Mittwoch, 29. September 2010

Book Of The Week

Metall News



Ins Koma geprügelt


Ende April wurde in der Nürnberger U-Bahn ein 17-jähriger Antifaschist von dem bekannten Nazi Peter Rausch halb tot geprügelt. Laut Polizei kam es zu einem Streit zwischen dem Jugendlichen und dem Täter. Auf dem Bahnsteig schlug und trat der 24-jährige Neonazi dann auf den 17-jährigen ein. Passanten mussten ihn vor Ort zweimal reanimieren. Im Krankenhaus versetzte man ihn wegen schweren inneren Verletzungen ins künstliche Koma. Der Täter ist für seine Brutalität bekannt und dem rechtsradikalen >>Freien Netzwerk Süd<< zuzuordnen. Das Opfer ist mittlerweile wieder ansprechbar.

Die IG Metall-Jugend engagiert sich auf vielen Kanälen gegen Rechts. Beispielsweise über:


Der Blog

>>Mann beißt Hund<< hat eine eigene Internetseite. In diesem Jahr kamen neue Inhalte, Twitter, Facebook, RSS-Feeds und Co sowie Dokus, Fotos und Videos dazu.



Jugend braucht Schutz

Das Jugendarbeitschutzgesetz ist seit Jahren unter Druck: Viele Betriebe halten sich nicht daran. Kontrollen gibt es kaum. Und immer neue Ausnahmen haben das Gesetz aufgeweicht. Jetzt will die schwarz-gelbe Koalition richtig zulangen und mehr Nacht- und Wochenendarbeit zulassen.

Die DGB-Gewerkschaften wollen das Gesetz verteigen.


Gefahr Bildschirmarbeitsplatz

Kopfschmerzen? Übelkeit? Das können Folgen veralterter Bildschirme am Arbeitsplatz sein. Laut den Richtlinien der Ergonomie, der Wissenschaft von Gesetzmäßigkeit menschlicher Arbeit, sollten Bildschirme flimmerfrei, strahlungsarm und frei von Reflexionen sein. Nur wenige sind über die Ausmaße der möglichen Gesundheitsschädigung aufgrund unzureichender Arbeitsmittel aufgeklärt. Die 1996 in Kraft getretene Bildschirmarbeitsplatzverordnung (kurz: BildscharbV) schreibt dem Arbeitgeber vor, das er regelmäßig Augenuntersuchungen und Sehtests anbieten muss.


Quelle:

Montag, 27. September 2010

Wo seid ihr, wo verdammt seid ihr heute?



Aus aktuellem Anlass sehe ich mich dringend gezwungen dieses Schreiben zu verfassen. Ich wende mich hierbei direkt an all die ergrauten Vorbilder, die letzten zahnlosen Löwen.Ihr ward die Großen von damals. Damals als wir noch klein waren.

Ich richte meine Worte an die, die sich selbst ernannten. Ihr Vollpfosten! Ihr Mitglieder einer unmoralischen, umorganisierten Möchtegern-Organisation. Ja genau euch meine Ich.  Und du dahinten, du brauchst mich gar nicht so erstaunt anzustarren, denn auch dich meine Ich.

Meine messerscharfen Worte werfe ich konzentriert und zielgerichtet. Mit hoher Treffsicherheit werde ich auch dich gewiss nicht verfehlen. Dieses aggressive Zeilengehacke, diese unnötige Kacke schreibe ich explizit nur für euch. 

Ihr, die einst so richtig groß im Arsch sein wolltet, habt heute große Ärsche. Ihr dachtet wohl ihr kommt mir davon. Ha, falsch gedacht. Kommt raus, kommt raus und zeigt euch mir. Ich frage mich:

"Wo seid ihr, wo verdammt seid ihr heute?" 

Euer Dreizack, feuerheiß, spitz, scharf wie Rasierklingen drang in mein Fleisch ein und infizierte meinen Körper, meine Gedanken.  Viele der engelsgleichen Freunde wurden von dem selben Virus infiziert.  

Ihre Engelsflügel habt ihr ihnen gestutzt. Habt sie wie streunende Hunde angefüttert, gefangen und mitgenommen. Eingesperrt wie Kasper H., weggeschlossen in einem dunklen Raum der finstren Träume. 

Leider erst sehr spät, viele Jahre später, bei einer radikal Entrümpelung hat man sie wiedergefunden. Sie waren in sich eingefallen.  Verbraucht. Stark verstaubt standen sie in einer Ecke des mittlerweile besenreinen, hell ausgeleuchteten Raumes.

Ich hab einige von ihnen wiedergefunden, getroffen. Lange, lange Zeit war ich bei ihrem Anblick sehr, sehr traurig, denn so unendlich leer waren lange, lange Zeit ihre trüben Blicke. 

Ihr habt uns ausgeraubt. Habt es brutal aus uns heraus gerissen. Ein tiefes, klaffendes Loch habt ihr uns hinterlassen. Dieses tiefe, klaffende Loch habt auch ihr gesehen. Wolltet euch die Blöße nicht geben, habt versucht es mit kaltem Materialismus zu stopfen. Denkt stets daran, verdammt, auch du da hinten in der Ecke: Eine tiefe Wunde, eine Wunde, so tief wie das  Bohrloch im Golf von Mexiko lässt sich nicht so leicht verschließen.  

Wärme, Umarmungen, echte Emotionen hätten wir gebraucht. Doch bekommen haben wir eure Krankheiten.

El Hajj Malik Elshabazz (Malcom X)



Bildung ist der Pass für die Zukunft, denn das Morgen gehört denen, die sich heute darauf vorbereiten.

Let the Sunshine In


Sonntag, 26. September 2010

California Dreaming - Sungha Jung

back to my youth 1


An einem kalten Morgen, unter einem graublauen Himmel.



Noch bevor er etwas essbares in seinen zusammengezogenen Magen plumpsen ließ, noch vor dem Öffnen des ersten Dosenbiers der Tippelbrüder am Straßenrand (armselige Gestalten an denen er tagtäglich vorbei ging). Vor der ersten Unterrichtsstunde, auf dem Weg zur Schule, zündete er sich eine filterlose Zigarette an. 



Auf zugemüllten, wackligen Bordsteinen, entlang der Straße seiner wilden Jugendzeit, ging er durch ein Viertel am Stadtrand. Ein Viertel durch das kein grünes, städtisches Straßen-Reinigungsfahrzeug fuhr.



Hastig zog er an seiner viel zu starken Zigarette, während sein gerade erst aufgewachter Blick auf einem ausdrucksstarken Graffiti ruhte.



Während der anonyme Großstadtkünstler (chillend auf seinem Schlafsofa) schon wieder eifrig in seinem Skizzenbuch herumkritzelte, betrachtete er staunend die  Erinnerung an längst vergangene Tage.

Ein Graffiti, so überwältigend groß, bunt und unverkennbar. Er erkannte diesen Stil sogleich, denn er kannte (wenn auch nicht persönlich) den farbenfrohen Fingerabdruck. Ein Abdruck so bunt schillernd wie ein Paradiesvogel unter hunderten, verstummten Schmierfinken.

back to my youth 2



An einem heißen Spätsommerabend, unter einem sonnenroten Himmel.

Er saß in einem klimatisierten, mit Kunstleder bezogenem Innenraum. Er war abgeschottet von der Außenwelt, er war auf dem Weg zu einem seiner neuen Kunden und saß in seiner frisch polierten Firmenkarosse, und fuhr ängstlich, wie ein Kleinkind auf wackligen Beinen, entlang einer hohen Bordsteinkante. 

Er hatte Angst vor Beschädigungen an einen seiner neuen Niederquerschnittreifen. Er hatte Angst vor tiefen Kratzern an seinen teuren Alufelgen. Und so fuhr er ängstlich, entlang einer ihm bekannten Straße. Er fuhr durch ein ihm bekanntes Viertel am Stadtrand. 

Er schaltete laut fluchend einen Gang runter, als plötzlich ein grünes, städtisches Straßen-Reinigungsfahrzeug um die Ecke bog. Er fuhr langsam, im Schritttempo auf einer sauber gekehrten Straße, dem rechts gesteuerten Fahrzeug hinterher. 

Er fuhr langsam, entlang einer sauber gekehrten Straße. Er fuhr langsam, vorbei an der verblassenden Zeitleiste seiner wilden Jugend.

Freitag, 24. September 2010

Oldtimer-Songs



Spanish Romance - Anonymous


Aphrodite und Ich



Aphrodite und ich, wir lagen, erhitzt, leicht verschwitzt auf dem Rücken, auf dem Boden, auf ihrem weichen Flokati. Alles stand für uns bereit. Wir hatten alles und nichts, nichts stand uns im Weg. 

Weiche Liebkosungen, eingepackt und gebettet in Samt und Seide. Wir lagen, erhitzt, leicht verschwitzt auf dem Rücken, im Bett, auf ihrem harten Futon. Schneeweiß war der Bezug, unsere Gedanken unser Gut.

Aus den teuflisch guten, sündhaft teuren Lautsprechern an den glatt verputzten Wänden, erklangen himmlisch reine Klänge. Tiefe Bässe massierten unsere Körper. Feinster Goldstaub rieselte von der Decke . Zimt und Kardamohn fielen herab auf zuckersüße, rote Lippen.

Wir, froh gesinnte Schöngeister jener jungen Tage, lagen wortlos, schwer atmend, bei gedimmtem Licht, dicht an dicht. Gemeinsam träumten wir den einen Traum. Gemeinsam schaukelten wir auf der wolkenweichen Himmelsschaukel. 

Aphrodite und ich, wir ließen uns treiben und trieben im seicht dahin fließenden Strom. Ganz ohne Sorgen, eng umschlungen genossen wir die pure Romantik. Ganz ohne Fragen genossen wir jene wertvollen Stunden.

Donnerstag, 23. September 2010

Shahin & Sepehr


One Thousand & One Nights 
 



Mediterranean Dream 
 


Turkish art



In Küstennähe bei Vollmond - Teil 13.1


Er hatte aus der Ferne, ganz klar und deutlich, über das Meer hinweg, den lauten Schrei einer Möwe gehört. Es war ein lauter, schneidender Schrei in der Nacht gewesen. Es war ein lauter Schrei, eine Schneise durch die schwere, nebelverhangene Luft gewesen. 

Ein Schrei der ihn aus seinem Schlaf gerissen hatte. Vielleicht, so dachte er, war der Schrei auch eine Art Weckruf gewesen. Vielleicht, so dachte er, hatte er vor dem zu Bett gehen viel zu viel von den bunten Knabberrein gegessen.

Es stieß ihm bitter auf als er ausatmete, als er hell wach, ganz oben, im schwankenden Krähennest bei Vollmond, im silbernen Schein da saß und über scharfkantiges Lavagestein für den immergrünen Garten daheim nachdachte.

In Küstennähe bei Vollmond - Teil 13.2


Seit dem furchtbaren Unwetter, nach einem mörderisch hohen Wellengang, in schroffer Küstennähe, ganz oben im Krähennest.
Seitdem saß er dort wo er zuvor den schweren, rostigen  Anker ins tosende Meer geworfen hatte. Dort wo scharfkantiges Lavagestein bedrohlich aus dem Meer ragte. Ganz oben, in schroffer Küstennähe. Ganz oben, im schwankenden Krähennest, bei Vollmond, im silbernen Schein.

Immer und immer wieder wiederholte er sich. Der monotone Klang kantig formulierter Worte begleitete ihn. Salzbelegte Stimmbänder in Schwingungen. Sein schwankender Kopf, sein drahtiger Körper plumpste völlig entblößt ins kalte Wasser und ging unter.

Nackt, tief unter der unruhigen Oberfläche. Vorbei an schlafenden Klonfischen, vorbei am längst erkalteten, scharfkantigen Lavagestein für den immergrünen Garten daheim.

Sonntag, 12. September 2010

Lakeside Songs




Nachwort zu "Oman, der Reiter des hageren Sultans"


Meine Augen sind rot unterlaufen und schwarz umrahmt, mein Blick ist leer, mein Kopf ist schwer. Wenn ich rauchend, tippend, vom kalten Kaffee nippend, traurig gen abgasverseuchten Himmel, über die Stadt blicke. Dann...

...sehe ich die Trümmer einer längs vergessenen, einer einst mal wunderschönen Stadt. Mir wird flau im Magen. Ich sehe und ich denke. Ich denke und ich schreibe, schnell, immer schneller, im Stakkato.

Ich kehre mein Innerstes nach Außen und heraus kommen Geschichten die keinen interessieren. Klein gehackte, unappetitliche Geschichten. Der Verzehr in rauen Mengen kann abführend wirken. Teilweise schlecht formulierte, manchmal grammatikalisch unverdauliche Geschichten. Mit geschundenen Fingern hacke ich auf der Tastatur herum, denn ich schreibe Geschichten wie die von...

...„Oman, der Reiter des hageren Sultans“. Geschichten aus dem Krähennest. Einem stinkenden Nest hoch über Stadt, dort sitzt das gefiederte Tier in seiner virtuellen Kammer und betreibt einen Zeitvertreib der ganz besonderen Art. 

Ihsan, der sich hier nennt, „K’nack die Krähe, wäre nicht Ihsan, wenn sein Nachwort, ein Nachwort wie jedes Andere wäre. Ich wünsche Euch weiterhin viel Spaß im Krähennest.

LG,

Ihsan ;D

Oman, der Reiter des hageren Sultans


Letzter Teil

Alle meine Muskeln spannten sich in einem Sekundenbruchteil wieder an, mein Körper mobilisierte all seine Kräfte. Ich war bereit für einen langen und vor allem schnellen Lauf. Ich rannte, mal geradeaus und mal im Zick Zack, ich rannte um mein Leben. Ich rannte, den Wachen davon. Pfeile, tödliche Geschosse surrten mir nur so um die Ohren. Sie verfehlten mich, weil Allah mich beschützte.

Ich war den Wachen und somit dem neuen (fetten) Sultan entkommen. Ich war dem Tod davon gelaufen.



Laufen, darauf beschränkt sich mein Leben nun. Ich laufe von Dorf zu Dorf, Stadt zu Stadt, von Quelle zu Quelle. Ich ernähre mich kärglich von dem Wenigen was mir meine Umgebung bietet, ich lebe auf das wesentliche beschränkt und danke Allah für das Wenige, was ich mir für einen Tagelohn auf der Durchreisen leisten kann.



Ich laufe Richtung Nordwesten, mein Ziel ist Germanien. Genauer gesagt möchte ich nach Colonia. Zurück zum wahren Sultan, zurück zu meinem Gebieter.

Oman, der Reiter des hageren Sultans


Achter Teil

Ich stand da, ein wenig abseits, hielt zittrig einen schweren, überschwappenden Wasserkrug in den Händen und erstarrte.

Mich überkam eine Hitzewelle, der Krug in meinen Händen wurde immer schwerer, meine Kräfte schwanden, meine Muskulatur erschlaffte. Der volle Krug entglitt meinen Händen und in dem darauf folgendem Momant sah ich in Zeitlich (vergleichbar mit dem Slowmotion-Kugelhagel auf Neo, im ersten Teil von Matrix) das Wasser, die milliarden Tropfen, milliarden Tonscherben, kleine rote Splitter nach dem Aufprall auf osmanischen Marmorboden.

Der neue (fette) Sultan: „Erfasst diesen Schurken, sogleich. Ich möchte ihn spätestens bis zum nächsten Morgengrauen an einer Dattelpalme am Hanfseil hängen sehen!“

Freitag, 10. September 2010

Oman, der Reiter des hageren Sultans



Siebter Teil

Eines Tages, im Hamam meines Herren (ich hatte mich bereits eingearbeitet und mich meinem Kismet gefügt), als ich frisches Quellwasser anlieferte, geschah eines etwas, was mein Leben abermals verändern sollte.



Ich geschützt, ein wenig Abseits. Ich war von Natur aus neugierig und lauschte mit angespitzten Ohren einem Gespräch zwischen dem fetten Sultan und seinem engsten Vertrauten, dem besten Arzt aus Isfahn.



Ich bekam einen unheimlich schwergewichtige Unterhaltung mit, die für mein Ohren ganz bestimmt nicht bestimmt war:



Der neue (fette) Sultan: „Mein kleiner homosexueller, opiumsüchtiger Bruder war ein krankes, schwächliches Sorgenkind. Der verweichlichte Pferdepflüsterer hatte den tragisch, qualvollen, Gift-Unfalltod unserer Eltern nie verkraftet.



Hätte damals, aus welchen Gründen auch immer, unser seniler Herr Fathi im Sterbebett nicht darauf bestanden, so wäre ich, dem Rang nach, der neue Sultan geworden. Doch Fathis Wunsch, sein letzter Wunsch wurde befolgt und mein kleiner Bruder setzte seinen hageren Arsch in mein mit Gold besticktes Sitzt- und Pupskissen.“



Der Arzt aus Isfahan: „Mein Gebieter, Herrscher über das Land der eintausendundeinen Enttäuschungen, sie taten wohl und mit Recht, sie handelten im Bewusstsein eines verantwortungsvollen Sultans. Sie sind ein Sultan mit einer scharfen Weitsichtigkeit. Sie blicken in eine gesicherte Zukunft für uns alle. Ob unter ihnen oder auf den Knien, für meinen Sultan zu arbeiten ist mir eine Ehrenvolle Lebensaufgabe.



Und ich als Ihr Palast-Arzt, engster Vertrauter, iranischer Consiliere, ich, als ihr Bruder im Geiste, kann ihnen nur Recht geben. Sie haben gut getan als Sie ihren kleinen, hageren Bruder, zusammen mit seinem schönsten Eunuchen, auf dem Rücken seines besten Pferdes, nach Colonia ins Exil verbannt haben. Soll er doch in Germanien, unter den Wilden leben. Soll er leben wie es ihm beliebt.“

Donnerstag, 9. September 2010

Oman, der Reiter des hageren Sultans


Sechster Teil

Als ich das erste Mal nach langer, langer Zeit, wieder durch das vergoldete Palasttor ritt, vielen mir dicke Freudentränen auf den staubig sandigen Boden unter meinen Füssen. Ich weinte, weinte und weinte. Eine Woge des Glücks überkam mich.

Die meiste Zeit über verbrachte ich auf dem knochigen Rücken eines klapprigen, unternährten Esels.

Denn ich transportiere zusammen mit vielen anderen Wasserreitern, in drei Schichten, früh, spät und in der Nacht, kostbarstes Wasser für meinen neuen Herren. Es war ganz besonderes Wasser. Heilwasser aus einer weitentfernten Quelle. Eine streng geheimgehaltene Quelle, bewacht von Undercover-Doppelagenten (Agenten wie Fox Mulder und Dana Skully), die für die gemeine, sowie geheime Arme des Sultans arbeiteten.

Das Wasser mit heilender Wirkung, war bestimmt für den privaten Hamam des großen, des fetten Sultans. Um es endlich auf den Punkt zu bringen, ich war nun einer von ganz vielen Wasserreitern des großen, um nicht wieder zu sagen, des fetten Sultans.

Mittwoch, 8. September 2010

Benny Greb - DVD Trailer


Oman, der Reiter des hageren Sultans



Fünfer Teil


So kam dann eines schönes Tages das Eine zum Andern und mein Kismet trat aus dem dunklen Schatten heraus, in den hellen Schein der heißen Wüstensonne.



Ich bat meinen Onkel um einen Gefallen. Mein bekannt und beliebter Onkel zwitscherte ab und bat einen der bekannteren und beliebteren Arbeiter um einen Gefallen. Der Arbeiter wiederum zwitscherte ab und bat einen der noch bekannteren und noch beliebteren Vorarbeiter um einen Gefallen. Der Vorarbeiter wiederum zwitscherte ab und bat einen (bla, bla, bla, bla, bla)...

Die Sache ging hoch bis zum hauseigenen Don des fetten Sultan (ein Don der mindesten ebenso, wenn nicht sogar noch fetter als der fette Sultan war). Sozusagen landete die Angelegenheit auf dem frisch polierten Schreibtisch des persönlichen Marlon Brando des Sultans.



Der Pate bestellte Onkel Osman und mich zu sich  und sprach:



„Ich mache Dir ein Angebot, das Du nicht ablehnen kannst. [...]“



Nur einen Tag später bekam ich durch ein wenig Vitamin A und ganz viel Vitamin B, halt mit all dem gesunden Zeug, das so in Datteln steckt, eine zweite Chance.



Ich arbeitete wieder im Palast des Sultans.

Dienstag, 7. September 2010

Book Of The Week

Oman, der Reiter des hageren Sultans


Dritter Teil


Am Boden zerstört. Voll der Trauer blickte ich hoch und sah einen mir so vertrauten Anblick. Dicke salzige Tränen kullerten von  meiner Wange, vielen herunter und zerplatzten auf dem staubigen Boden vor den geschlossenen Toren des Palastes.

Seither, sehnsüchtig, wie eine Fata Morgana, sah ich nur noch aus weiter Ferne, ein vergoldetes, blitze blank poliertes Tor, welches für mich die Welt bedeutete.

Hätte man mir damals eine ordentlich ausformulierte, eine schriftliche Kündigung in meine lederriemen-rissigen Hände gedrückt, hätte es so etwas wie eine Kinder-Jockey-Gewerkschaft im Pferde-Renngewerbe gegeben, so hätte höchst wahrscheinlich der Name des neuen Sultans unter meinem Zeugnis gestanden.

Doch so etwas gab es seiner Zeit noch nicht, und mein orientalisch, arabisch angehauchter Traum vom immer währenden Erfolg, zerplatzte wie eine Seifenblase an den spitzen, borstigen Stacheln des neuen Herrschers aus einem Land der eintausendundeinen Enttäuschungen.

Oman, der Reiter des hageren Sultans


Vierter Teil


Der neue Sultan, der fette Herrscher über das Morgenland war ein strenger Mann mit Turban und Mullabart. Er war ein wahrlich breitkreuziger Mann. Ein Mann der nichts für Pferde, Rennen, staubige Bahnen,geschweige denn Kinderjockeys, die auf Pferderücken geboren wurden, übrig hatte. 
Über Nacht ließ er die Rennbahn umpflügen, den Pferdestall abgereissen und die Pferde zu Helal-Salami (alāl, arabisch ‏حلال‎, „rein, erlaubt “) verarbeiten.

Der neue Sultan, der fette Sultan, ließ auf dem Gelände der alten Rennbahn einen unvorstellbar großen privat Hamam errichten. Aus dem zwielichten Dampf heraus regierte er von nun an ein  verarmtes und weiter verarmendes Land.

Seitdem ich nicht mehr im Palast residierte, seitdem ich nicht mehr zwischen den Pferden und deren stinkenden Äpfeln in einer der engen Boxen mehr wach, als schlafend lag (weil ich des Nachts, aus Furcht einer tödlichen Zerquetschung mit der Hufbewegung des Pferdes von der einen Seite zur Anderen rollte), seitdem machte ich mir tagein, tagaus Gedanken darüber, wie ich wieder zurück in den Palast gelangen könnte. 

Unzählige Tage verstrichen. Ich lief ziellos, arbeitslos über die staubigen Straßen um den Palast herum. Hin und wieder pflückte ich Datteln, als Tagelöhner für meinen Onkel Osman.

Mein Onkel Osman war einer der besten Dattelpflücker dritter Generation. Einer von vielen Dattelpflückern auf den unendlich großen Plantagen des fetten Sultans. Onkel Osman war (im Vergleich zu den Anderen) in und um den Palast herum bekannt und beliebt. Er war auf Grund seiner dattelsüßen Gutmütigkeit, unter all den Arbeitern und Vorarbeitern der Sultan-Industrie eine hervorstechende Persönlichkeit.

Montag, 6. September 2010

Oman, der Reiter des hageren Sultans


Zweiter Teil


Eines Nachts verstarb mein Shisha rauchender Boss. Der hagere Sultan war plötzlich und viel zu früh verstorben. 

Der Tod des hageren Sultans hatte einen mysteriösen Beigeschmack. Es war ein rätselhafter Tod (wäre gewiss ein überaus interessanter Fall für die beiden Agenten Fox Mulder und Dana Skully gewesen). Nie wurde ein Leichnam gesehen, geschweige denn zu Grabe getragen.

Man erzählte sich in den Obst und Gemüse Läden, im Schatten unter den Markisen der Gewürzstände, in den verrauchten Teestuben und vor allem im undurchsichtigen Dampf der Hamams, dass der beste Arzt aus Isfahan (gesprochen: Esfahan) die Todesursache auf eine noch nie gesehene, unbekannte, hochgradig tödliche Krankheit zurückführte. 

Ich war bestürzt über mein Kismet (Schicksal), denn mich hatte man gleich nach dem plötzlichen dahin Scheiden des hageren Sultans vom Pferderücken geschnallt, herunter gerissen und rittlings aus dem Palast geworfen.

Ich war gestürzt und lag auf dem staubig sandigem Boden vor dem unglaublich großen Hauptportal des Palastes. Ein riesiges, vergoldetes Tor. Ein Tor, das mit einem lauten Knall zufiel. Ein Tor, das von innen verrammelt und verriegelt wurde.
 

Sonntag, 5. September 2010

Oman, der Reiter des hageren Sultans


Einleitung



Als ich damals mit Pavel Turkovski (meine erste Blog-Geschichte in mehreren Teilen) anfing, merkte ich sogleich, bereits nach den ersten, spontan getippten Zeilen, wie schwer es ist eine Geschichte vom Anfang bis zum Ende zu schreiben.

Kurzgeschichten, oder solche die ich unter der Kategorie veröffentliche, gehen mir sehr viel leichter von der Hand.

Kurzgeschichten lassen sich einfach so herunter tippen. Wo hingegen eine mehrteilige Geschichte mit Anfang und einem „dicken“ Ende, geplant und sorgfältig durchdacht werden möchte (am besten gelang dies mir an Hand eines Storybaords). 

Mit der Planung und dem Denken habe ich es (manchmal) leider  nicht so. Dies sah man bei dem zweiten Anlauf einer mehrteiligen Blog-Geschichte: 
„Elvis, die arabische Wüstenrennmaus“

Die arme kleine Maus schlummert heute noch vor sich hin und wartet vergebens auf ihren großen Durchbruch. Aufgeschoben ist ja bekanntlich nicht aufgehoben. Wer weiß, vielleicht wird es irgendwann einmal auch mit Elvis weitergehen.

Doch bevor Elvis wieder losrennt, möchte ich Euch die Geschichte von „Oman, der Reiter des hageren Sultans“ erzählen.

Die Geschichte von Oman ist gleichzeitig auch ein Blog-Projekt. Jeden Tag, eine Woche lang, werde ich einen Teil veröffentlichen. Es gibt eine Einleitung (hier und jetzt, am heutigen Sonntag) und es wird ein Schlusswort, einen kurzen Nachtrag geben (am kommenden Sonntag).


Viel Spaß beim Lesen, wünscht Euch Ihsan alias K’nack die Krähe :D

Oman, der Reiter des hageren Sultans


Erster Teil

Einst mal war ich, mein Name ist Oman, des hageren Sultans kleinster Reiter. Ich ritt sein schnellstes und schönstes Pferd und hatte noch nie ein Rennen verloren.

Der hagere Sultan war stolz, als er Shisha rauchend mit seinen Freunden unter einem großen, dreieckigen Tuch (welches aussah wie ein riesiges Segel) an der Rennbahn saß und zusah wie man mich vor jedem Rennen auf dem Rücken des Pferdes mit Lederriemen fixierte.

Ich war des Glückes erfüllt, als die Diener des hageren Sultans mir nach jedem harten Rennen durch die staubig heiße Wüste, die Lederriemen lösten und meine Blessuren mit herrlich duftendem Balsam behandelten. Es war der selbe Balsam womit auch die Rennpferde im Stall eingerieben wurden.

Trotz etlicher Siege und einer steilen Bilderbuchkarriere auf dem Pferderücken, nahm meine Geschichte einen ganz unerwartete Lauf. Leider war ich lediglich nur ein kurzweiliger Pächter des Glückes.
Auf dem Höhepunkt meiner erfolgreichen Laufbahn auf der flirrend heißen Rennbahn, geschah etwas völlig unerwartetes.

Donnerstag, 2. September 2010

Der Fluss des Lebens


Flussabwärts. An einem windigen Spätsommertag. Du standest da, wo wir sonst immer gemeinsam standen. Da standest du an diesem Tag. Allein am Ufer eines ganz besonderen Flusses.
Das Wasser dort war klar und die Strömung war reißend schnell. Der Fluss rollte und er schäumte hier und dort. Kleine, aneinandergereihte Endloswellen. Das Wasser schwappte über das Ufer und kam bedrohlich nah an deine Schuhe heran. Der Fluss wollte deine Gedanken tragen, er wollte die Erinnerungen an damals haben.

Über dir zog sich der Himmel zusammen. Einige Zugvögel in luftiger Höhe kreischten laut. Sie breiteten ihre Schwingen aus und segelten noch ein letztes Mal über ihre gewohnte Umgebung, ihre Geburtsstätte, die Obstbäume, die Maisfelder und noch weiter hinaus als sonst. Hoch hinaus über die angrenzende Bundesstraße.
Sie waren bereit für eine lange Reise, bereit für ein neues Ziel. Sie hatten eine ganz neue Richtung eingeschlagen und folgten instinktiv einem inneren Impuls. Nichts ahnende, naiv drein blickende Standvögel zwitscherten währenddessen einige fröhlich klingende Lieder. Lieder in der Endlosschleife. Melodien, die bereits den ganzen Sommer über liefen.

Während all dies geschah, während die Wassermassen an jenem windigen Spätsommertag an dir vorbei rauschten, während du deine müden Augen gen Himmel richtetest, stand ich ein Stück weiter flussaufwärts und warf meine Gedanken und Erinnerungen von damals in den Fluss. Meine Gedanken tauchten ein und meine Erinnerungen wurden von der Strömung davon gerissen, an dir vorbei.

C64 - Great Giana Sisters