinger“.

Die Zeit, die man in die Aufzucht und die Pflege seines Gartens investiert, wirkt sich langanhaltend und überaus wohltuend auf das Gemüt, den Geist und die Seele aus. Mit der Harke und der Schaufel in der Hand, kann man sich problemlos von dem alltäglichen Wahnsinn distanzieren.
Diese Erfahrung macht manch ein anderer beim Segeln, Angeln, Radfahren oder dem Verfassen von Haiku-Gedichten.

Der Gärtner begibt sich in die Natur, unter dem freien Himmel, dem Schein der Sonne, und gewiss fällt es ihm nicht schwer abzuschalten.
Der schönste Augenblick jedoch ist der, wenn man nach einem langen Sommer, stolz seine Ernte in den Händen hält.

Im Garten duftet es nach faulendem Kompost, dampfendem Humusboden und frischer, natürlicher Gülle vom Bauer Tölle.

Der Garten liefert nicht Termingerecht, er gibt. Von Jahr zu Jahr unterschiedliches Obst und Gemüse. Einzigartig in Form und Farbe, und vor allem im Geschmack!  

Der Supermarkt



Im Supermarkt gibt es keine großen Unterschiede.



Alles ist stets an seinem Platz, immer gleich aussehend unter dem künstlichen Schein einer künstlichen Sonne, die bei manch einem Supermarktangestellten Depressionen auslösen kann.



Wie aus der Retorte, geradewegs aus dem Labor.



Zu groß, zu klein, zu dünn, zu dick, all das wird aussortiert und landet im Abfallcontainer. Obwohl nichts dran ist, der Geschmack im Vergleich gut und die Qualität hochwertig ist. Doch wie heißt es so schön: „Das überreizte, geblendete Auge eines jeden Konsum-Junkies frisst mit!“ Und von dem was sich der Durchnitts-Konsum-Junkie in seinen Kühlschrank packt, schmeißt er dreißíg Prozent in die Tonne. Oftmals auch unausgepackte Ware, die man problemlos noch verzehren könnte.



Um den Kreislauf zu schließen, sollte man eigentlich die weggeworfene, noch verschweißte  Ware am nächsten Tag, schön säuberlich auf dem  angewinkelten Gemüsetisch gleich neben den Holland-Gurken drapieren.
    
       

Mittwoch, 28. September 2011

Gib auf dich acht


Achte auf deine Gedanken,
denn sie werden Worte.
Achte auf deine Worte,
denn sie werden Handlung.
Achte auf deine Handlungen,
denn sie werden Gewohnheit.
Achte auf deine Gewohnheiten,
denn sie werden Charakter.
Achte auf deinen Charakter,
denn er wird dein Schicksal.

Aus dem Talmud

Montag, 26. September 2011

Letzte Woche war Ercan zu Besuch




Wir saßen auf dem Balkon, auf den durchhängenden Bistro-Stühlen von denen bereits Einer kaputt und nun völlig unbrauchbar auf der Halde lag. Ercan und Ich rührten in chronischer Melancholie schwelgend unseren Tee um und starben anschließend den Heldentod eines jeden Türken mit chronischer Diabetes, den Zuckertod...

Charles Bukowski


Kray Twinz - Some Boy Ft. Stush


The Kray Brothers




Sie waren und sind die berüchtigsten und brutalsten Zwillinge der britischen Kriminalgeschichte: Ronnie und Reggie Kray aus dem East End, die in den 60’ern zu den unbestrittenen Herrschern der Londoner Unterwelt aufstiegen. Ihre „Firma“ betrieb illegales Glücksspiel und Erpressung. Ihre Methoden verbreiteten Angst, Terror, Gewalt, und Mord. Doch auf dem Höhepunkt unglaublicher Macht droht das Duo zu zerfallen Während der psychopathische Ronnie mehr und mehr dem Größenwahn verfällt, stürzt Reggie, von harten Schicksalsschlägen gebeutelt, in tiefe Depressionen.

Ein teuflicher Plan soll den Zwillingen helfen, die Krise der Kray-Gang mit einem Schlag zu beenden...  


Hier ein Link für all diejenigen unter Euch, die mehr über die  echten Kray-Zwillinge erfahren möchten:


Book Of The Week



Das verlorene Symbol


 Originalausgabe erschienen 2009 unter dem "Titel The Lost Symbol" 
Ort & Zeit der Handlung: USA / Washington D.C., 1990 - 2009.
Folge 3 der Robert-Langdon-Serie.

Washington, D.C.: In der amerikanischen Hauptstadt liegt ein sorgsam gehütetes Geheimnis verborgen, und ein Mann ist bereit, dafür zu töten. Doch dazu benötigt er die Unterstützung eines Menschen, der ihm freiwillig niemals helfen würde: Robert Langdon, Harvard-Professor und Experte für die Entschlüsselung und Deutung mysteriöser Symbole. Nur ein finsterer Plan ermöglicht es, Robert Langdon in die Geschichte hineinzuziehen. Fortan jagt der Professor über die berühmten Schauplätze der Hauptstadt, doch die wahren Geheimnisse sind in dunklen Kammern, Tempeln und Tunneln verborgen. Orte, die vor ihm kaum jemand betreten hat. Und er jagt nicht nur – er wird selbst zum Gejagten. Denn das Rätsel, das nur er zu lösen vermag, ist für viele Kreise von größter Bedeutung – im Guten wie im Bösen. Zwölf Stunden bleiben Robert Langdon, um seine Aufgabe zu erfüllen. Danach wird die Welt, die wir kennen, eine andere sein.

Samstag, 24. September 2011

Berlin sehen und staunen



Eine Stadt wie keine Andere, eine Stadt die mich wirklich sehr stark beeindruckt hat, eine Stadt in der ich nicht leben könnte.

Falkensee, Kreuzberg, Charlottenburg, Brandenburgertor, Siegessäule, Kurfürstendamm. 


In genau dieser Reihenfolge habe ich lediglich nur einen Bruchteil von Berlin gesehen. Leider fehlte für mehr- schlicht weg die Zeit.


Über den Dächern der Stadt




Eine golden strahlende Sonne bricht durch die Wolken. 

Für einen kurzen Augenblick werden die abgasverseuchten Straßen, der rund um die Uhr pulsierenden Stadt, von einem golden schimmernden Schleier umhüllt. Für einen kurzen Augenblick werden die mit schwarzem Ruß geschminkten Fassaden, der stark gealterten Stadtgesichter, von einem golden schimmernden Schleier umhüllt Für einen kurzen Augenblick schimmern golden die übermüdet drein blickenden Fratzen umherirrender Bordsteinschwalben und blühen auf wie Grazien. 

Und schon im nächsten Augenblick zieht sich der Himmel wieder zu und was bleibt sind schlierenartige Erinnerungen.  
Der golden schimmernde Schleier fällt zu Boden, schwimmt wie ein Papierschiffchen den Rinnsal entlang, wird verschluckt von dem schweren Gullydeckel und geht unter in der Kanalisation.

Blumen der Großstadt




Blumen der Großstadt haben sich angepasst und leben in Symbiose mit den rülpsenden, furzenden und auf den Asphalt spukenden Stadtbewohnern. Vom sauren Regen umspült, aufgeweichter Unrat übersät die Gehwege. Parasitismus so weit das Auge reicht- Unverpackungen der Fresstempel stapeln sich meterhoch. 

Aus der Ferne ertönt eine Tröte.

Menschenmassen eilen zur Frühschicht. Stumpfen Blickes, stumm nicken sie sich kurz zu. Menschenmassen aus der Nachtschicht trotten müde aus der Höllenpforte. 

Ihre Köpfe vornüber geneigt blicken sie zu Boden und gehen vorbei an zugenagelten Fensterläden. Sie gehen vorbei in schwerem Schuhwerk und unter ihren antistatischen Gummisohlen knirschen Glasscherben .

Ihre Köpfe vornüber geneigt, blicken sie zu Boden und gehen vorbei an maroden Treppengeländern, Vordächern unter denen zu stehen ein besonderer Nervenkitzel und somit lebensgefährlich ist. 

Manch ein schwermütig drein blickender Stadtmensch geht vorbei an Türen an denen die Farbe bereits vor Jahrzehnten abgeblättert ist.  Mit sehr viel Fantasie kann sich manch ein anderer fidel fiedelnder Stadtmensch Häuser im desolaten Zustand schön bunt vorstellen.  

So schön wie im Schein einer golden strahlenden Sonne.

Dienstag, 6. September 2011

Carz'n The Hood

Eine Stadt in der Petrischale


Ungeduscht,‭ ‬verschwitzt und leicht außer Atem kam ein gebürtiger Niemandsländer geradewegs aus dem Niemandsland zurück und setzte sich an seinen sterilen Arbeitsplatz-‭ ‬ein Schreibtisch in einem geheimen Labor unter dem Dachstuhl.‭


Zu Boden,‭ ‬vor seinen Füßen stellte Niemand vorsichtig seinen mit Akkupacks gekühlten Shock-Gefrier-Rucksack,‭ ‬öffnete die Klettverschlüsse und dann den Reißverschluss.‭ ‬Kalter,‭ ‬geheimnisvoller Dampf stieg auf.

Ein Niemand schlüpfte in puderfreie Gummihandschuhe und zog eine Petrischale aus seinem noch immer dampfenden Shock-Gefrier-Rucksack.‭

Er hielt eine Probe in der Hand,‭ ‬die er mitgebracht hatte.‭

Dies war der Beginn einer unbedeutenden Studie von der nicht einmal irgendwann jemand,‭ ‬somit niemand erfahren würde.‭ ‬Es war der Start eines kleinen Beobachtungsversuchs,‭ ‬es war eine Studie am Rande,‭ ‬eine Randstudie sozusagen,‭ ‬die völlig ohne das Interesse der Öffentlichkeit stattfand.‭

Momentaufnahme einer Stadt in der Petrischale.

So etwas Unspektakuläres wollte er schon immer mal gerne unter die Lupe genommen haben.‭ ‬Bislang fehlte ihm jedoch schlicht weg die nötige Zeit dafür.

Ein Niemand also war es,‭ ‬der seinen Stuhl näher ran rückte,‭ ‬sich seine Brille etwas höher schob und an einem kleinen Rädchen drehte.‭ ‬Er stellte das Gerät schärfer und auf dem Schirm seines‭ ‬Rasterelektronenmikroskops‭ (‬kurz:‭ ‬REM‭)‬ erschien ein sehr stark vergrößertes Bild der‭ „‬Stadt in der Petrischale‭“‬.‭

Er drehte weiter an dem Rädchen und stellte das Bild ein wenig schärfer.

Zur späten Abendstunde,‭ ‬Niemand wusste nicht wie spät es war,‭ ‬führte mit eiserner Disziplin,‭ ‬in Eigenregie seine Studie voran und konzentrierte sich dabei auf das‭ „‬rasant dichterwerdende Verkehrsaufkommen‭“ ‬in der‭ „‬Stadt in der Petrischale.‭“
Auf seinem Schirm sah er das Leben unter der Käseglocke.‭

Umgeben von hoch reizenden Abgasen,‭ ‬hustend und würgend,‭ ‬gingen mikroskopisch kleine Menschen in Massen vorbei an brüllenden LKWs,‭ ‬vorbei an jaulenden Motorrollern,‭ ‬vorbei an knurrenden Sportwagen mit versteinert drein blickenden,‭ ‬frisch frisierten Fratzen einer unbedeutenden Stadt am Rande des Kollaps.

Er drehte noch weiter an dem Rädchen und das Bild wurde noch ein wenig schärfer.‭

Er richtete seinen Blick auf eine Kreuzung.‭ ‬Auf der Kreuzung kreuzte sich der Weg eines schwanzeinziehend,‭ ‬zerzausten,‭ ‬lethargisch auf den Boden blickenden Terriers mit dem zwei fetter,‭ ‬mit den Ohren wackelnder Möpse auf dem Weg zur Flanier-Meile im arterienverkalkten Herzen einer rußverhangenen Stadt.

Er drehte noch ein wenig weiter an dem Rädchen und das Bild wurde noch ein wenig schärfer.


An der Ampel, im Dschungel, umgeben von einer abgasverseuchten Luft, sondergleichen. Mitten im Lärm, mit erröteter, linker Wange, angestrahlt von einem überhitzen Motor eines US-Imports, ein Diesel-Schlucker, ein rostiger Picup-Truck.
Das rechte Ohr eines auf dem Fahrradsattel sitzenden, vor der roten Ampel stehend Kurierfahrers war fast taub. Kurzweilige Taubheit im Stoßverkehr, ausgelöst von einem extrem laut stotternden Motor.


Motorenlärm eines Transporters für Lebensmittel.


Zwingend notwendig war eine kühle Lagerung und schnelle Verfrachtung. In leuchtend großen neongrünen Buchstaben stand auf der Plane des Transporters: „Alibaba und die vierzig kühl gelagerten Früchtchen aus dem Orient.“  


Er drehte noch ein klitze klein wenig mehr an dem Rädchen, das nun vor Anschlag stand (noch schärfer wäre unmöglich gewesen). 


Mittendrin, im alltäglichen Chaos unter der Käseglocke, in der „Stadt in der Petrischale“ saß auf einer Verkehrsinsel, auf einer karierten Decke, eine fast surreal wirkende Erscheinung. Ein mikroskopisch kleines, komisch wirkendes Wichtelmännchen ganz in Grün gekleidet, war aus dem Wald entsprungen. Mit einem mechanischen Zähler in der einen, und einem Glas Guinness in der anderen Hand, zählte er in seinen Ferien vorbei fahrende, motorisierte Fahrzeuge jeglicher Art und dokumentierte somit  das „rasant dichterwerdende Verkehrsaufkommen“.


Niemand wischte sich den Schweiß von der Stirn, machte einige Einträge in sein Notizbuch, legte anschließend seinen Stift bei Seite, zog die feuchten Gummihandschuhe ab, stand auf, ging zur Tür, knipste das Licht aus und verließ sein geheimes Labor unter dem Dachstuhl.

Sonntag, 4. September 2011

Samstag, 3. September 2011