Sonntag, 25. Juli 2010

Neulich im Schlosspark (1)


Es war einmal vor nicht allzu langer Zeit ein ständig vor sich hin zwinkernder, kleiner, kloßförmiger Frosch am Brunnen im Schloßgarten des Königs von Wackelbarth.

Am selben Brunnen, zur gleichen Zeit, im wunderschönen, herrlich sommerlich sonnigen, blumig duftenden Schloßgarten hielt sich auch die liebreizende Prinzessin Bitchiee von Wackelbarth auf.

Die arme kleine Prinzessin war leider sehr, sehr traurig und wütend zugleich. Sie schluchzte so unwahrscheinlich laut und‭ ‬schlug gereizt gegen einen verbeulten Bleicheimer, der scheinbar schon mehrere Schläge eingesteckt haben musste, der an einem ausgefranzten Hanfseil an einer rostigen Seilwinde über dem Brunnen hing.

Die Prinzessin wischte so gar nicht prinzessinnen-like mit dem Ärmel ihres D&G Long-Shirt durch ihr tränennasses Gesicht.‭

Der kleine kloßförmige Frosch sah auf zu der trempramentvollen Prinzessin, zwinkerte ihr zu und sagte:‭
„ ‬Alles wird wieder gut.‭“ ‬Der blecherne Wassereimer taumelte noch immer am Hanfseil herum,‭ ‬als die Prinzessin den Frosch wütend anschaute und im agressiven Tonfall fragte:‭ „‬Wer in drei Teufels Namen bist denn, Du hässlich quakendes Ding in Grün‭?“ ‬Der kleine kloßförmige Frosch zwinkerte der neugierigen Prinzessin zu und antworte:‭ „‬Weil ich mit dem linken Auge stets zwinkern muss,‭ ‬nennt Mann und Maus,‭ ‬Dachs und Bieber, Meerschweinchen und Natter mich einfach nur den Einäugigen-Jimmy."

Neulich im Schlosspark (2)


Der Einäugige-Jimmy machte eine kleine Atempause, zwinkerte der Prinzessin zu, und fuhr fort:‭ „Liebe kleine Prinzessin, was geht? Sie wirken nicht nur, Sie sind sichtlich angeschlagen, traurig und agressiv zu gleich".

Die Prinzessin,‭ ‬ohne Manieren,‭ s‬ie schniefte laut,‭ ‬ganz ungeniert, schluckte runter und antwortete: „‬Alles ist ja gar sooo ätzend.‭ ‬Mein strenger Herr Papa, der zornig drein blickende König von Wackelbart,‭ ‬wünscht sich seit geraumer Zeit ein kleines Enkelkind als Nachfahren.
 
Ja und auch ich bin dem nicht abgeneigt.‭ ‬Doch mein Herr Gemahl,‭ ‬bekannt in aller Herren Länder als der frohschaffende Künstler Popo-Hannes von den Wiesenpink, dieser Hannes, dieser Kerl, ich bin so zornig, so‭ wutentbrannt, er ‬mag noch nicht!!‭

‭Verflixt und zugenäht, e‬r mag die schönen Künste, die Poesie, er mag sie noch mehr als mich.‭ L‬ange ausschweifende, hitzige Nächte unter dem sommerlichen Himmelszelt. Im Freien, von Stechmücken und seinen Spießgesellen umgeben. Ein unbequemes Bett im piecksigen Schoße der Mutter Natur ist dem Narren lieber als mein wohlig duftendes Schlafgemach im Schlosse meines Vater.‭ ‬Mein Vater, der stets zornig drein blickende, ist ebenfalls wutentbrannt, denn sein Wunsch ist ein Befehl. Doch meinen Gemahl, den Popo-Hannes,‭ ‬es schert ihn nicht."‭

Neulich im Schlosspark (3)


Der kleine kloßförmige Frosch zwinkerte verärgert der Prinzessin zu und sagte:‭ „‬Sie unverschämt liebreizende Prinzessin.‭ Sie, ‬die keinen Frosch von einer Kröte unterscheiden kann,‭ ‬mögen nicht zu ahnen wer hier vor ihnen, im königlichen‭ ‬Schlosspark am Brunnen sitzt.‭ Sie ahnen‭ ‬vielleicht noch nicht wie gut das Schicksal es heute mit Ihnen meinte, wie gut...‭!“ Die Kröte, ähh, Entschuldigung der Frosch wurde vom lauten Handy-Klingel-Song der leicht g‬ereizten,‭ ‬ein wenig angepissten Prinzessin unterbrochen.

Bitschiee von Wackelbarth zog ihr diamanten bestücktes,‭ ‬goldenes D&G-Trendy-Handy aus ihrer PRADA-Handtasche und sprach, blickend auf das Display:‭ „‬Na nun sag schon,‭ ‬Kröte,‭ w‬ie gut hat das Schicksal es mit mir gemeint‭?“

‭Der zornig, nervös‬ vor sich hin zwinkernde, kleine, kloßförmige Frosch namens "Einäugiger-Jimmy antwortete:

"Dies ist das Ende eines Märchens. Ihnen kann und will ich gar nie helfen. Nein..."
, sagte der scheinbar deplazierte Frosch aus einem ganz anderen Märchen und fuhr fort: "...besser sie bekommen kein Kind, keinen Nachfahren für den König, nicht heute und auch nicht morgen.‭ ‬Nein...", sagte er zum wiederholten Male und konnte nicht mehr aussprechen, denn da sprang die gewaltbereite Prinzessin plötzlich auf und packte den kleinen Einäugigen-Jimmy, und schleuderte ihn mit aller Wucht (der Ärmste wusste nicht was mit ihm geschah) in den tiefen, dunklen Schlund des Brunnen. Nach einer halben Ewigkeit klatschte es einmal leise, kaum hörbar aus der Tiefe des Brunnen.

Die liebreizende Prinzessin Bitchiee von Wackelbarth nahm den nervigen Anruf an ihrem dudelnden Handy entgegen, drehte sich schwungvoll um und ging stampfend von dannen. 

Neulich im Schlosspark (3)


Der kleine kloßförmige Frosch hielt kurz inne und blickte nachdenklich in den blauen Himmel.‭ Dann fiel sein Blick wieder herab auf ‬die liebreizende Prinzessin Bitchiee von Wackelbarth. Er zwinkerte ihr zu und sagte schließlich:‭ „‬Traurig,‭ ‬ja so furchtbar, furchtbar und so, ja, soo traurig ist Ihre Geschichte.‭ L‬iebste, liebreizende Prinzessin,‭ e‬s fällt mir wahrlich schwer sie voll des Leides hier vor mir zu sehen. ‭Liebe Prinzessin, ‬ich bin der Überzeugung ihnen helfen zu können.‭ ‬Wenn sie wünschen.‭ ‬So bin ich gewillt es zu tun.‭“

Die Prinzessin machte riesig große Augen,‭ ‬ihre erröteten Backen blähten sich wie die einer Kröte auf und dann,‭ l‬aut lachend, ließ sie stoßartig die Luft aus ihren Lungen enttweichen. Sie fiel in lautes,‭ ‬schallendes Gelächter.‭

Immer noch lachend sagte sie:‭ „‬Du hässlich grüne Kröte mit Deinem dummen Zwinker-Tick.‭ ‬Du,‭ ‬der du vom Gesindel Einäugiger-Jimmy genannt wirst,‭ ‬Du vermagst es nicht mir zu helfen‭!“

Samstag, 24. Juli 2010

Mozart - Dies irae (lat. „Tag des Zorns“)


Das Grauen aus der Tiefe



Eisige Kälte in unergründlicher Tiefe.‭ ‬In der Dunkelheit,‭ ‬auf sandigem Grund. Der Schmierstoff der Weltwirtschaft. Das schwarze Gold, das klebrige Geld an den Händen von einem riesigen, skrupellosen Konzern.
Ein unbahrmherziges Geschäft, ein Killerfisch, an deren ölverschmierter Schwanzflosse etliche  weitere Konzerne, wie Parasiten durch die Weltmeere schwimmen und den Grund des Meeres, auf der Suche nach Öl anbohren.
Seit nun über drei Monaten strömt der Dreck aus der Tiefe. Die Erde blultet und die Wunde scheint unheilbar zu sein. Die Ausmaße dieser von Menschenhand geschaffenen Katastrophe sind zur Zeit nur Spekulativ.
Wir sehen Schreckensbilder. Grauenhafte Bilder vom Tod beim Frühstück, zu Mittag und beim Abendessen. Man berrichtet uns, und wir schauen bis zur nächsten Werbeunterbrechung, wir horchen so lange, bis der nächste Song im Radio ertönt.  Spätestens dann sind wir wieder ganz weit weg von einer immer währenden Katastrophe.

Montag, 19. Juli 2010

Gemeinsam sein



Ist der Himmel grau und bewölkt, zieht die Trauer über das Land, so lass uns gemeinsam traurig sein. Ist der Himmel blau und ein lauer Wind weht über die Felder, so lass uns gemeinsam glücklich sein. Du sollst weinen, sollst lachen. Du sollst ganz Du selbst sein, so wie ich, ich selbst bin.

Sonntag, 18. Juli 2010

Naughty By Nature - Hip Hop Hooray


Benali


Der talentierte Benedikt und der außergewöhnliche Ali waren zwei Blutsbrüder. Sie waren zwei Freunde fürs Leben. Die Beiden kannten sich seit sie denken konnten. Zusammen nannten sie sich “Benali“.

In späteren Jahren gehörten Freunde wie Benali zu den Gründern. Denn all die Benalis jener Zeit bauten brüderliche Brücken; Brücken die die Kulturen miteinander vereinten.

Benedikt und Ali gehörten zu der Generation einer rollenden Bewegung. Am liebsten rollten sie über glatten Untergrund auf kanadischem Ahorn-Holz. Sie rollten für ihr Leben gerne auf original Titus-Decks. Sie gehörten zu den Kids, die den größten Teil ihrer Jugend Cola schlürfend und Soft-Cakes mampfend im Skatepark verbracht hatten.

Die Freunde Benali hatten gemeinsam ihre Schullaufbahn erfolgreich absolviert. Einer von Zweien, es war der Ben, ein Kind aus einer Akademikerfamilie, studierte anschließend Musik.

Ali, ein Kind aus einer türkischen Gastarbeiterfamilie ging in die Ausbildung bei dem an der Ölablassschraube drehenden Onkel Dieter aus dem Nachbarort. So wurde aus Benali wieder Benedikt und Ali. Beide gingen sie ihren Weg, jeder für sich.

Der talentierte Benedikt wuchs sehr rasch zu einem der bekanntesten Virtuosen seiner Zeit auf. Er war auf dem Höhepunkt seiner Kariere, einer der erfolgreichsten Klavierspieler weltweit, als etwas Schreckliches geschah.

Es war zur Mittagszeit als der, außergewöhnlich nach Öl stinkende, Ali seine Zeitung aufschlug und die Schreckensmeldung las:

„Weltbester Klavierspieler Benedikt B. hat bei einem Picknick in der Slowakei die Kuppe seines kleinen Fingers verloren. Es wird dringend nach einem Fingerkuppenspender mit der seltenen Blutgruppe AB negativ gesucht.“

Spendertelefon: 0 800 / 890 890

Ali sprang entsetzt auf, zückte sein Handy aus seiner ölverschmierten Blaumanntasche und wählte die Nummer des Spendertelefons:

„Hallo, mein Name ist Ali A., ich bin ein geeigneter Spender. Ben und ich, wir sind zusammen aufgewachsen, wir sind Blutsbrüder, auch ich habe die seltene Blutgruppe AB negativ. Bitte lassen sie mich ihm helfen.“

Es war ein Wiedersehen auf dem sterilen OP-Tisch. Alles verlief sehr schnell und ohne Komplikationen. Dem einen wurde die Fingerkuppe mit einem sauberen Schnitt des Chefarztes abgenommen, dem Anderen wurde sie angenäht. Beiden wurde vor der OP das hoch dosierte, langanhaltende Opiat eingeflöst, beide hatten sie bunt schillernde Träume.

So wurde Jahre später aus Benedikt und Ali wieder Benali.

Ali, der weltweit bekannte Mechaniker mit den 9 2/3 Fingern, saß in der ersten Reihe des Konzertsaals und lauschte dem weltbesten virtuosen Klavierspieler, den heute alle nur unter dem Namen Benali kannten. Ben spielte an diesem Abend extra nur für Ali Mozarts "Rondo alla Turka".

Wolfgang Amadeus Mozart - Rondo alla Turca

 

Daniel Defoe - Robinson Crusou

Samstag, 17. Juli 2010

Book Of The Week

Saturday Morning Song


Christian Morgenstern


Lachen und Lächeln
sind Tor und Pforte,
durch die viel Gutes
in den Menschen
hineinhuschen kann.

Christian Morgenstern

Tonnenschwere Last



Voll der Melancholie schrieb er nieder diese Zeilen. Für einen Moment in Traurigkeit, weilend über dem Blatt Papier, weinend hinter einer kolorierten Doppelverglasung, in einem klimatisierten Zugabteil. Ziellos fuhr er in eine unbekannte Richtung.

Ein mit Graffitis besprühter Zug auf rostigen Gleisen, eine tonnenschwere Last die langsam ins Rollen kam.
Der Zug rollte, langsam, vorbei am Aufbesserungswerk, immer noch langsam, doch schon etwas schneller als zuvor, die Geschwindigkeit konstant steigend, vorbei an all den hässlichen Bahnhöfen. Schnell, vorbei an all den schönen Zwischenstopps die man hätte einlegen können.



Ziellos, mit Tränen in den Augen. Angespannt und übermüdet. Er rollte, obwohl er nicht wollte, doch er rollte, schneller, und noch schneller, und noch schneller als noch schneller.  

Tief in sein sonnengegerbtes Gesicht gezogen, die Baseball Cap, eng anliegend. In einer sehr weit geschnittene Baggy, flatternd im Gegenwind. Spreizfüße, schmerzerfüllt in durchgelatschten Sambas.


Er rollte in voller Fahrt durch die verschmutzte Parkanlage. Er rollte am stinkenden Fluss entlang. Er rollte, durch den trockenen Wald, über unwegsame Schotterwege. Er rollte, obwohl er nicht wollte, weit weg von irgendwas und irgendwem.



Ganz allein. Seine Kräfte hatten ihn verlassen. Am See. Laut hechelnd. Er wurde langsamer. Erschöpft rollte er aus und kam zum Stehen. Leicht torkelnd, außer Atem und entkräftet. Unglücklich schaute er auf und sah der untergehenden Sonne nach.
Traurig schaute er über die Wasseroberfläche und sah plötzlich den großen Kopf des melancholischen Karpfen der Weisheit aus dem Wasser ragen. Der Karpfen der melancholischen Weisheit sprach zu ihm:

“Ya running and ya running. But ya can't run away from yourself. Could ya run away from yourself? Can you run away from yourself?”

Sonntag, 11. Juli 2010

Autistische Künstler – Ich sehe was, was Du nicht siehst


Metall News




Gleiche Arbeit?    Gleiches Geld!

Leiharbeitnehmer bei Bard werden benachteiligt

Ein Job, bis zu fünf verschiedene Löhne – das ist für die meisten Leiharbeitnehmer bei Bard Realität. Und: Viele Beschäftigte berichten, dass es ein Mehrklassen-System beim Arbeitsschutz gibt. Die Festangestellten erhalten die beste Ausrüstung, dann dürfen sich die Leiharbeitnehmer den Rest teilen. Bard ist leider kein Einzellfall. Deshalb hat die IG Metall Leiharbeit zum Schwerpunkt ihrer Arbeit erklärt. Ihr zweiter Vorsitzender, Detlef Wetzel, fordert die Bundesregierung auf, alle Beschäftigten in Leiharbeit vor Missbrauch zu schützen. “Notwendig sind gesetzliche Rahmbedingungen, die die Verleihdauer einschränkt, faire Arbeitsbedingungen und faire Bezahlung sicherstellen.“

-         Mehr zur IG Metall-Kampagne Leiharbeit, die aktuellen Termine der Infotour sowie Statements der Schirmherren gibt es unter:

www.gleichearbeit-gleichesgeld.de


Gangster-Bosse in Haft

Die Ex-Bosse des Eliog-Konzerns sitzen in U-Haft. Jahrelang haben sie betrogen und ihre Betriebe bis zur Pleite ausgeplündert. Und doch kann die IG Metall die meisten der 700 Arbeitsplätze retten – trotz Insolvenz.

Die kriminellen Machenschaften der Eliog-Bosse

Ein Ex-Commerzbankberater, ein Ex-Steuerberater und ein Ex-Staatsanwalt unter einer Decke: 2002 kauften sie sich bei Eliog ein, kauften weiter dazu – und sahnten groß ab, auf Kosten von Staat, Kunden und Beschäftigten. Mehr zum Eliog-Krimmi:

www.igmetall.de/Eliog

Einfach mal abschalten

Mobile Geräte wie das iPhone oder der Blackberry machen es möglich: Immer und überall erreichbar sein. Jede E-Mail, jeder Anruf will sofort beantwortet sein, immer öfter auch außerhalb der Arbeitszeit.
Laut einer Bitkom-Umfrage sind zwei Drittel der Beschäftigten außerhalb der Arbeitszeit erreichbar, ein Drittel ist sogar immer für den Chef oder Kunden da. Die Grenzen von Arbeit und Freizeit verschwimmen. “Eingebildetete Anrufe“ und die gefühlte Abhängigkeit von Handy und Internet beschäftigen al neue Krankheit inzwischen Ärzte und Psychologen.

Fazit:

E-Mails unterwegs zu bearbeiten ist praktisch. In der Freizeit gilt: Abschalten zum Ausspannen.



Bessere Bildung für alle

Moderne Ausstattung der Hochschulen, mehr Zeit für den Bachelor, freier Zugang für Bildung für alle ohne Gebühren und die unbefristete Übernahme nach der Ausbildung – all das sollte selbstverständlich sein. Vor allem für eine von Kanzlerin Merkel ausgerufene “Bildungsrepublik“. Die Realität sieht  ganz anders aus:
Noch immer studieren vor allem Akademiker-Kinder, Studiengebühren schrecken vor allem Arbeiter-Kinder ab, viele Studierende müssen nebenher arbeiten, um sich ihr Studium zu finanzieren und Azubis werden befristet übernommen.

Am Aktionstag am 9. Juni demonstrierten, unterstützt von der IG Metall, mehr als 85000 Schüler, Studierende und Azubis für bessere Bildung für alle.

www.bildungsstreik.net 

Auf der Suche  

Viele Jugendliche wissen nicht, welchen Beruf sie lernen sollen oder welche Praktikumsstelle für sie geeignet wäre. Eine Tabelle der DGB-Jugend kann helfen.

Man findet die Tabelle im Internet:

www.dgb-jugend.de

- Schule
- Berufswahl
- Berufsausbildung
- 150 Berufe im Überblick 

Quelle: 

Boombox ft. Julian Casablancas


Auf der Suche - Teil 1


Die Tinte an der Spitze seines Füllfederhalters war noch nicht ganz ausgetrocknet. Der Gedanke war noch nicht zu Ende gedacht, als Jurek sich auf die Suche begab.

Jurek reiste in das Land der unbegrenzten Schwierigkeiten und fuhr in einem Buik Straight Eight (BJ 1953, 8 Zyl., 4315 ccm, 129 PS) zu einem der wohl bekanntesten Schönheitschirurgen an der Westküste.

Er fragte den Doc: „Finde ich hier bei Ihnen das individuell zugeschneiderte, gewisse Etwas? Das wahre Glück? Können Sie mich richtig glücklich machen? Werde ich mich wohl fühlen in meinem gepimpten Body, mit dem perfekten Aussehen? Haben Sie hier in der Praxis die Ware, einzigartige Schönheit noch Vorrätig?“ Der Mann hinter der Maske, der Mann mit dem goldenen Skalpell in der einen, und dem schwarzen Edding in der anderen Hand, der Mann mit der stark ausgebeulten Hosentasche antwortete ihm prompt: „Legen sie sich einfach unter mein Messer. Wir fangen sogleich an. Ich mache einen goldenen Schnitt hier und einen goldenen Schnitt dort. Hier ein wenig überschüssige Haut fest tackern, dort etwas Fett absaugen und dann...“ Noch bevor der Chirurg seinen Satz beenden, und mit seinem Edding an Jurek herum kritzeln konnte, lief er schreiend aus der Praxis.

Wahre Schönheit, das wahre Glück, soviel war klar, konnte er in der Chirurgie leider nicht finden.

Auf der Suche - Teil 2


Zurück in der Hauptstadt seiner Wahlheimat. Weiterhin auf der Suche nach dem wahren Glück, fand Jurek sich auf einer riesigen Party wieder. Von A- bis Z-Promis war alles vertreten. Heidi war leider nicht dabei, doch dafür all die hübschen “Germanys Next Top Moppels“. Die volle Bandbreite an Kunden, oder solche die es noch werden wollten. Laufende Kundschaft auf High-Heels. Kunden für den Promi-Doc aus Hollywood.

„Hier,... so dachte er sich: „könnte ich fündig werden.“

Hier, so spürte er, war es sehr heiß und vor allem laut. Ein Club, so laut, dass er sich aus lauter Verzweiflung Zigarettenfilter in die Ohren stecken musste. Es wurde noch lauter (zum Glück war er nun einigermaßen gut geschützt) als DJ Zappel-Flipp den Lautstärkenregler höher drehte.

Strähnennasses Haar. Glitzer-Perlen und süßer Schweiß auf nackter Haut. Dabei zu sein war alles und noch so viel mehr. Dabei, ja tatsächlich, Jurek war dabei.

Auf einer After-Hour-Party, zusammen mit Miss Dezember aus dem Hochglanzmagazin. Zusammen mit all den operierten und solche die noch sparten. Zusammen mit all den übergeschminkten Fratzen. Fratzen, die man sonst nur aus den Medien kannte. Bratzen am Rande des Wahnsinns:

„Schönheitsideale? Wahres Glück? Weit gefehlt!“

Auf der Suche - Teil 3



Nach einer Erholungskur stieg Jurek Wochen später, immer noch auf der Suche, in die Straßenbahn. Besinnt und im Einklang mit sich selber, stieg Jurek Ecke Schillerplatz wieder aus.

Er traf sich “Bei Hubert“ mit einem gut gesinnt drein blickenden, graubärtigen Bergsteiger. In Huberts Eckkneipe tranken sie ein alkoholfreies Weizenbier. Danach machten sie sich auf den Weg.

Auf der Suche nach dem wahren Glück standen sie am Fuße des Hügels südlich der Stadt. Ein rasch gewachsener Hügel. Ein riesiger Haufen, aufgetürmter Schutt. Reste von zerbombten Häusern. Rudimente des letzten Krieges. Sie bestiegen den Monte Scherbelino ohne auch nur ein Wort zu sprechen. Es war still um sie herum.
So still, dass sie das leise Ticken ihrer innere Uhr hören konnten. Eine leise tickende Uhr. Eine Uhr, die nicht eng umschlungen um ihre Handgelenke geschnallt war. 

Auf dem Monte befand sich eine große Blumenwiese mit einer kleinen Hütte. In dieser Hütte kehrten sie ein. Sie machten Prama-Joga-Übungen. Sie meditierten. Sie gingen tief und immer tiefer in sich und fanden zu sich selber.
Sie fanden ganz tief, im Innern ihrer Brust, verborgen und wohlbehütet, auf dem fruchtbaren Boden ihrer Herzen, das wahre Glück: 

„Die Innere Ruhe!“

Samstag, 10. Juli 2010

Jack Black- Lord Of The Rings parody


Nirvana - The Man Who Sold The World


Die Leiden des jungen Werthers - Traile


Museum Strauhof - Ein Traum, was sonst?






Wilhelm Kempff - Beethoven's Moonlight Sonata mvt. 1-3


Mittwoch, 7. Juli 2010

Des Nachts



Er dachte sich: „Nur eben diese Tasse warme Milch mit Honig trinken, danach gehe ich wieder auf leisen Sohlen zu Bett.“  
Gedankenverloren war er des Nachts aus dem Bett gehuscht. Sein Hirn kam einfach nicht zur Ruhe. Kein Schlaf, keine REM-Phase, keine Erholung. „Vielleicht sollte ich lieber einen doppelten Esspresso,  einen Longos, schwarz wie die Nacht, mit viel Zucker, trinken?“ Die Milch in der formschönen IKEA-Tasse kühlte allmählich ab.  Schlaflos irrte er durch ein schirr riesiges Gedanken-Labyrinth, ein Ausweg schien unmöglich. Er fuhr seinen Rechner hoch und tippte während sie schliefen, die folgenden Zeilen nieder:


„Rechts oder links? Ich kann mich nicht entscheiden. Eigentlich ist es doch egal? Beide Wege führen in die Stadt hinein. Na gut, dann also rechts, oder doch lieber links? Dann eben links. Oder einfach durch die Mitte? Scheiß drauf, jetzt geht es nach links.“


Wildwechsel. Quietschende Reifen. Unangeschnallt. Frontalaufprall. Rippenbruch. Schleudertrauma. Krankenhaus.  Diese eine Entscheidung, die Straße links ab, hatte ihn direkt ins Krankenhaus geführt. Totalschaden. In dem klaustrophobisch engen Zimmer standen noch zwei Betten. Eins davon war belegt.  Der andere Kassenpatient (wie sich zu einem späteren Zeitpunkt herausstellte) war ein Weißbrot aus dem Königreich. Das Weißbrot fragte keck: „ Na Schwarzkopf, bist auch du links abgebogen?“        

Dienstag, 6. Juli 2010

Bier und Zigaretten




Erschöpft, müde von der Arbeit im Gemüsebeet, müde von Fathis alkoholisierten, verrauchten, hartem Drill. Fathi, ein Arbeiter aus Istanbul, nur zu Gast. Ein gestandener Mann aus einem Land mit spitzen Schuhen und  Zungen.

Ein Vater, der es stets wollte und mindestens einmal am Tag sagte: „Ihr sollt es mal besser haben als eure Mutter und ich. Ihr habt alle Chancen der Welt. Mit Disziplin und bla, bla, bla...“ Am Ende einer solchen Rede kam dann meistens noch eine Aufforderung wie diese: „..., hier hast du etwas Kleingeld. Jetzt lauf schnell zur Tankstelle und kauf mir Bier und Zigaretten.“

In seiner löchrigen Röhrenjeans, mit einer kinderhandvoll Klimpergeld, stand er vor der kecken Karina. Eine kaugummikauende Kassiererin. Er blickte in ihren sehr weit geschnittenen Ausschnitt. Sie zwinkerte ihm zu und gab ihm was Fathi wollte.

Durch die Zahnlücke pfeifend, die aneinander schlagenden, klimpernden Bierflaschen in der Tüte, ging er heim. Jedoch ging er nicht den direkten Weg über das Bahngleis. Er machte einen kleinen Umweg und ging durch ein sauber gekehrtes Wohnviertel.
Er ging durch ein verkehrsberuhigtes, scheinbar immergrünes Viertel. Es war eins der Viertel, indem es im Winter nicht nach dem schweren Rauch der Kohleöfen roch. 

Große glatte Pflastersteine, eine riesige Garageneinfahrt. Ein nagelneues Vision-Street-Skatebord, eine ramponierte Halfpipe, ein Bobbycar mit glänzenden Chromfelgen und hoch gewachsene Blumen in den Vorgärten.

Er sah mitten auf der Straße, im Gummitwist springende Mädchen. Er sah, ganz egal wo er hinblickte, lauter lachende, glücklich spielende Kinder. Er erkannte einige fein gekleidete, in den Unterrichtsstunden popelnde Bubis aus seiner Grundschulklasse wieder. Sie standen auf ihren Boards. Sie standen da und kicherten als er in seiner löchrigen Röhrenjeans, klimpernd, mit den Bierflaschen in der Tüte, an ihnen vorbei ging.


Ein Licht




Eisige Kälte. In unergründlicher Tiefe. In der Dunkelheit. Vom Weiten betrachtet sah man auf dem sandigen Grund eines traurigen Herzens ein fahl scheinendes Licht. Aus der Entfernung konnte man es schlecht erkennen. War es etwa das Licht der Hoffnung? Wollte man es wirklich wissen, so musste man in den Schein treten. Wollte man das, so musste man der Brutalität trotzen. Wollte man es wirklich, so musste man sich der Realität stellen.

Stillstand


Er hatte aufgehört sich zu wehren,‭ ‬denn er konnte nicht mehr.‭ ‬Er hatte die Kraft nicht mehr,‭ ‬denn er hatte seinen Glauben und somit seinen Willen verloren.‭ ‬Dagegen antreten,‭  ‬nein,‭ ‬das wollte er nicht mehr.‭ ‬Er konnte nicht mehr und nicht weniger tun,‭ ‬als nichts.‭ ‬Stillstand.‭ ‬Er stand still.