Samstag, 30. April 2011

Fahrrad auf der Mauer



Neulich bei einem gemütlichen Spaziergang durch die Straßen und Gassen unserer Stadt, sah ich das “Fahrrad auf der Mauer“.

Mittwoch, 27. April 2011

Sido feat. Adel Tawil - Der Himmel soll warten


Der Himmel




Ganz besonders litt er unter dem Jubel, Trubel und der vorgegaukelten Heiterkeit. Starke Migräne, oder einfacher Verspannungsschmerz, intravenös verabreicht, in wohlbekömmlichen Portionen, hervorgerufen durch ständigem, jahrelang ausgeübten Druck an ein und der selben Stelle.

JWD- Jans weit weg fuhr er ohne sich nur einmal umzuschauen. Er wendete ihnen den Rücken zu und folgte dem himmlischen Licht.

Der Himmel hatte sich geöffnet. Es war so schön wärmend und wohltuend.

Um genau jenen Augenblick genießen zu können hatte er sein Floß durch lebensgefährliche Stromschnellen manövriert.  Auf nassen Füssen war er dem Flusslauf gefolgt, war über wacklige, marode Brücken gegangen, hatte die höchsten, die steilsten Berge und die tiefsten Täler gesehen. Er war durch ausgedörrte, trockene Wälder und über unfruchtbare Böden gewandert.

Er, zum wiederholten Male, war bis an den Strand, hinunter zum Meer gegangen und  hatte sich kopfüber in die Flut gestürzt.

Rein gewaschen, vom Schmutz, von der tonnenschweren Last befreit, fiel der Ballast von ihm ab und versank in den unergründlichen Tiefen des Meeres.

So entstand neuer Lebensraum für schillernde Korallen und bunte, schutzsuchende Fische.

Frei, beschwingt wie ein Vogel. Leicht wie ein gelbes Sandkorn aus der Sahara stiegen seine Gedanken auf. Gen Himmel flogen sie und entfalteten tief in ihm, in seiner Brust, in seinem Herzen, ein wohlig warmes Wonnegefühl.

Dienstag, 26. April 2011

Freitag, 22. April 2011

Das Meer



Das Meer welches er so sehr vermisste, das Meer welches ihn an eine unbeschwerte Kindheit erinnerte, wirkte friedvoll und ließ seine Gedanken seicht mit den dahin schwappenden Wellen treiben.

Die Erinnerung an das Meer von damals beruhigte sein aufgewühltes Gemüt.



Feuchter, feiner Sand unter seinen Füßen glänzte im Schein der untergehenden Sonne.


Leicht sonnengebräunt stand  er damals stolz mit dem Eimerchen und dem Förmchen, mit der kleinen Schaufel und der ebenso kleinen Harke vor seiner großen Sandburg.


Sein Playmobil-Piratenschiff und sein Playmobil-Fischkutter lagen geschützt vor Anker (rundherum mit kleinen bis mittelgroßen Steinen die er gerade eben noch tragen konnte) im kleinen Hafen mit direktem Anschluss an seine Sandburg.



Erinnerungen umspülten sein Herz und ließen es erweichen. Er bekam Fernweh wenn er sich an jene unbeschwerte Kindheit erinnerte. Er sehnte sich nach jenem kilometerweiten Strand. Er sehnte sich nach einer salzigen Meeresbrise.



Heute, unter der knallend heißen Mittagssonne, gefangen im stinkenden Feinstaub, vor der roten Ampel stehend sagte er zu sich selber:



 „Ich sehne mich so sehr nach dem Meer.“



Die Ampel sprang auf grün, hinter ihm hupten bereits die ersten gereizten Autofahrer, während er in Gedanken schwelgte.



Dort wo einst ihr Ferienhaus auf den Klippen stand, dort, wo man bei gutem, klaren Wetter die ersten Griechischen Inseln mit dem bloßen Auge sehen konnte, hatten vor langer Zeit die Flammen gewütet.


Ein Brand hatte sich durch das trockene, mannshohe Gras gefressen.


Lodernde Flammen hatten auf ihrem unaufhaltsamen Weg bis hinunter zum Strand, etliche, uralte Olivenbäume in nur wenigen Minuten gierig verschlungen.



Noch bis spät in die Nacht starrten tausend glutrote Augenpaare in die Finsternis.


Den Anblick würde er wohl nie vergessen können. Das Feuer von damals brannte noch heute. Es brannte tief in ihm weiter.



Er war versunken. Er hatte sich von einem Gedankenstrudel in die Tiefe reißen lassen.  In seiner blassen, farblosen Fantasie stand er barfüßig an jenem Strand von damals.



Hier war nichts mehr wie früher. Das Meer hatte sich den Strand einverleibt.

Windig, unruhig war die See. Laut krachten die Wellen gegen die Felsen. Das Wasser schäumte. Von dem Strand aus seiner Kindheit war nicht einmal mehr ein einziges Sandkorn übrig geblieben.

Samstag, 16. April 2011

Franz Kafka


* 3. Juli 1883 † 3. Juni 1924

Ein Buch muß die Axt sein für das gefrorene Meer in uns.

Donnerstag, 14. April 2011

ART COLOGNE


Das Land



Er schlief wieder ein und schritt voran. Er ging über das Land, das außer ihm noch niemand zuvor betreten hatte.

Ödes, flaches Land welches in jenem Moment Risse in der Oberfläche bekam. Vor seinem inneren Auge wuchs ein immer höher werdendes Gebirge in die Höhe.                                                                                      

Der Boden wackelte und erhob sich zugleich. Platten schoben sich gegeneinander, verkeilten und verkanteten sich. Darauf folgten erst stoßartige, dann wellenförmige, sehr starke Vibrationen.


Es riss ihn von seinen Füßen.


Tiefe Täler entstanden, und lange Furchen zogen sich durch die Landschaft. Unendlich lange Risse auf der harten Oberfläche. Risse, soweit das Auge reichte und noch darüber hinaus. Risse, die der Reichweite seiner Sehkraft entflohen.


Der Anblick jenes schrecklich zerfurchten, von der Sonne gegerbten, verhärteten Gesichts machte ihm Angst und ließ ihn nur erahnen was sich im Inneren, unter der Oberfläche dieser scharfkantigen Landschaft verbarg.
Der Himmel über ihm zog sich zusammen. Ein zuvor noch roter, erdiger Ton wich nun einem tristen Grau.
Starkes Grollen, laute Donnerschläge, die sich anhörten wie die Schläge eines Stahlhammers auf sehr stark zerbeultem Blech.


Ein  Schauer so heftig wie die Massagefunktion einer hochwertigen Duschbrause, stürzte vom Himmel und perforierte seine blasse Haut. Dichter Regen prasselte hernieder und trübte seine Sicht.
Klatsch nass stieg er frierend hinab in das Tal.
Tropfend, triefend stand er auf offener Fläche, als die Sonne das schwere graue Dach aufbrach.                                                    


Gleißender Sonnenschein drängte das Grau hinter die höchsten Gipfel der größten Berge. Es war taghell und die Sonnenwärme ließ frisches, sattes Grün aus dem Boden sprießen. Anfangs waren es noch kurze Gräser, dann sprossen bunte, wohl duftende Blumen, Sträucher, leichtes Geäst und dichtes Gestrüpp. 

Dann knackte es laut und ein Samen brach auf. Das erste Bäumchen reckte sich der Sonne zuwendend gen Himmel. Es streckte seine langen Äste aus und zog sich ein wunderschönes grünes Kleid an.

Laub- und Nadelbäume wuchsen gleichermaßen in die Höhe und übersäten die sattgrüne Landschaft die sich bis zum Gebirge erstreckte. 
Leichter Wind wehte durch den Mischwald und ließ die Bäume miteinander tanzen.

Er ging weiter, setzte Schritt für Schritt. Er wanderte unter einem strahlend blauen Himmel, über das satt grüne Land und in Richtung der Küste.                                                                                  


Und noch bevor er die erste Welle hören konnte, bevor die erste, in den Tag hinein lachende Möwe sein dicht bewachsenes Haupt überflog, vorher noch roch er aus weiter Ferne die salzhaltige, nach Muscheln und anderem Meeresgetier riechende Luft.


Er wachte auf und setzte seinen Fuß auf weichen,  sandigen Bodens des Landes, das noch niemand zuvor betreten hatte. 

Mittwoch, 13. April 2011

Die Moldau - Smetana


Der Fluss

  © Andreas Senftleben  / pixelio.de



Um mit dem Strom zu ziehen, um durch das Land zu Reisen, um an das sichere Ufer  zu gelangen, gab es mehrere Möglichkeiten.
Das Floß war eine sehr gute Option gewesen. Stromschnellen, scheinbar unpässliche, gefährliche Stellen eines tiefen, schnell dahin fließenden Flusses waren mit dem Floß sicher zu überwinden gewesen.
                                                                      
Doch der Fluss hatte ihm viel abverlangt.

Sein Floß, in dem er sich so sicher fühlte, das Floß, welches seinen Horizont erweitert hatte, in dem er unglaublich schnell über den Fluss, durch das Land gereist war und das Neue entdeckt hatte, zerschellte am scharfkantigen Felsgestein.
Er war unachtsam gewesen, denn er hatte für einen Bruchteil einer Sekunde nicht aufgepasst, er hatte sich so sicher (in jenem Moment vielleicht zu sicher) gefühlt, als das Floß gegen einen bedrohlich aus dem Wasser ragenden Felsen prallte.

Er hatte sich an das Ufer retten können.

Manche Menschen, schwache, kranke und alte Menschen, zusammen standen sie noch immer auf der anderen Seite und winkten traurig zum Abschied denen zu, die es geschafft hatten.
Manche Menschen fielen in den reißenden Fluss. Einige wurden von blutrünstigen Krokodilen in Fetzen gerissen, andere ersoffen, denn sie waren völlig erschöpft. Völlig entkräftete trieben  ihre leblosen Körper wie die aufgeblähten Leiber von toten Gnus an den seichteren Ufern des Flusses vorbei. 

Er wachte auf und setzte seinen Fuß auf das Land, das noch niemand zuvor betreten hatte.

Sonntag, 10. April 2011

Leseroutine

 
© Christian Meissner  / pixelio.de

Bei Abraxandria hatte ich diese Woche ein schönes Stöckchen zum Thema "Leseroutine" entdeckt und mitgenommen. Nun habe auch ich endlich die Zeit mich mit so entspannten Dingen zu beschäftigen :D


Stadt am Sonntag (1)


Im besten Eiscafè unserer Stadt läßt es sich ganz besonders gut genießen. Ich hatte einen Mocca-Becher und dazu gab es einen Latte-Machiato mit einer Eisprobe im Mini-Hörnchen.

Stadt am Sonntag (2)



Bei einem langen Spaziergang durch die Stadt haben wir heute das schöne Wetter richtig genossen.

Ratespiel

Drei verschiedene Schaufenster, drei unterschiedliche Läden. Eine Fotoreihe aus meiner Stadt, ein kleines Ratespiel am Rande. Also gut dann ratet mal:  „Was für ein Geschäft verbirgt sich hinter dem jeweiligen Foto?“

1.


2.


3.


outdoorPRODUCTIONZ
 

Traumlandschaft


Einer träumt von einem noch größeren Haus mit einer noch schöneren Garagenauffahrt.‭ ‬Er träumt von‭ ‬einem noch schnelleren Auto,‭ ‬mit noch breiteren Reifen,‭ ‬auf noch härteren Federn.‭ ‬An den Träumen mancher Leute haftet eine schwere Note von Habgier und dem Begehren nach unverschämt sehr viel mehr.‭

Wo hingegen der Traum anderer Leute wie ein billiges After Shafe wirkt.‭ ‬Man versprüht es, verreibt es in den Handflächen, der kleine Mann trägt es auf. ‬Leider verfliegt der Duft unmittelbar danach.‭ ‬Ein nur kurz anhaltendes Glücksgefühl verfliegt zusammen mit dem Alkohol. Auf der frisch rasieten Haut brennt es lediglich nur.‭ Was bleibt ist eine gereizte, eine errötete Haut.

Traumlandschaft I


Ein anderer träumt von dem Leben der Anderen.‭ ‬Ein Leben in Reichtum,‭ ‬ein facettenreiches Leben in großen Ballsälen,‭ ‬auf frisch polierten Parkett,‭ ‬im teuren Dreiteiler,‭ ‬im klassisch-elegant geschnittenen kleinen Schwarzen für großes Geld.‭

Wieder ein anderer träumt davon dass alles nur ein Traum wäre.‭ ‬Als wäre all das Elend welches sein Leben bestimmt nur ein farbloser Alpdruck.‭ ‬Ein stetig verblassender Traum.‭ ‬So als würde nach dem Erwachen‭ ‬ein wunderschönes,‭ ‬sorgenfreies Leben ‬seinem sonnigen Lauf folgen und alles wäre so schön wie vor dem Einschlafen.‭

Doch leider ist dem nicht so.‭

Traumlandschaft II


Er träumt von Brillengläsern die nie verschmutzten,‭ ‬niemals zerkratzten.‭ ‬Er träumt von einem riesigen Kaffeepad-Baum der in ihrer Küche steht.‭ ‬Ein immergrüner Baum,‭ ‬vergleichbar mit den nie versiegenden Quellen,‭ ‬den stets gefüllten Eimern der Brunnen aus dem Schlaraffenland.‭

Ein GROSSER Kaffeepad-Baum an dem in allen nur erdenklichen Sorten schier unendlich viele Kaffeepads wachsen.‭ ‬Er pflückt ein Pad ab,‭ ‬trinkt einen dampfenden Kaffee und schaut dabei zu wie ein neues Pad nachwächst.

Doch was ist das denn nur für ein Traum‭? 

Traumlandschaft III


Was ist mit dem Traum der vergangenen Nacht‭?

Ein Traum welcher einen unterbewussten Einfluss auf den Tag nimmt.‭ ‬Ein Tag,‭ ‬anstrengend,‭ ‬nervenaufreibend,‭ ‬kräftezehrend.‭ ‬Alltägliche Probleme,‭ ‬Stress der zum Alltag geworden ist,‭ ‬wäre ohne die Tiefschlafphase im REM-Schlaf‭ (‬REM,‭ ‬engl.‭ ‬Rapid Eye Movement‭; ‬auch paradoxer Schlaf oder desynchronisierter Schlaf genannt‭) ‬nicht möglich.‭

Wir müssen schlafen um zu‭ ‬träumen. Und dann schlafen wir und wir träumen Träume an die wir uns meistens nicht mehr erinnern können.‭

Traumlandschaft IV


Wenn er vom Träumen spricht,‭ ‬bzw.‭ ‬schreibt,‭ ‬so denkt er explizit nur an jene Träume, ohne die ein gesundes Leben nicht möglich wäre.

Manchmal knipst er des Nachts oder in den frühen Morgenstunden das kleine Nachtlämpchen ein,‭ ‬greift in die unaufgeräumte Schublade seines verstaubten Komödchen und‭ ‬zieht ein kleines Büchlein heraus.‭

In seinem vollgekritzelten Traumtagebuch hatte er bereits einige Träume festgehalten und eingefangen.‭ ‬Bevor ein Traum drohte für die Ewigkeiten abzurutschen und in Vergessenheit zu geraten,‭ ‬griff er nach seinem kleinen Büchlein und hielt jenes geträumte fest.‭ ‬Er schrieb es nieder.‭

Traumlandschaft V


Träume,‭ ‬ob am Tage oder in der stockfinsteren Nacht,‭ ‬manchmal,‭ ‬so dachte er,‭ ‬sollte man einfach mal innehalten um das im Traum erlebte zu Reflektieren.‭
Nur ein wenig darüber nachdenken,‭ ‬ohne alles verstehen zu müssen,‭ ‬ohne ein Traumdeutungsbuch zur Hand zu nehmen.‭

Nun hatte er so oft das Wort Traum und träumen niedergeschrieben,‭ ‬er hatte so viel‭ (‬und vielleicht auch nichts‭) ‬über das Träumen geschrieben,‭ ‬dass Traum und Wirklichkeit verschwammen...

...Auf leisen Sohlen folgte er den Spuren, den Lehren des Don Juan. Er wanderte zusammen mit Carlos Castaneda durch eine scheinbar unwirkliche Traumwelt und fand sich in einer scheinbar unwirklichen Wirklichkeit wieder.‭

Freitag, 8. April 2011

Hot Chocolate...


...ein dampfend heißer Genuss von Nestlé

Original Ritzze-Design


designed & produced by the fabulous „Ritzze

Vollendete Handwerkskunst, mit Gummi bezogen, ausgewuchtet und liebevoll, ohne unnötige Macken zu verursachen, in aller Ruhe montiert.

Manch großspurige Hackfressen haben kein Geld in der Tasche für einen Arztbesuch und die damit verbundene Praxisgebühr, geschweige denn Medikamente oder eine Tankfüllung.

Hackfressen ohne denn Sinn für wirklich wichtige Dinge im Leben setzen einen falschen Schwerpunkt. Hackfressen rammen sich einen riesen Heckspoiler in die Birne und machen einen auf M. Schumacher. Nur Verlierer-Typen die nie verlieren können betten ihre Wagen, die ja nicht ihnen, sondern der Bank gehören, auf verchromte Datons von der Stange.

Sie haben gerade mal Geld für Kippen in der Tasche und bevorzugen Leichtmetallfelgen der Firma Borbet. Sie sind einfach nur lächerlich und checken es noch nicht einmal.

Armselige Kreaturen die es in jeder Grostadt gibt, stehen bevorzugt vor roten Ampeln, verpesten die eh schon verpestete Luft und lassen laut ihre getunten Motor aufheulen. Sie verblasen ihren letzten Tropfen Sprit für ein wenig Aufmerksamkeit.

Ein Defizit, ein klaffendes Loch zwischen ihren Ohren, ein klaffendes Loch in ihren Brüsten, ein Loch welches sie mit großen Rohren, teuren Felgen und auf Pump finanzierten Sportwagen niemals füllen werden.

Die echten Bastler jedoch, die dezenten, besonnen Tuning-Freunde sind ganz anders. Sie haben Respekt vor der Technik und dem Material. Sie arbeiten hart und mit voller Hingabe. Sie sind sehr clever, denn sie sparen Geld für eine Tankfüllung indem sie viele Dinge in liebevoller Handarbeit selber machen. Alles Andere wäre auch zu einfach und vor allem langweilig. 

Donnerstag, 7. April 2011

BABANIN OĞLU (CÜNEYT ARKIN)


Retro-Türken-Look


Ein scheinbar unverwechselbares Original aus der getürkten, aus der alten Heimat, ein bier-, entschuldige, rakibäuchiger (Raki = türk. Anisschnaps) Typ setzte sich mir direkt gegenüber an einen der dreibeinigen, leicht wackeligen Bistrotische. 

Laut, für alle sich fremdschämenden Cafè-Besucher hörbar, langsam, für fast alle sich fremdschämenden Cafè-Besucher sichtbar, legte er sein Handy, seine Autoschlüssel samt riesen Schlüsselanhänger (in Form und Farbe der türkischen Fahne sehr ähnlich), ein goldenes Sturmfeuerzeug, sowie ein zerknautschtest Marlboro-Softpack auf die Glasplatte des wackeligen Tisches und bestellte eine..., ich weiß nicht mehr was!  

Er, laut schlürfend, rauchend, ein scheinbar unverwechselbares Original aus der getürkten, aus der alten Heimat, hatte seinen Platz ganz bewusst ausgesucht. 
Er  saß einem hübschen blonden Mädchen gegenüber, die flink ihre manikürten Finger bewegte, die die Tastatur ihres mobilen Taschentelefons wie ein Wirbelwind überflog, die ganz kurz gelangweilt aufblickte, während er breit grinste. 
So breit, dass man fast alle seine zweiunddreißig vergoldeten Zähne sehen konnte. 

Ich sah diesen getürkten Typen und sah seine nicht wirklich fantasievoll gestaltete Maske. 

Hastig trank ich meinen längst erkalteten, bittersüßen Espresso Lungo aus und eilte geschwind in Richtung Parkhaus, wo mein ölleckendes, zerkratztes und sehr stark verbeultes Blech auf vier abgefahrenen Reifen stand. Der letzte Winter hatte meinem Wagen stark zugesetzt.
Im Eilgang, mit großen Schritten, ging ich,  vielmehr rutsche ich über die glatte Oberfläche der riesigen, meiner Meinung nach viel zu glatten Marmorimitat-Platten.

Aus dem Augenwinkel heraus erblickten meine gereizten Augen einen schlunzigen Typen im fliegerseidenen Jogginganzug. Die Pomade glänzte wie Pommesfett in seinem Haar. Wie frische Wurst im Schweinedarm, gestopft  in weiße Tennissocken, gequetscht in schwarze, klackernde Lackschuhe ging er vor mir her.

Dieser (Augenkrebs verursachende) Typ, in gewisser Weise sah er dem Typen aus dem Cafè ähnlich, schlenderte mit der qualmenden Marlboro zwischen den Fingern durch die Einkaufspassage, während ich würgen und husten musste, während ich  mich sehr stark ärgerte. 

Ich ärgerte mich über jene Kommunalpolitiker die auch ich gewählte hatte. Ich ärgerte mich darüber, dass sie das Rauchen in der Glaskuppel-Passage gestatten und scheinbar unter dem Deckmantel der Konsumfreudigkeit von Rauchern für Gut geheißen hatten. Raucher kurbelten die Wirtschaft an.

Ich fluchte leise, kaum hörbar: „Die Höllenglut soll euch alle in den Hintern beißen, im Nikotinqualm sollt ihr allesamt zu Tode ersticken, auferstehen, und erneut ersticken.“ 

Dieser Typ, aus dessen Nikotin-Rauchwolke ich noch immer nicht heraus war, schlenderte von einem Schaufenster gemächlich zum nächsten Schaufenster, als ich entschlossenen Schrittes auf ihn zu ging um ihn anzusprechen.

Ich tippte ihn energisch auf seine knochige Schulter, er drehte sich um und ich erblickte, und ich erkannte meinen alten Schulkameraden Ümüt.
Mein alter Grundschulfreund Ümüt stand breit grinsend im Retro-Türken-Look vor mir und begrüßte mich mit einem überaus freundlichen:

Ohh selam arkadas(sch) (Ohh, hallo mein Freund). Lange nicht gesehen. Nasilsin (wie geht es dir)?!“ 

X-Clan - Xodus

 

Stadt-Masken


Wenn sie versuchen mich zu täuschen und mir ihr missglückter Täuschungsversuch auffällt, dann bin ich enttäuscht.

Ich bitte Euch innständig, in aller Höflichkeit, wenn man sich mit falschen Federn schmücken und bestücken muss, dann aber bitte mit Stil und mit voller Hingabe. 

Bitte keine halbherzigen Sachen mehr.  Und vor allem keine mich kränkenden Worte mehr. 

Denn es kränkt mich sehr wenn sie von Dingen reden die mir nahe gehen, von denen sie jedoch keinen blassen Schimmer haben. Prahlerisch erzählen sie mir von lauter Hirngespinsten die sie für die Realität halten.

Es ist ihre, nicht meine Realität. 

Ein stetig verblassendes Trugbild. Ein Bild, welches vor Jahrzehnten einer von ihnen gezeichnet hat. Ein Bild, welches millionfach kopiert als Replikat über die ganze Welt ging und von ihnen heute, wie damals stolz in die abgasverseuchte Luft, in unerreichbare Höhen  gehalten werden.  

Es ist ihr Stolz, der falsche Stolz, der mich so sehr kränkt.

Manch ein in Deutschland herum irrender Tüpp fühlt sich von allem und jenem bedroht, fühlt sich von niemanden akzeptier,  denn keiner hat ihn lieb!

Ganz egal ob erste Generation-Gastarbeiter, oder eine der darauf folgenden Generationen (zu denen auch ich gehöre), ganz egal ob hier aufgewachsen oder sogar hier geboren, ganz egal ob assimiliert oder hermetisch abgeschottete Plattenbau-Randgruppe, manch einer, um es milde auszudrücken ist hier absolut deplatziert. 

Manch einer, um nicht zu sagen viele von ihnen, tragen leider den falschen Stolz in ihren getrübten Herzen. Sie schleppen schweren, unnötigen Ballast mit  sich herum. Sie sind stolz auf ihre durch und durch verrosteten Abwehrschilder aus billigem Stahl.

Sie sind die Fratzen aus den Straßen unserer Großstädte. Intoleranz steht in Großbuchstaben auch auf ihrer Stirn geschrieben. 

Sie, die mit ihren Scheuklappen über die Kreuzungen, über die roten Ampeln laufende, übersehen das Wesentliche.

Sie ziehen sich ihre Masken tief ins Gesicht und rempeln dich und auch mich an.  Achtlos laufen sie tag ein, tag aus vor sich selber davon.
Achtlos rennen sie vorbei an dir und an mir. Blind vor Naivität, erblindet, nichts sehend in Mitten der netten Menschen ihres  unmittelbaren Umfelds.