Montag, 24. Dezember 2007

Heiligabend im Altenheim




Ich war das einzige Kind meiner Eltern. Einen älteren Bruder hätte ich gehabt, doch er verstarb kurz nach seiner Geburt an einem angeborenem Lungenleiden. Vielleicht hätte er in der heutigen Zeit, mit der modernen Medizin überlebt. In den vierziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts hatte er leider keine Überlebenschancen gehabt!
Ich war erst vierzehn Jahre jung, als mein Vater mich in einem Betrieb in der nahe liegenden Stadt untergebracht hatte. Es war das Jahr indem meine Kaufmannslehre begann. Es war das Jahr indem das Leben meines Vaters endete. Sein Herz hörte auf zu schlagen. Ich versprach im an seinem Todesbett immer für meine Mutter da zu sein.
Nachdem Tod meines Vaters lebte ich noch eine sehr lange Zeit bei meiner Mutter. Meine Frau Lisbeth und bezogen die Wohnung im Obergeschoss, direkt über der Wohnung meiner Mutter. Ich verdiente recht gut als erfolgreicher Kaufmann im Textilgewerbe. Ich konnte mich sehr wohl um meine in die Jahre gekommene Mutter, meine liebe Frau und unserem kleinen Sohn Manfred sorgen. Wir hatten alle zusammen ein ausgefülltes Leben in Harmonie und voll des Glückes!
Doch gleich darauf folgte eine tragische Zeit. Die Trauer überkam uns. Mein herzallerliebstes, meine Mutter, sie verließ uns. Sie war weit über die Achtzig, als ich sie eines Abend zum aller letzten Mal zu Bette brachte. Nach ihrem Tod übergab ich die Schlüssel meines Elternhauses einem renommierten Makler. Wir bezogen unser neues, wunderschönes Heim, mitten im Herzen der Stadt. Unser kleiner Sohn wuchs heran und erfüllte uns mit stolz, als er seine staatliche Ausbildung bei der Deutschen Bundespost erfolgreich absolviert hatte.
Zwei Jahrzehnte später, als ich kurz vor meiner Pensionierung stand, traf uns ein schweres Schicksal!
Meine mir treue Ehefrau und die liebevolle Muter unseres Sohnes litt an Krebs. Die darauf folgenden Jahre waren mitunter die schwierigsten ins unserem Leben. Trotz guter medizinischer Versorgung konnte die Krankheit nicht bekämpft werden. Wir entschlossen uns die uns verbliebene Zeit auf Reisen zu verbringen. Wir machten Reisen zu anderen Ländern. Waren auf Kreuzfahrten unterwegs bereisten Sehenswürdigkeit rund um den Globus. Unsere Reisen zusammen, ergaben eine einzige, große Reise. Hunderte Polaroidbilder erinnern an diese letzte Reise. Wir durchbrachen alle irdischen Grenzen und Schranken. Die Zeit, die Erde schien still zu stehen, die Zeiten verflossen ineinander, ein Augenblick schien uns unendlich. Ich ließ sie meine Liebe ganz klar und deutlich spüren, jeder weitere Tag zusammen war ein Geschenk, welches wir zusammen wie Kinder unterm Weihnachtsbaum auspackten.
Einige Jahre vergingen. Es ging ihr sichtlich besser. Wir hofften auf eine plötzliche Genesung, eine Heilung, wie ein Wunder! Doch leider mussten wir an einem bitter kalten Wintertag, es im Dezember an Heiligabend, schweren Herzens den Weg ins städtische Hospital gehen. Es war jenes Hospital welches ich als Witwer verließ!
Manchmal, abends, wenn alle Lichter im Hospital erloschen sind. Wenn ich mit tränendem Herzen in die Dunkelheit starre denke ich an sie. In diesen Augenblicken scheint es mir, als würde ich ihren Atem in meinem Gesicht spüren. Als würde sie mir durch mein kurz geschorenes Haar streichen und mir zuflüstern: „Ich liebe dich mein Liebster. Doch nun schlaf schnell ein und träum was Schönes!“
Mittlerweile bin ich ein alter Greis geworden. Spüre das Ende meines Lebens rapide näher kommen. Die Vorboten des Tods, wie Krankheiten und Schmerzen des Verschleißes die das hohe Alter mit sich bringen, erschweren mir meine letzten Tage auf Gottes Erden.
Der einzige Sonnenschein der mir geblieben ist, ist mein Sohn Manfred. Der Junge ist so tüchtig wie ich sein Vater und so gescheit und anmutig wie seine Mutter.
Doch mein Licht wird gänzlich nicht erlischen wie ein Sternenschweif am Himmel. Denn ich war, bin und werde immer eine Teil dieser Geschichte sein!

„Höre auf zu suchen und du findest dein Glück!“



Christian hatte es mit Sport versucht. Lief Kilometer weit, schwamm Bahn um Bahn, stemmte schwere Gewichte und genoss anschließende Gespräche über die Fitness mit Gleichgesinnten in der Sauna der Muckibude. Das Glücksgefühl von dem die sportbegeisterten Freunde sprachen, blieb bei ihm aus. Etwas Gutes hatte die Sache. Seitdem er regelmäßig sportlich aktiv war, hatte er keine Einschlafschwierigkeiten mehr!
Christian hatte vor einigen Wochen sein Studium geschmissen. Doch verändert hatte sich seither nichts in seinem Leben. Vor fünf Jahren, an Heiligabend hatte seine erste große Liebe schluss gemacht. Seitdem war er ein Singel.
Es war an einem Montagabend, es war Heiligabend. Christian lag auf seiner alten IKEA Couch vor dem Flimmerkasten. Die Balkontür stand auf und die Bodenheizung gab alles und noch mehr! Soviel zum Thema Energie sparen!
Das plötzlich, abartig laut klingelnde Telefon riss ihn aus seinem Schlummerschlaf.Es war sein schmurloses Telefon, welches neben der Fernbedienung auf dem Beistelltisch lag! Er rappelte sich auf, räusperte sich und griff nach der Fernbedienung, die er sich im Halbschlaf an sein Ohr hielt: „Woyzeck!“ Keine Antwort. Nichts! Verärgert legte Christian die Fernbedienung neben das Telefon und schmiss sich auf die Couch. Sein Atem verlangsamte sich. Die Geräusche des Fernsehers wurden zu einem Teil seines Traumes. Doch plötzlich ertönte schon wieder das abartige Klingeln des Telefons. Zuerst aus weiter Ferne, doch dann kam es immer näher an sein Ohr heran. Wie ein heranrollender Tiertransporter, beladen mit dreitausend schnatternden Weihnachtsgänsen auf ihrer letzten Reise. Der Fahrer des Tiertransporter fuhr wie ein Henker direkt in sein Ohr hinein, und hielt an der Tankstelle in seinem Kopf um nach dem Weg zu fragen. Christian vergrub sein Gesicht noch tiefer in der Couch und drückte sich ein zweites schmuddeliges Kissen auf die Ohren. Das Klingeln jedoch ließ nicht nach. Verärgert, mittlerweile hell wach, saß er aufrecht und blickte auf das Funktelefon neben der Fernbedienung des Fernsehers. Er nahm das Telefon in die Hand, drückte auf das grüne Knöpfchen und schrie: „Jaaa!!“
Einige Sekunden verstrichen. Es kam keine Antwort: „Verdammt, wer zum Teufel ist denn da?!“ Es kam noch immer keine Antwort. „Haalllooo, sag mal wollst du mich veräppeln!!“
Dann endlich antwortete eine krächzende Stimme: „Christian , wach endlich auf du Faultier! Wie lange willst du noch auf der Couch herumliegen und vor dich hin pupsen?“ Christian verdutzt, stotternd: „Was, was soll das heißen, wer, wer sind sie?“ Die Stimme am Telefon: „Ich bin auf deinem Balkon! Wenn du Fragen an mich hast, so komm heraus zu mir und richte dich direkt an mich!“ Christian schlüpfte in seine plattgetretenen Pantoffeln, die ihm seine Mutter bei ihrem letzten Besuch mitgebracht hatte, und stürzte auf den Balkon. Er sah sich um. Nichts. Absolut keine Menschenseele! Niemand zu sehen! Seine Knie wurden weich, ihm wurde heiß, ihm wurde wieder kalt. Schweißperlen bildeten sich auf seiner Stirn. Er hielt sich am Geländer fest und blickte hinab zu dem Telefon in seiner verkrampft Hand. Langsam bewegte er den Hörer an sein Ohr heran: „Hallo?“ Eine laut krächzende Stimme antwortete aus der Dunkelheit hinter ihm: „Verlier jetzt bloß nicht die Nerven kleiner! Du brauchst keine Angst vor mir zu haben!“ Christian drehte sich ruckartig um, und schaute herab zu einem vom Mondlicht angestrahltem, nicht sonderlich schönen Krähenvogel. „Ich bin K`nack die Krähe.“ Christian rieb sich die Augen und ließ sich in einen kalten, feuchten Gartenstuhl aus Kunststoff fallen. Christian: „K`nack die Krähe?! Ich muss wohl träumen, kann nicht sein! Was willst du von mir? Ich habe mich zu Tode erschrocken. Ich dachte ich wäre in einem dieser abgedrehten Filme! Indenem vor dem Massaker das Telefon klingelt. Hau ab, hau ab du hässliche Milbenschleuder, du aasfressender Komposthaufen lass mich augenblicklich zufrieden“ K`nack, bewegte mehrere Male bedächlich, langsam seinen glänzenden Kopf von links nach rechts, ging auf und ab, plusterte sich auf, schüttelte sein Federkleid, verlor dabei einige seiner Milben und sagte dann im ernsten Tonfall: „Ich habe nur wenig Zeit, hör mir jetzt zu kleiner!
Das Christkind ist leider dieses Jahr völlig ausgelastet. Es kümmert sich normalerweise ganz allein um die sozialen Härtefälle! Nimm es mir nicht übel, doch auch du zählst zu einem solchen Fall. In Zeiten der Globalisierung, der Vereinsamung des Großstadt Panthers und der Kinderarmut hatte meine Cheffin dieses Jahr leider keine Zeit mehr für dich. Eigentlich wollte sie schon letztes Jahr hier gewesen sein, doch wie du siehst..."

Donnerstag, 13. Dezember 2007

Amira


Miami, Springbreak 2005. Amira tanzte mit ihr, Yuko Tanaka und ihm, Moriaki Araki.
Sie waren in Feierlaune, und so feierten sie auch. Beim Wortaustausch, zwischen dem ausgiebigen Feiern, bemerkte Amira wie sie seine zusammenhängenden Worte in kleine mundgerechte Stückchen hackten, liebevoll, nach japanischem Brauch anrichteten und auf einem Teller servierten. Diese Geste inspirierte Amira dazu, ihre aneinandergereihten Worte als einen eigens für jenen Anlass kreierten Dipp zu verwenden. Er stellte eine gefüllte, nach Frühling duftende Schale gleich neben den Teller, und reichte dazu in kleine Scheiben geschnittenes Weißbrot. Genüßlich tunkten sie mundgerechte Stückchen in die Schale. Amira genoss jede gemeinsame Sekunde und beiläufig verliebte er sich!
Lediglich nur zwei oder drei, verschwommene Schnappschüsse blieben ihm von dieser Bekanntschaft. Digitale Bilder, abgespeichert auf der Speicherkarte seines Taschentelefons waren alles. Es war eine sehr intensive, schöne, aber leider nur kurze Begegnung. Eine Begegnung ohne den Austausch von Telefonnummern oder Adressen.
Viele verwahrloste Telefonnummern oder E-Mail Adressen hatte er im Speicher seines Funktelefons notiert. Manche dieser Nummern hatten für ihn keine Bedeutung mehr. Er hatte keine Erinnerungen mehr an die Besitzer, längst verblasste Bider!
Was würde er nur für ihre Telefonnummern geben? Er ärgerte sich umso mehr! Auf Partys hatte er viele interessanter Leute kennen gelernt, hatte seine Nummer vergeben und eine neue abgespeichert. Doch ihre Nummern hatte er nicht. Leider wusste er auch nicht viel über die Beiden. Sie hatten in Amerika studiert und kamen aus Edo. So wie er standen auch sie auf den Sound der japanische Rockband Miavi.
Wieder angekommen in seiner Heimat startete er voll durch. Der Countdown war abgelaufen- Ignition! Auf seinem Karriereflug nahm er Kurs auf Erfolg. In seiner Raumkapsel zog er vorbei an der Zeit der endlosen Festivals mit anschließenden Afterpartys auf frei schwebenden Chillout-Kuschelmatratzen. Er raste vorbei an Bestandteilen seiner Vergangenheit. An all den bewegten Zeiten die er direkt und ungefiltert erlebt hatte. Doch ein kleines Stück Glück und Trauer zugleich hatte er aus seiner Vergangenheit mitgenommen. Es warenYuko und Moriaki, seine still schweigenden, imaginären Begleiter. Die immer dann bei ihm waren, wenn er sich von Miavis Sounds beschallen ließ.

Mittwoch, 5. Dezember 2007

Suri, der Libanese



Suri und Muhammad saßen in ihrer Stammspielothek: Er-Riyad. Der Besitzer war auch ein Libanese und bot seinen Gästen ein orientalisches Ambiente mit loderndem Kaminimitat, qualmenden Shishas und kochendem Tee auf dem Samowar.
"Na gut, ein Tee zu einer frischen Shisha, gefüllt mit leckerem Apfeltabak. Das gönn ich mir noch, aber dann muss ich wirklich los!" Suris Freund Muhammad war noch ledig, doch seine Eltern, alteingesessene Libanesen der ersten Generation waren gewillt diesen Zustand schon sehr bald zu ändern. Im kommenden Jahr stand ein Termin zu den ersten Verhandlungsgesprächen zwischen den Familien an. Muhammad genoss somit seine befristete Freiheit. Verständnisvoll sagte er: "Suri du hast ja recht, ich verstehe dich, komm, setz dich wieder. Wir runden den Abend mit einem Glas heißen, wohltuenden Tee ab. Außerdem muss ich auch gleich los, der Mann von Bärbel hat heute Nachtschicht!"
Suri und Muhammad bezogen Harz IV und litten unter chronischem Geldmangel. Mit Gelegenheitjobs hielten sie sich über Wasser. Zudem arbeitete Suris Frau als Produktionshelferin in einer Hühnerfabrik, die sich spezialisiert hatte auf panierte Hähnchen, tiefgefroren. So kamen er und seine Frau mehr schlecht als recht über die Runden. Die sozialen Wohnungen am Stadtrand boten ihnen und anderen Migranten ein sehr günstiges Dach über dem Kopf. Doch im Haushalt fehlte es ihnen leider an allen Ecken und Kanten.
"Muhammad, falls wir uns morgen nicht mehr sehen sollten, kann ich dir schon heute sagen, dass ich auf den Bahamas sein werde, nimm es mir bitte nicht übel! Wenn du magst kannst du mich auch mal besuchen, das Flugticket geht natürlich auf meine Kosten."
Der Lotto Jackpot war immer noch nicht geknackt worden. Suri hatte sein letztes Geld in drei Scheine investiert. Auch Muhammad hatte seine Kreuzchen gesetzt.
Er antwortete: "Suri, wenn es dieses Mal klappt, dann kaufe ich dir und deiner Familie als erstes ein gediegenes Haus mit einem riesigen Brunnen im Salon. Vergiss die Bahamas, mit dem Geld im Koffer wirst du dir deine Träume auch in Deutschland erfüllen können"
Die beiden Freunde fielen in Gedanken, und ein wohliges Schweigen trat ein.
Schon seit Jahren versuchten sie durch diverse Glücksspiele ein paar Euro dazu zu verdienen. Doch meistens, legten sie sich am Ende des Tages mit noch weniger Geld ins Bett als sie noch am Morgen in ihrer Geldbörse gehabt hatten. Obwohl Muhammad nicht viel Geld auf der Tasche hatte, war seine Brieftasche immer sehr stark ausgebeult. Lauter Wettscheine waren anstelle von Geldscheinen zu finden. Wettscheine, die, so wie sie zu sagen pflegten, bereits tot waren.

Freitag, 23. November 2007

Der Zitronenfalter


Ein gelb leuchtender Zitronenfalter flatterte um ihn herum. Der Falter setzte sich auf eine Distel rechts neben ihn und sprach:
"Hey, Du! Weißt du noch was ich dir vor langer Zeit versprochen hatte?

Er „Ja ich entsinne mich! Das ist nun aber schon so lange her! Ich hätte nicht gedacht dir irgendwann mal wieder zu begegnen.“
DerZitronenfalter: „Ich versprach dir seiner Zeit, dass du eines schönen Sommertages dein ganz persönliches Glück umarmen wirst. Dein Herz wird auflachen und Freudensprünge machen.
Heute ist der Tag gekommen, dort drüben sitzt sie. Du musst sie nur charmant ansprechen. Und erzähl mir jetzt nicht du wärst zu schüchtern, dass würde ich dir nicht abkaufen!
Er: „Aber welche von den vielen Frauen ist es denn?“ fragte er.
Der Zitronenfalter: „Es ist die bezaubernde Frau gleich da drüben. Die mit dem Buch von Andreas Steinhöfel in der Hand. Ich wünsche dir viel Glück und alles Gute! Ach ja, noch ein Tipp von mir. Sie mag keine Raucher, Also lass das Rauchen sein! Lass Deine Gedanken in die Höhe steigen, nutze den Auftrieb der Liebe die in dir steckt. Segle mit ihr zusammen über das Land. Entdeckt dabei, wie wunderschöne die Landschaften der Liebe aussehen. Und nun lass lauter schöner Worte sprudeln und sprich zu ihr, sprich, bevor sie beim letzten Kapitel angekommen ist. So, ich muss jetzt aber schleunigst weiter flattern. Sonst verliere ich meinen Schwarm. Ciao!“
Schon im Flug, aber noch in Hörweite zurufend:
„Gib Deinem Drachen mehr Schnur! Lass ihn hoch in die Lüfte steigen. Lass ihn steigen solange der Wind günstig steht! Gib dir einen Ruck, steh jetzt auf und geh zu ihr hin!“

Vatertag



Fatihs, ihr könnt mich mal!
Haltet eure Fressen ihr WiXXer! Und hört mir mal zu! Zieht euch zuerst mal vernünftige Klamotten an! Kein Wunder, dass eure treuen Ehefrauen ständig aufs Klo rennen müssen und unter chronischer Migräne leiden! Wenn ich euch den ganzen Tag lang ertragen müsste, scheiße, mir würde es nicht anders ergehen!
Schmeißt eure Jogginganzüge endlich in die Altkleidersammlung! Und die Flasche aus dem Maul, wenn man mit euch redet!

Macht euren Frauen das Leben nicht zur Hölle!
Kommt haltet doch endlich eure Fressen, und heult nicht ständig einer längst verlorenen Jugend hinterher! Tut was, ändert euch! Ich will eure Frauen wieder glücklich sehen!
Seit da wenn man euch braucht! Gute Vorbilder brauchen Unsere Kinder!



Sonntag, 18. November 2007

Der Seefahrer der Lüfte



Es war an einem kalten Morgen. Dunkle Wolken verdeckten die aufgehende Sonne.
Das erste Licht, welches ich an diesem Tag erblickte, war das Licht, der Schein von flackernden Leuchtstoffröhren an der Decke. Ein Schluck Kaffee, eine Zigarette und Schutzhandschuhe. Mein Tag begann. Konzentriert, den Blick gerichtet auf Skalen und Zahlen, das Werkstück stets im Griff. Angekommen im Bereich des Zehntels eines Millimeters schritt der Tag voran.
Die Monotonie des stetig schlagenden Beats der Industriemaschine, gab den Takt der Arbeit an.

Bis zu jenem Augenblick als ich aus der Ferne seinen Ruf vernahm. Es war ein Klagelaut, hoch über mir. So deutlich, so eindringlich. Mein Herz schlug schneller, im Offbeat zum Takt der Industrie. Ich war mir sich, es war der Seefahrer der Lüfte, der Herr der Winde - der Mauersegler!
Unverwechselbar seine Rufe, mir bekannt wie die liebevolle Stimme meiner Mutter. Die Laute drangen zu mir! Er kam zum Nisten. Er wollte sein Glück hier finden, wollte seine Familie gründen. Doch was er vorfand war erschreckend. Groß der Schornstein, wider der Natur war der Gestank, und ein Höllenlärm, nicht auszuhalten! Kein Nistplatz weit und breit, so zog er ab.
Traurig, mein Haupt gesenkt, erhob ich mich und blickte meinem Kollegen ins Gesicht. Er erwiderte meinen Blick und sagte: „Alda, das beschissene Geheule der luftbetriebenen Schrauber geht mir voll auf die Eier, dir nicht auch?!“

Eine Frohnatur



Eine Frohnatur, reinen Herzens, sprang und tollte auf Blumenwiesen. Nichts Böses lag in seinem Handeln, nur Freud und Glück floss durch seine Äderchen.
Doch eines Tages kam plötzlich aus dem Busch gehuscht etwas dunkles, nach kaltem Stahl stinkendes, undurchdringliches, wahrlich böses. Die Frohnatur erstarrte und erschrak.
“Vom Bösen kann nichts Gutes kommen, schnell weg von hier!“, schrie er auf und ergriff die Flucht. Flink und schnellen Schrittes hüpfte und sprang er über Stock und Stein. Im Lauf wagte er einen flüchtigen Blick nach hinten. Er sah das Böse: „Mann, das Ding ist gewaltig groß!“, doch war es in Wirklichkeit noch viel, viel größer. Es folgte ihm auf Schritt und Tritt. Bedrohlich nah im Nu gerückt, bereit zum Sprung- eins, zwei, drei...
Die arme Frohnatur, strampelte und hampelte hin und her. Doch leider völlig zwecklos. Das Böse Ding steckte ihn erbarmungslos in einen großen Sack. Es schwang ihn auf den Rücken. Das Ding, es lief zielstrebig aus dem Tag in die Nacht hinein. Die arme Frohnatur wurde durchgerüttelt und geschüttelt, fühlte sich elend, fing an zu schluchzen, fing an zu weinen. Doch dann, urplötzlich stoppte das Ding. Es blickte auf eine riesige, schwere, eisenbeschlagene Flügeltüre. Die Pforte zur Fabrik. Die schweren Türen öffneten sich knarrend, ein Pförtner, sitzend hinter flackernden Monitoren nickte kurz. Knarrend, mit einem anschließenden, lauten Knall fielen die Türen wieder ins Schloss. Das Ding stieg mit der armen kleinen Frohnatur hinab in den dampfenden, rot leuchtenden Schlund.
In den Schlund der Stahlindustrie.


Baba- Der Auswanderer




Ich bin 28 Jahre alt und wohne schon seit meiner Geburt in einem kleinen, überschaubaren Vorort.
Die Mieten hier am Stadtrand, in unserem Viertel sind sehr niedrig und bieten auch Familien mit einem geringen Einkommen einen wirklich akzeptablen Wohnraum.
 
Meine Nachbarn und ich wohnen in sogenannten Sozialwohnungen auf etwa 50 Quadratmetern mit je fünf Parteien in einem Haus. Die Häuser wurden in den Fünfziger Jahren errichtet und erst vor einigen Jahren von Grund auf saniert. Man kann sich nun vorstellen wie klein die Kinderzimmer ausfallen, doch nichts desto trotz haben wir in unserer Nachbarschaft lauter fidele Kinder aus den verschiedensten Nationen.

Meine kleine Geschichte handelt von einem mir sehr sympathischem Menschen namens Ibrahim. Doch alle die ihn etwas besser kennen, nennen ihn einfach nur Ibo. Seine ersten Schritte in Deutschland machte Ibo im Alter von 17 Jahren. Damals reiste er aus Istanbul am Bosporus aus, und kam nach einer dreitägigen Reise am Hauptbahnhof an. Die Zugfahrt war nicht sehr komfortabel. Da Ibo der jüngste- unter all den türkischen Gastarbeitern war, wurde er von den Älteren kurzerhand auf die Gepäckablage verfrachtet. Er wurde am Bahnhof von seinem siebzehn Jahre älteren Bruder in Empfangen genommen. Sein Bruder, der schon immer eine autoritäre Person in Ibos Leben war, vertrat in Deutschland die Stelle des Vaters. Denn sein Vater blieb zurück in der Ferne und sorgte sich um das Wohl der restlichen fünf Familienmitglieder. Die Berufung seines Vaters war das Fischen (Allein von der Fischerei konnte man zu der Zeit noch sehr gut leben, was heutzutage fast gar nicht mehr möglich ist. Doch dies nur am Rande).
In den ersten sechs Monaten seines Aufenthalts kümmerte man sich um einen Arbeitsplatz. Dies war nicht sonderlich schwer, denn in der Stahlindustrie suchte man händeringend nach Fabrikarbeitern, die schwere körperliche Aufgaben nicht scheuten. Die Fabrik, in der bereits Ibos Bruder arbeitete kümmerte sich somit gern um die nötigen Formalitäten, dies war auch nötig. Denn ohne eine Einladung mit Aussicht auf einen festen Arbeitsplatz war eine längerfristiger Aufenthalt nicht möglich (damals hätte selbst er sich nicht vorstellen können, wie lange dieser andauern würde. Denn Rückblickend sind heute nun fast vierzig Jahre vergangen).
Die ersten sechs Monate in Deutschland waren vergangen, die Zeit war gekommen um die Ausreise endgültig zum Abschluss zu bringen. Dieser Abschluss war mit einer Rückreise in die damalige Heimat verbunden. Doch anstelle des Zuges, fuhr Ibo zusammen mit seinem Bruder am Steuer eines grünen Opel Rekords aus dem Jahre 1958. Die Heimfahrt war natürlich viel bequemer als die Anreise im überfüllten Zugabteil auf der Gepäckablage. Doch in diesem Zugabteil hatte er Bekanntschaft mit Menschen gemacht, die später zu seinen besten Freunden wurden. Und in jenem Zugabteil lernte er wahrscheinlich zum ersten Mal in seinem Leben ein ganz neues, aufregendes Gefühl kennen. Es war das Gefühl der Freiheit!

BAK BIR VAR MIS, BIR YOKMUS



















…da lebte ein keiner Junge namens “Abdurahim Deliyürek“ auf einem Hügel über der Stadt „Besiktas“. Wenn Abdul morgens Wasser ließ, so blickte er auf das Meer. Sein Blick segelte über das Ufer, über den Kanal hinweg bis an die wunderschönen Ufer Üsküdars.
Abdul war ein einsames Kind, er lebte ganz allein. Seine Mutter starb bei seiner Geburt durch einen unglücklichen Fehler der Hebamme, die gleichzeitig die Geliebte seines Vaters war. Abdul heulte wie ein liebeskranker Wellensittig, als auch sein Vater ihn auf tragische Weise verlassen musste. Der nämlich wurde eines Nachts, wie es sich Jahre später herausstellte von einer deutschen Touristin Namens „Carla Liebesgrotte“ in einem pinkfarbendem „Strich Achter“ entführt und nie wieder gesehen.
Abdu war noch sehr jung als dies geschah. Anfangs viel es ihm sehr schwer, er fühlte sich allein gelassen. Doch die Tage vergingen und er fing an sich seinem Schicksal zu stellen. Abdus Geschichte verbreitete sich rasch unter den vielen Bürgern der Stadt. Es gab kein Schicksal, das dem des kleinen Abdus gleich war. Die ganze Stadt sprach von dem kleinen einsamen Jungen..
Einige barmherzige Damen aus der Oberschicht erbarmten sich seiner und boten ihm Arbeit als Laufbursche an. Fast alle Frauen, die ihn beschäftigten waren dick, schrumpelig und faul. Sie waren gar zu faul, um ihre sabbernden, knochigen und seltsamerweise besonders hübschen Liebhaber von sich zu werfen, wenn Abdu die Bestellungen annahm. So ließen sie einen an einer Schnur hängenden Korb aus dem Fenster herab, der gefüllt mit einer Bestellungsliste und dem dafür nötigem Geld war. Abdu trug die Dinge aus den verschiedensten Ecken der Stadt zusammen. Manchmal waren da auch einige sehr eigenartige Dinge dabei, wie z.B. (…).
Am Ende eines jeden Auftrags ließen die Frauen Abdus Lohn herab. Er nahm sein Geld heraus, zog zweimal an der Schnur und lief danach zu dem nächsten Korb, um die nächste Ecke, in die nächste Straße. Rasend schnell erweiterte sich Abdus Kundenkreis. Der kleine Abdu arbeitete schnell und gewissenhaft. Diese Eigenschaften schätzten die Damen sehr.
Nach einem anstrengenden und erfolgreichen Geschäftsjahr expandierte seine zuvor kleine Laufburschenfirma. Er konnte sich nun Angestellte leisten, er vertiefte die Geschäftsbeziehungen zu seinen Lieferanten, er ließ seine alte Lehmhütte zu einer Arbeitsstätte mit einem Büro und anliegenden Lagerhallen ausbauen. Er konnte immer mehr Kunden von seinem Konzept überzeugen, machte effektiv Werbung in der ganzen Stadt und wuchs von Tag zu Tag zu einem immer reicher werdendem jungen und tüchtigen Geschäftsmann heran.
Jahre vergingen, Abdu wurde älter und weiser. Sein Kundenservice trug einen Namen der Global an Ansehen gewonnen hatte. Er spannte sein Netz über den ganzen Globus und bot seinen Kunden einen reibungslosen Transfer der bestellten Waren. Der einst mal so kleine Abdu hatte es geschafft.


to be continue…

Meine erste Veröffentlichung















In the Hood, in the Ghetto oder in the Bronx, sind Wörter die mir einfallen wenn ich in Gedanken„MEIN BLOG“ ausspreche. Doch keine allzu schnelle Vorfreude, der nun folgende Text wird keine Abhandlung über die Studien eines in Deutschland geborenen Türken, der bereits in jungen Jahren das nicht anerkannte Studienfach, Ghettologie mit einem hervorstechenden Eifer studiert hat. Mein Cousin aus D`town würde sagen: “Komm endlich runter von deiner Ghettowelle, du wohnst in einem kleinem, verkorkstem Vorort einer mittelgroßen Stadt, irgendwo in Deutschland. Das hier ist nicht Compton!“
Wo er Recht hat, hat er Recht!
Ganz Deutschland ist “voll Ghetto“, aber nicht meine Heimatstadt! Ja, ganz genau Heimat! Denn hier, unter all meinen türkischen, italienischen, albanischen, kroatischen, serbischen, russischen, afrikanischen und deutschen Nachbarn fühle ich mich heimisch. Viele Türken werden jetzt an dieser Stelle lauthals fluchen, mich verspotten und als einen dieser „Deutschtürken“ bezeichnen. Und wenn schon: „Moruk, Du, ein in Deutschland lebender, doch in Deutschland nie angekommener Bürger Namens Ahmet, Mehmet, Hasan oder meinetwegen Murat, solltest endlich einsehen,

ES IST ZU SPÄT!

Dostum, Du sitzt immer noch auf Deinem gepackten Koffer, rauchend die Kippe in der einen, den Cay in der anderen Hand am Bahnsteig Deiner alten, doch für Dich immer noch neuen Wunschheimat. Jetzt fang bitte nicht an zu weinen, ich muss Dir leider mitteilen, dass Dein Zug schon vor Jahren abgefahren ist“
Mit Stolz und Respekt trete ich denen gegenüber, die vor nunmehr vier Jahrzehnten eine lange Reise in die Ferne auf sich genommen haben um neu anzufangen, um Träume zu verwirklichen. Manche von ihnen haben, ähnlich wie Robinson Crusoe, nicht auf den gut gemeinten väterlichen Rat gehört. Sie wurden zu Schiffbrüchigen und strandeten. Doch sie haben es trotzdem geschafft.
Ob im Akkord, im Takt, in Fabriken, unter Tage, wechselnd im Schichtbetrieb, hinter heißen Pizzaöfen, am Steuer eines Gino Gelato Eiswagens, in Werkstätten- an der Ölablassschraube drehend. Vor all diesen Menschen mit Migrationshintergrund im Deutschen Vordergrund ziehe ich meinen ausgefransten Hut! Diese auf dem fruchtbaren Boden der Realität gebliebenen Menschen haben deutsche Geschichte geschrieben. Sie (auch ich) sind ein ca. Sechsmilliardenstel von dem einzigen, riesigen, hoch intelligentem Organismus: Die Menschheit! „ Eure Kinder, Kindes Kinder sind gewiss stolz auf Euch. Also ich bin sehr stark stolz, mein Herz ist des Glückes erfüllt! Danke, dass ihr Euch für Deutschland entschieden habt!“
Dieses von mir kurz angeschnittene Thema, wird immer brandaktuell sein. Ich möchte nicht
politisch werden, würde mich jedoch freuen wenn ich zum Denken anrege. Denkt nach, Lan!!! Schaut ganz genau hin, hört ganz genau zu, hört zu und argumentiert wenn es erforderlich ist!!
weg sehen, weg hören, herunterschlucken bringt absolut gar nichts!! Braun ist nicht die Farbe unserer Zukunft! Dieses farbenfrohe Land, unsere Heimat, ist ein frischer Quell! Die braune, stinkende Brühe würde unsere Bäche und Flüsse vergiften! Diese zähflüssige Masse würde alles zerstören, was unsere Mütter und Väter mühevoll geschaffen haben!